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7. Juni 2026Das perfekte Ventil fürs Dauerchaos: Madsen feiern „Smile“-Release-Party am 05.06.2026 im Hamburger Stadtpark
Text und Fotos von Niko Schmuck
Punktlandung in Hamburg. Exakt am Tag der Veröffentlichung ihres zehnten Studioalbums „Smile“ verwandelten Madsen die Freilichtbühne im Stadtpark in ein hochenergetisches Meer aus Pogo, Schweiß und klarer Kante. Rund 3.500 Zuschauer feierten im „grünen Wohnzimmer“ mitten im Herzen der Hansestadt die Release-Party.
Kochkraft durch KMA als Madsen-Support
Schon im Vorfeld war eigentlich klar, dass dieser Abend eine absolut runde Sache werden würde – vorausgesetzt, das chronisch unzuverlässige Hamburger Wetter spielte mit. Der Regenradar gab sich im Laufe des Nachmittags jedenfalls gewohnt pessimistisch und prophezeite ein paar fette, durchziehende Regenwolken direkt über der Freilichtbühne. Doch pünktlich zum Auftakt des Support-Acts geschah das kleine Stadtpark-Wunder: Sonnenschein pur, als die energiegeladenen Duisburger von Kochkraft durch KMA die Bühne betraten.
Die Band ist längst kein Geheimtipp mehr, sondern mittlerweile folgerichtig beim Hamburger Independent-Vorzeigelabel Grand Hotel van Cleef unter Vertrag. Kochkraft durch KMA lieferten genau das, was es brauchte: beste Tanzlaune, dick mit Punk garniert, und Texte direkt auf den Punkt. Selbst als nach zwanzig Minuten plötzlich der Sound von Keyboarderin Nicki Louder streikte – der sich laut Band wohl „sehr schüchtern in Duisburg versteckt hatte“ –, tat das der Stimmung keinen Abbruch. Das Publikum war im Handumdrehen nicht nur musikalisch, sondern auch humorvoll bestens eingestimmt.
Madsen: Wut, Haltung und ein unbändiges Lächeln
Kurz nach 20 Uhr übernahmen dann die Gastgeber. Der Opener und Titelsong „Smile“ lieferte direkt die zentrale Botschaft des gesamten Abends: Die Welt ist verdammt anstrengend, Menschen nerven, alles brennt gefühlt gleichzeitig – und trotzdem bleibt am Ende nur die ganz bewusste Entscheidung, nicht komplett zu verbittern. Das Hamburger Publikum zündete sofort. Die Arme gingen geschlossen nach oben und die Release-Party war offiziell eröffnet.
Wie unsere Rezensentin Mia Lada-Klein in ihrer Plattenbesprechung treffend bemerkte, gehören Madsen inzwischen fest zum deutschen Indie-Inventar. Doch während viele Weggefährten ihrer Generation längst in der Festival-Nostalgie erstarrt sind, bewegen sich die Jungs aus dem Wendland auf „Smile“ erstaunlich souverän, wach und angriffslustig zwischen Indie-Rock, Punk und Poprock. Sie filtern den Dauerlärm der Welt nicht weg, sondern verarbeiten ihn direkt in Musik. Genau diese ungeschönten Beobachtungen und die ehrliche Wut der Gegenwart spürte man im Stadtpark in jeder Sekunde. Die Menge dankte es ihnen und sang bis in die allerletzten Reihen absolut textsicher mit.
Eine historische Stadtpark-Premiere
In seiner gewohnt sympathischen, nahbaren Art gestand Frontmann Sebastian Madsen dem Publikum zwischendurch, dass die Band nun fast ein halbes Jahr lang nicht mehr live gespielt hatte. Das letzte Mal standen sie in der Hamburger Alsterdorfer Sporthalle auf der Bühne (Sounds & Books berichtete). Bei der spontanen Abfrage, wer damals dabei war, schnellte prompt mindestens die Hälfte aller Hände in die Luft.
Und noch eine Tatsache sorgte für ungläubiges Staunen: Kaum zu glauben, aber Madsen spielten in ihrer mittlerweile über 22-jährigen Bandgeschichte an diesem Abend zum allerersten Mal auf der Freilichtbühne im Stadtpark! Ein Umstand, den man der Band in keiner Sekunde anmerkte. Das Set atmete eine immense Spielfreude. Die neuen Stücke des Albums fügten sich harmonisch ein und selbst einige seltener gespielte Perlen des Vorgängeralbums „Hollywood“ (2023) entfalteten live eine fantastische Dynamik.
Zwischen Punk-Ausbruch, Nostalgie und Gänsehaut
Den spürbaren Fokus legten Madsen auf die schnelleren, rotzigen Momente der Show, die bewiesen, wie hervorragend der Band ihr gereiftes, gesellschaftskritisch-erwachsenes Gewand steht. Bei „Achterbahn“ pushte das treibende, unbarmherzige Schlagzeug von Sascha Madsen den Stadtpark im Kollektiv nach vorne. Ein grandioser Live-Sound, der herrlich dreckig aus den Boxen drückte.
Den Gegenpol bildeten die ruhigeren, aber ungemein intensiven Momente des Sets – genau jene Songs, die einen verlässlich vor dem allgegenwärtigen „Dauerdoomscrolling“ retten. Mit „1995“ lieferten Madsen einen melancholischen, wunderbar nostalgischen Blick zurück, ohne dabei auch nur ansatzweise in dieses peinliche „Früher war alles besser“-Gerede abzurutschen. Ein echter Gänsehaut-Moment folgte schließlich bei „Auf die Barrikaden“, als die Freilichtbühne das emotionale Plädoyer für die Liebe lautstark mitsang.
Die unzertrennliche Soundwand
Neben den brandneuen Songs von „Smile“ musste man an diesem Abend vor allem eins würdigen: das perfekt eingespielte Live-Gefüge auf der Bühne. Die Madsen-Brüder und Bassist Niko Maurer wurden an den Flanken meisterhaft verstärkt. Die musikalische Dichte, getragen von den großartigen Keyboards und den glasklaren Backing Vocals von Lisa Who sowie der tighten Rhythmusgitarre von Mücke, baute über fast zwei Stunden lang jene typische, unverkennbar mächtige Madsen-Soundwand auf. Zudem feierte das neue Live-Bandmitglied, Smile-„Thomas“, an diesem Abend eine absolut brillante und fehlerfreie Premiere im Kreis der Familie.
Gegen Ende des Sets regierten schließlich die unsterblichen Hymnen. Nach einem kollektiven Ausrasten verabschiedete die Band ein glückliches, verschwitztes Publikum mit dem programmatischen „Lass die Musik an“ als finalem Abschlusssong in die Hamburger Nacht.
Ein Abend, der eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, warum diese Band auch nach über zwei Jahrzehnten das absolute Herzstück des deutschen Indie-Rocks bleibt. Mit diesem Release-Konzert im Rücken steht einer erfolgreichen Open-Air-Saison und der großen Hallentour im Herbst 2026 rein gar nichts mehr im Wege. Madsen haben das Lächeln zurück in den Stadtpark gebracht.



























