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7. Juli 2026Madsen im Interview über „Smile“, gesellschaftliche Verantwortung, Künstliche Intelligenz und den Mut, Haltung zu zeigen.
von Mia Lada-Klein
Mit „Smile“ hat die Band Madsen am 5. Juni ihr mittlerweile zehntes Studioalbum veröffentlicht und beweist eindrucksvoll, dass auch eine Platte Nummer zehn noch voller Energie, Haltung und neuer Ideen stecken kann. Zwischen gesellschaftlicher Kritik, persönlichen Erfahrungen und einer überraschend optimistischen Grundstimmung zeigt die Band einmal mehr, dass sie unbequeme Themen nicht scheut. Statt nur resigniert den Finger in die Wunde zu legen, setzen Madsen auch auf Hoffnung, Zusammenhalt und die Überzeugung, dass Veränderung möglich ist.
Im Sounds & Books-Interview sprechen Sascha Madsen (Drums & Percussion) und Niko Maurer (Bass) über die Botschaft von „Smile“, die Verantwortung von Künstlern in politisch aufgeladenen Zeiten, das Älterwerden, Künstliche Intelligenz in der Musikbranche und darüber, warum echte Begegnungen am Ende wichtiger bleiben als jede Technologie. Ein Gespräch über Haltung, Optimismus und die Frage, wie man sich in einer Welt voller Krisen das “Smile” bewahren kann.
Euer neues Album ist erschienen. Es ist ja immer spannend, wenn andere Menschen, besonders wir Journalisten, anfangen, Dinge in Musik hineinzuinterpretieren, die vielleicht gar nicht beabsichtigt waren. Gleichzeitig macht genau das Kunst ja auch interessant. Mein Eindruck beim Hören war, dass ihr auf dem Album sehr deutlich den Finger in die Wunden unserer Gegenwart legt. Viele aktuelle und kritische Themen finden ihren Platz. Gleichzeitig zieht sich durch die Reihenfolge der Songs auch ein Hoffnungsschimmer. Für mich wirkt das Album wie eine Erinnerung daran, dass man sich trotz aller Krisen und Schwierigkeiten auf die schönen Dinge konzentrieren, neue Erinnerungen schaffen und das Beste aus der Situation machen sollte. Ist das eine treffende Zusammenfassung?
Niko Maurer: Das hast du sehr gut zusammengefasst.
Sascha Madsen: Gerade dieser Hoffnungsschimmer ist uns enorm wichtig. Bei all dem, was aktuell auf der Welt passiert, wollen wir nicht nur Probleme aufzeigen, sondern auch etwas Positives vermitteln. Deshalb gefällt uns auch die Klammer des Albums so gut. Es beginnt mit „Smile“, einem sehr hoffnungsvollen und positiven Song, und endet mit „Ein Licht“, das ebenfalls eine optimistische Botschaft trägt. Dazwischen ist alles möglich. Dort sprechen wir Missstände an und setzen uns mit schwierigen Themen auseinander, aber die positive Grundhaltung bleibt erhalten.
Niko Maurer: In den vergangenen Jahren ist einfach unglaublich viel passiert, sowohl weltpolitisch als auch innerhalb der Band. Seit dem letzten Album gab es Veränderungen, Herausforderungen und auch Konflikte. Diese Erfahrungen ziehen sich wie ein roter Faden durch die neuen Songs. Letztlich geht es immer wieder um die Erkenntnis, dass man fallen kann und trotzdem den Mut behält, mit einem Grinsen und mit Optimismus nach vorne zu schauen. Besonders deutlich wurde uns das bei „Smile“. Der Song entstand erst ganz am Ende des Produktionsprozesses. Plötzlich haben wir gemerkt, dass er eigentlich die Essenz des gesamten Albums einfängt. Er spiegelt genau diese Mischung aus Realitätssinn und Hoffnung wider, die sich durch alle Songs zieht.
Madsen über Lebenserfahrung, Verantwortung und klare Haltung
Was mir außerdem aufgefallen ist: Vielleicht täusche ich mich, aber ich habe das Gefühl, dass man eure Entwicklung auch daran merkt, dass ihr tatsächlich älter geworden seid. Ja, man merkt das Alter, was aber absolut positiv gemeint ist. Das Album klingt zwar stellenweise wütend und kritisch, gleichzeitig aber auch thematisch tiefer. Es wirkt auf mich nicht wie Musik von Menschen Anfang zwanzig, die sich vor allem mit Liebeskummer oder der perfekten Selbstdarstellung auf Social Media beschäftigen. Stattdessen geht es um Fragen, die oft erst später im Leben wichtiger werden. Im Song „Neue Erinnerung“ zum Beispiel steckt für mich die Botschaft, aus Routinen auszubrechen, die Komfortzone zu verlassen und bewusst neue Erfahrungen zu sammeln. Habt ihr selbst das Gefühl, dass sich eure Prioritäten im Laufe der Jahre verändert haben, sowohl persönlich als auch beim Songwriting?
Sascha Madsen: Definitiv. Da sprichst du etwas an, das uns sehr beschäftigt. Wir werden älter, und wir könnten natürlich versuchen, auf ewig jugendlich zu wirken und immer wieder dieselben Themen zu besingen. Aber das interessiert uns nicht. Wir finden es spannend, älter zu werden und uns mit den Fragen auseinanderzusetzen, die in den verschiedenen Lebensphasen auftauchen. Unsere Musik altert mit uns. Kürzlich haben wir uns intensiv mit unseren bisherigen Alben beschäftigt und dabei festgestellt, dass sich sogar die
Stimme verändert hat.
Man hört einfach, dass die Jahre vergangen sind. Früher klang vieles noch deutlich jugendlicher. Das ist völlig normal. Heute steckt mehr Lebenserfahrung darin und genau das empfinden wir auch als etwas Positives. Diese Entwicklung spiegelt sich nicht nur in der Stimme von Sebastian wider oder in der Musik, sondern eben auch in den Themen. Die Fragen, die uns heute beschäftigen, sind andere als vor zehn oder fünfzehn Jahren. Deshalb können wir alles, was du gerade beschrieben hast, sehr gut nachvollziehen.
Das freut mich zu hören. Und man darf ja auch nicht vergessen: Älter zu werden ist letztlich ein Privileg.
Sascha: Absolut. Da können wir nur zustimmen.
Kommen wir zu einem der härteren Songs des Albums. Und zwar zu „I Don’t Give A Fuck“. Darin heißt es: „Ich soll nur singen und schreien, aber nicht politisch sein. Sie wollen unterhalten werden, haben sie mir gesagt.“ Darüber müssen wir spr…




