Madeleine Peyroux: Let’s Walk

Madeleine Peyroux credit Ebru Yildiz

Mit Billie Holiday oder Edith Piaf wird die Stimme von Madeleine Peyroux gern verglichen. Das neue Album präsentiert sie aber nicht nur als fabelhafte Sängerin.

von Werner Herpell

Madeleine Peyroux hat eine dieser Stimmen, die man unter Tausenden sofort erkennt. Weil sie so markant ist, und auf ganz eigene Weise schön. Dass die vor ziemlich genau 50 Jahren in Athens/Georgia geborene Sängerin auch eine herausragende Songschreiberin ist, haben viele gar nicht so auf dem Schirm, weil sie Peyroux vor allem als Interpretin vieler sehr unterschiedlicher Cover-Versionen kennen: von altem Jazz und Blues auf ihrem Debüt „Dreamland“ (1996) über Allen Toussaint oder Linton Kwesi Johnson bis zu feinstem Americana- und Songwriter-Stoff von Hank Williams, Bob Dylan, Tom Waits oder Leonard Cohen.

Von Swing bis Seventies-Pop

Madeleine Peyroux Let's Walk Albumcover

Wie gut ihre eigenen

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Kompositionen sind, beweist Madeleine Peyroux nun erneut auf „Let’s Walk“. Zusammen mit dem langjährigen Kollaborateur Jon Herington (bekannt als Produzent und Sessionmusiker unter anderem für Steely Dan und etliche Jazz-Stars) hat sie zehn Songs mit Elementen von Swing, Latin, Seventies-Pop und R&B für ein höchst anspruchsvolles Easy-Listening-Vergnügen geschrieben. Im funky groovenden „Please Come On Inside“ hört man den Steely-Dan-Einfluss gut heraus, in anderen Tracks wie „Blues For Heaven“ (selbsterklärend!) oder dem gospeligen Titelstück geht es noch ein Stück weiter zurück auf dem musikhistorischen Zeitstrahl. Im französisch gesungenen „Et Puis“ zeigt sich, warum Peyroux – neben Billie Holiday und Ella Fitzgerald – immer wieder auch mit Edith Piaf verglichen wird.

„Let’s Walk“ ist das neunte Album der US-Amerikanerin und ihr erstes seit sechs Jahren („Anthem“ von 2018). Ihr Programm ist das Zusammenführen von Menschen durch Musik – keine schlechte Idee in diesen von schlechter Laune und Spaltung geprägten Zeiten. Der Song „Let’s Walk“ hat einen ganz konkreten politischen Hintergrund – inspiriert von der massenhaften Mobilisierung für Bürgerrechte im Jahr 2020 auf der ganzen Welt. Auch die chansoneske Ballade „How I Wish“ ist ein nobler Appell für Humanität als Reaktion auf die Morde an George Floyd, Breonna Taylor und Ahmaud Arbery in den USA. Und im ergreifenden „Nothing Personal“ thematisiert Peyroux sexuelle Übergriffe.

Ein Meisterwerk von Madeleine Peyroux

Wer nun befürchtet, dass dies ein allzu ernstes, vielleicht gar runterziehendes Album ist – keine Sorge, die Songs sind nachdenklich, aber nie depressiv. Und auch mal aufgekratzt lebensfroh wie das karibisch angehauchte „Me And The Mosquito“, der coole Partly-Spoken-Word-Track „Take Care“ oder das Piano-Jazz-Stück „Showman Dan“, das auch aus der Feder von Fats Domino oder Nina Simone stammen könnte. Insgesamt ist „Let’s Walk“ ein weiterer Nachweis der kreativen Unruhe und stilistischen Bandbreite von Madeleine Peyroux – ein erstes Meisterwerk der mittleren Karrierephase dieser fabelhaften Musikerin. 

Das Album „Let’s Walk“ von Madeleine Peyroux erscheint am 28.06.2024 auf Just One Recording/Thirty Tigers/Membran. (Beitragsbild von Ebru Yildiz)

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