Macklemore live in Hamburg 2018 – Konzertreview

Macklemore live in Hamburg 2018 – Konzertreview

Macklemore liebt Hamburg

2012 gelang Macklemore gemeinsam mit dem DJ Ryan Lewis der weltweite Durchbruch – es folgte ein zweites Kollabo-Album und passende Welttourneen im Duo. Die neue, bei Sounds & Books besprochene Platte „Gemini“ macht Schluss damit. Für sein aktuelles Album hat sich Macklemore von Ryan Lewis getrennt – alleine steht er aber trotzdem nicht da. Auf seiner Tour hat er nicht nur eine ganze Band im Rücken, sondern auch wieder einen DJ – Nick Beeba.

Auch wenn er nicht im Albumtitel erscheint, nimmt Nick Beeba wie sein Vorgänger einen unglaublich wichtigen Part in Mackelmores Show ein. Das fängt schon damit an, dass er pünktlich um 20:00 Uhr den Abend des 28.04.2018 mit einem wunderbar durchchoreografierten DJ-Set einläutet. Schon diese erste halbe Stunde macht klar, was man musikalisch heute erwarten kann – einen Abend an der Kante zwischen Pop und Hip Hop. Da geht das Publikum gleichermaßen zu „Humble“ von Kendrick Lamar oder „Put Your Hands Up“ von Fat Man Scoop ab, wie zu „Wannabe“ von den Spice Girls. Schon hier zeigt Nick Beeba seine Entertainer-Qualitäten, indem er die ausverkaufte Alsterdorfer Sporthalle schon nach Minuten zum Hüpfen und Mitgröhlen bringt und auch immer wieder vor das DJ-Pult tritt.

Einen kurzen Auftritt vom zweiten Voract Dave B später, steht Macklemore auch schon auf der Bühne. „I Ain’t Gonna Die Tonight“ leitet den Abend ein – es ist einer der stärksten Songs auf „Gemini“ und Eric Nally sowohl durch seine Stimme als auch seine ausgefallenen Bewegungen ein wirklicher Gewinn für die Tour. Nach einem kurzen Block mit neuen Songs gewinnen schnell die alten Hits die Überhand. So werden am Ende nur knapp die Hälfte der 16 Album-Tracks von „Gemini“ überhaupt gespielt. Über die letzten zehn Jahre hat sich Macklemore eben ein Polster an sicheren Nummern aufgebaut, die ihn quasi blind durch solch einen Abend tragen. Es wäre Verschwendung, Hits wie „Thrift Shop“, „And We Danced“, „Dance Off“ oder „Can’t Hold Us“ nicht zu spielen. Selbst wenn er mal wie bei „Thrift Shop“ aus dem Tritt kommt und eine schnelle Passagen verpasst, bricht die Stimmung nicht ein. Den Text rappt sowieso das halbe Publikum gerade mit.

Dementsprechend hoch ist auch die Verlockung, einfach funktionierende Elemente aus der Tour von vor zwei Jahren zu recyceln. Highlights wie das Publikums-Dance-Off oder die Verwandlung in Ziggy Stardust für „And We Danced“ gab es fast eins zu eins bereits zu sehen – neu ist allerdings Macklemores Kostümwechsel-Marathon. Ab seinem Hit „Thrift Shop“, das vierte Stück im Programm, wechselt Macklemore zu fast jedem Song auch das Outfit – vom Fellmantel über das Willy-Wonka-Kostüm bis hin zum lässigen Holzfällerhemd. Neu ist auch die Reaktion auf den Toleranz-Song „Same Love“. Nachdem Macklemore in einer kurzen Ansprache und das Publikum durch schallende Buhrufe ihre Position zu Donald Trump sehr deutlich gemacht haben, ist der Jubel für „Same Love“ der lauteste des Abends – auch wenn das Lied schon Jahre alt ist, wird die Thematik leider immer wichtiger mit jeder neuen Tournee.

Apropos Liebe – entweder mag Macklemore Hamburg wirklich sehr, sehr gerne oder er hat das übliche Loben des Spielortes auf ein neues Level gehoben. Der Onkel, der in Hamburg lebt oder die kleine Tochter, die ihm per Facetime verärgert mitteilt, dass er ihr Schnitzel aus ihrer deutschen Lieblingsstadt mitbringen solle – die ganzen Geschichten mit Hamburg-Bezug sind sehr nah an der Fremdschamgrenze. Kaum eine Ansage ohne Hamburg-Lobhudelei – dem Publikum war es aber größtenteils egal. Bei jedem einzelnen Verweis auf „Schnitzel“ oder „die schönste Stadt Deutschlands“ wurde wie auf Abruf wieder wild gejubelt. Anscheinend schwächt sich für die Fans der Effekt, dass ein Weltstar IHRE Stadt kennt, nie ab.

Trotz etwas schleimender Ansagen, hat Macklemore aber insgesamt sehr solide und sicher abgeliefert. Eine gesunde Mischung aus den verschiedenen Alben, ein guter Rhythmus aus Uptempo-Hits und ruhigeren Nummern, und viele quasi Selbstläufer-Hits. Nichts an diesem Abend hat wirklich überrascht, aber niemand wird auch richtig enttäuscht aus der Sporthalle gegangen sein – wie schon beim Genre balancierte Macklemore auch an diesem Abend. Am Ende hat er den Mix gefunden, der jedem Fan – egal welches Album er am liebsten mag – genug Futter geben sollte, um mit einem wohlig warmen Gefühl und Schweißperlen auf der Stirn das Konzert zu verlassen.

(Beitragsbild: Macklemore, Gemini, Albumcover Bendo LLC/Warner)

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