Lutz Seiler: Stern 111 – Roman

Lutz Seiler: Stern 111 – Roman

Preisgekrönter, hervorragender neuer Roman von Lutz Seiler, des Stars der zeitgenössischen, deutschen Literaturszene

Jeder Roman ein Volltreffer. Gut, Lutz Seiler hat erst zwei geschrieben, beide jedoch sind hoch dekoriert. Mit seinem Debütroman „Kruso“ gewann der 1963 in Gera geborene Lyriker und Schriftsteller 2014 auf Anhieb den Deutschen Buchpreis, sein aktuelles Werk „Stern 111“ wurde mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2020 ausgezeichnet. Spitzenpositionen in den Buchverkaufscharts waren jeweils die Folge – ein Umstand, der nicht auf jeden Preisträger der beiden bekannten Literaturauszeichnungen zutrifft. Auf Lutz Seiler können sich indes sowohl Kritiker als auch ein großes Lesepublikum einigen. Und das vollkommen zu recht.

Lutz Seilers gewandter und poetischer Sprachstil

Mit seinem gewandten und poetischen, zeitweise auch überbordend-impulsiven Sprachstil überzeugt Seiler von der ersten bis zur letzten Zeile seines Romans „Stern 111“.  Ein Wenderoman, der unmittelbar nach dem Mauerfall einsetzt. Der 26-jährige Carl Bischoff wird von seinen Eltern ins heimatliche Gera beordert. Sie wollen aus der DDR in die BRD flüchten, in der Angst, das alte Regime setze sich am Ende doch noch durch. Carl solle als Nachhut in der elterlichen Wohnung bleiben. Zwei Wochen macht er das Versteckspiel um die verschwundenen Eltern mit, bevor er sich in den Shiguli setzt und nach Berlin fährt. Dort wird der gelernte Maurer und Ex-Student mit Traumberuf Dichter nach einigen Nächten im Auto und krank geworden vom „Rudel“ aufgenommen, einer Stadtguerilla, die sich als Arbeiter-Guerilla („Aguerilla“) versteht, unter der Leitung des charismatischen Hoffi, alias „Der Hirte“.

Zwischen Berlin und Kalifornien

Lutz Seiler Stern 111 Cover Suhrkamp Verlag

Diese Gruppe von Idealisten, Freiheitskämpfern und  Revolutionären besetzt, bzw. „bewohnt“, heruntergekommene Häuser und Wohnungen zwischen Kreuzberg und Prenzlauer Berg und baut mit Hilfe von Carl die Kneipe „Assel“, die sich alsbald zu einem beliebten Treffpunkt der Szene etabliert, zu der auch Kruso als Nebenfigur gehört. In diese aufregende Umbruchphase Deutschlands, Berlins und auch Carls, trifft der Held des Romans noch seine Jugendliebe aus Gera wieder. Effi heißt die Angebetete, eine labile Künstlerin, zu der Carl eine nicht unbedingt gesunde Beziehung führt. Im Parallelstrang des Romans erzählt Lutz Seiler den Werdegang von Carls Eltern in der BRD. Von anfänglichen ups and downs, dem märchenhaften Aufstieg seines Vaters zum Programmierexperten und dem wahr werdenden Traum von Amerika, den die beiden seit der Begegnung mit Rock’n‘Roll-Ikone Bill Haley Ende der 50er-Jahre hegten. Der Mauerfall und die Geburt Carls kamen ihnen dazwischen, nun, im Alter von circa 50 Jahren steht ihnen in Kalifornien scheinbar die Welt offen. Ebenso wie dem zunächst etwas orientierungslosen Carl in Berlin, dessen Leben wir über den Zeitraum von nur knapp eineinhalb Jahren gebannt verfolgen.

Lutz Seiler hat einen zeitlosen Wenderoman verfasst

Mit zahlreichen Rückblicken arbeitend – die u.a. zum titelgebenden DDR-Radio „Stern 111“ führen – hat Lutz Seiler sowohl einen zeitlosen Wenderoman als auch einen modernen Abenteuerroman, eine illustre Familienchronik sowie einen klug konzipierten Entwicklungsroman verfasst. Aus einer Zeit, die nicht nur in Carl Hoffnungen weckte und die sich, wie im Verlauf des Romans hin bereits angedeutet, in eine ganz andere deutsch-deutsche Zukunft entwickelte. Lutz Seiler ist der Star der zeitgenössischen, deutschen Literaturszene, ein profunder Erzähler, der die wichtigsten Preise gewinnt, schlicht, weil er es kann.

Lutz Seiler: „Stern 111“, Suhrkamp, Hardcover, 528 Seiten, 978-3-518-42925-9, 24 Euro. (Beitragsbild: Buchcover)

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Lutz Seiler und die Schauplätze seines neuen Romans »Stern 111«

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