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31. März 2026Die Hamburger Songwriterin Lùisa im Interview mit Sounds & Books über ihr Album „Call Me The Witch“
Interview von Ullrich Maurer
Mitten in der Pandemie veröffentlichte die Hamburger Musikerin Lùisa 2021 ihr von Tobias Siebert produziertes Album „New Woman“ und legte damit ein starkes Statement in Sachen Female Empowerment vor – und war damit auch recht erfolgreich. Deswegen wundert es ein wenig, dass sie bei der Vorbereitung für ihr nun vorliegendes, viertes Album „Call Me The Witch“ in eine Situation geriet, bei der ihr eine Riege männlicher Entscheidungsträger anriet, sich einem internationalen Pop-Produzenten anzudienen und weniger „edgy“, dafür aber kommerzieller zu klingen, damit sich ihre Musik besser vermarkten ließe.
Dass sie damit dann nicht einverstanden war und sich entschied, die angestaute Wut über diese Situation kreativ zu nutzen, wundert dann nicht mehr. Lùisa beschloss, sich ein Studio einzurichten und dort das Produktionshandwerk zu erlernen um neues Material zusammen mit ihren Musikern in Eigenregie einspielen zu können. Schließlich entschloss sie sich, das neue Album dann auch selbst über den Label-Service RecordJet zu veröffentlichen.
Die Hexe Lùisa
Hallo Lùisa! Der Titel des Albums „Call Me The Witch“ ist dann ja wohl als Kampfansage an die Doppelstandards des patriarchalisch geprägten Musik-Business zu verstehen. Wofür steht denn der Begriff „Hexe“ für Dich?
Lùisa: „Hexe“ ist natürlich ein unfassbar aufgeladener Begriff. Man hat ja diese historische Dimension wie etwa die der Hexenverbrennungen, die ja keine Hexenverbrennungen waren, sondern einfach Frauenverbrennungen. Und es geht eben auch um diese tiefe Dunkelheit, die dem Begriff innewohnt – aber auch diese ganz tief verwurzelte Misogynie. Ich glaube, Hexe ist für mich eigentlich so ein Widerstandsbild gegen diese kulturell verwurzelte Misogynie einzustehen und auch ein Aufruf, seine Eigenwilligkeit zu leben und auch seine magische Kraft zu finden. Das ist für mich, glaube ich, so der Kern der Hexe.
Aber es ist natürlich auch ein kulturell aufgeladenes Bild, was in der Popkultur super
gefeatured wurde – gerade in den letzten Jahren. Und deswegen fasziniert mich auch dieses ganze Thema so – weil es etwas sehr Mythologisches hat, etwas Historisches und etwas Popkulturelles, gerade wenn du dich selbst dann als Hexe bezeichnest.
Es ist demzufolge dann ja auch ein Statement in Sachen Empowerment – denn eine Hexe agiert ja nach Deiner Definition aus einer Position der Stärke heraus.
Lùisa: Ja, es geht dann auch darum, durch die Dunkelheit sein Empowerment zu finden. Im Vergleich zu dem Album ‚New Woman‘ – bei dem es ja auch viel um Empowerment ging, dass aber sehr hell war, habe ich gemerkt, dass in den letzten Jahren sich eigentlich viel mehr so eine Wut auf Verhältnisse bei mir eingestellt hat und ich diese Wut dann umwandeln wollte in etwas, was zu etwas Magischem wird.
Das alles mal eingedenk drängt sich die Frage auf, warum dann ausgerechnet diese Platte nicht wütender in klanglicher Hinsicht – also rockiger – geworden ist…




