Lucius: Wildewoman – Album Review

Kunterbunter Pop-Mix von Lucius

von Gérard Otremba

Es verwundert nicht, dass für das Cover von Wildewoman das Bild „Ice Cream 1“ der belgischen Pop Art-Künstlerin Evelyne Axell ausgewählt wurde. Denn genauso verführerisch und quietschbunt ist der Pop-Mix der aus Brooklyn stammenden Band Lucius. Dominiert wird Wildewoman von den Harmoniegesängen der beiden Songwriterinnen Jess Wolfe und Holly Laessig. Zur Band gehören noch die Musiker Dan Molad, Peter Lalish und Andrew Burri, darüber hinaus waren noch etliche Gastmusiker an der Produktion des Debütalbums von Lucius beteiligt. Wildewoman überzeugt durch ein euphorisches Amalgam aus Sixties-Girl-Pop und Achtziger-Wave, aus Melodiebeseeltheit und Rhythmusartistik. Und kaum ein Song kommt ohne enthusiastische „Aaahhh“- „Uuuhhh“- oder „Ooohhh“-Chöre in allen Variationen aus. Mit dem Titelsong geht es los, ein von akustischen Gitarren begleiteter, charmanter vorgetragener Pop-Song, der doch tatsächlich an Arcade Fire und Haim erinnert. „Turn It Around“ beginnt fast wie „Please Mr. Postman“ von den Marvelettes, bevor es von Percussion, Gitarre und Synthie befeuert, einen überschwänglichen Charakter erhält.

Sowohl die Stimmen von Wolfe und Laessig, als auch die Melodieführung erinnert an den Folk-Pop von The Pierces, ein abgefahren großartiger, mit allen Ohrwurmqualitäten ausgestatteter Indie-Pop-Song. Wahrlich inbrünstig schmettern Wolfe und Laessig „I don’t need you anyway, go home“, den Refrain von „Go Home“, wo sie sonst von schläfrigen Drums und einer Slidegitarre gar hübsch eingebettet werden. Mächtig schrill pulsiert „Hey, Doreen“ voran, während „Tempest“ zwischen Pierces-Seligkeit und OMD-New-Romantic-Wave changiert und in „Nothing Ordinary“ auf die Percussion wie einst bei Tom Waits eingedroschen wird. Für „Two Of Us On The Run“ schlagen Holly Laessig und Jess Wolfe ganz sanfte Töne an, dem Stück „Until We Get There“ gibt Lucius einen Fleetwood Mac-Charakter mit auf den Weg und mit „Don’t Just Sit There“ evoziert die Band den Gitarren-Pop der Cranberries. Wie ein kleines Schlaflied erklingt „Monsters“, mit dem pompösen „How Loud Your Heart Gets“ endet das Erstlingswerk der Amerikaner, im Bonus-Track „Genevieve“ klöppeln die Bandmitglieder nochmal enthusiastisch auf die Percussion. Vorsicht, schnell ansteckend, dieses Lucius-Fieber!

 „Wildewoman“ von Lucius erscheint am 04.04.2014 bei Play It Again Sam / Pias.

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