Lucinda Williams live in der Hamburger Fabrik – Konzertreview

Lucinda Williams live in der Hamburger Fabrik – Konzertreview

 

Lucinda Williams mit Bandbegleitung und vielen Highlights ihrer Karriere

Die Hamburger Fans lieben „ihre“ Lucinda Williams heiß und innig und bejubeln dementsprechend ihren Auftritt am 25.08.2017 in der Hamburger Fabrik stürmisch. Wen wundert es? Schließlich zahlt es Ihnen die 1953 in Lake Charles, Louisiana, geborene Williams mit einem formidablen, 20 Songs umfassenden Konzert zurück. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass die Songwriterin mit Car  Wheels On The Gravel Road und Essence zwei Alben in ihrer Karriere veröffentlicht hat, die über das Americana-Genre hinaus in den Kanon einer jeden gut gepflegten Musiksammlung gehören.

Einen neuen Longplayer stellt Lucinda Willams nicht vor (die aktuelle Platte heißt immer noch The Ghosts Of Highway 20 vom Januar 2016), jedoch war sie mit ihrer Band im Studio und nahm Sweet Old World, das auf den Tag genau vor 25 Jahren veröffentlicht worden ist, und am 20.10. in Deutschland erscheint, neu auf. Es fühle sich wie ein neues Album an, meint Williams, bevor sie den überaus melancholischen und berührenden Titelsong anstimmt. Zu diesem Zeitpunkt ist bereits die Hälfte des Konzertes, das mit einem punktgenauen „Protection“ begann, Geschichte. Im Gegensatz zum letzten Hamburg-Gig vor Jahresfrist im Kampnagel, als sie lediglich von Gitarrist Stuart Mathis begleitet wurde, entfaltet sich Williams‘ bluesgetränkter Folk-Rock in der Fabrik diesmal in Bandstärke. Mathis ist wieder dabei, dazu noch David Sutton am Bass und Butch Norton am Schlagzeug, die unter dem Bandnamen Buick 6 als Lucinda Williams Begleitung auftreten.

Ein eingespieltes, auf Williams‘ Bedürfnisse eingehendes Trio, das „Real Live Bleeding Fingers And Broken Guitar Strings“ in euphorische Sphären und „Pineola“ in bluesige Abgründe treibt. Perfekt ausbalanciert die sehnsüchtige Ballade „Those Three Days“, während „Burning Bridges“ am Ende in Psychedelic-Rock-Gefilde gleitet. Anschließend bietet Lucinda Williams eine berückende Solo-Version von „When I Look At The World“ und auch „Lake Charles“ mit Mathis‘ sparsamer Gitarrenarbeit gerät ganz zauberhaft. Es läuft alles rund an diesem Abend beim Live-Auftritt von Lucinda Williams. Der dunkle County-Blues von „Bitter Memory“, das entspannte „Fruits Of My Labor“ und der Roots-Rock von „Change The Locks“ klingen wie aus dem Jungbrunnen. Über mangelnde Abwechslung kann sich wirklich niemand beklagen.

Die hymnische Pop-Rock-Attitüde bei „Essence“ ist weg, Williams und Band konzentrieren sich auf den Blues-Rock-Kern des Songs, die sehnsüchtige Schwermut jedoch bleibt. In „Foolishness“ schmettert Williams den Gästen vehement die Zeile „I need freedom, I need peace, I need love in my life“ entgegen, eine kleine Replik auf einen gewissen Präsidenten, sie sei froh, mal wieder aus den USA rauszukommen, teilte sie vorher im Verlauf des Auftritts bereits mit. Den Zugabenteil beginnt Lucinda Williams mit dem neuen Song „We Have Come To Far To Turn Around“, das die aussagekräftigen Worte „staring at the eyes of evil“ enthält. Mit dem entfesselten Blues-Rock von „Joy“ verabschiedet sich Lucinda Williams nach gut 100 Minuten und gibt den Anwesenden noch „peace and love“ mit auf den Weg. Nehmen wir dankend an.

 

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