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1. Juli 2026Der Widerstand gegen Trump ist in der US-Musikszene leider noch arg leise. Dies gilt ausdrücklich nicht für Low Cut Connie und sein grandioses Protestalbum.
von Werner Herpell
Wenn die furchtbare Trump-Zeit irgendwann mal vorbei ist (möge es sehr bald sein!), wird man Adam Weiner alias Low Cut Connie zu den heimlichen Helden des Widerstandes aus der US-Musikszene zählen. Während Stars wie Bruce Springsteen, Neil Young oder Jack White ihre Prominenz und Popularität derzeit (höchst ehrenwert) nutzen, um vor den Faschismus-Gefahren für das „Land of the Free“ zu warnen, ist Weiner schon seit über einem Jahr einer der unbekannteren, damit angreifbareren und daher besonders mutigen Pioniere des „Bis hierher und nicht weiter“.
Eine astreine Party- und Protestplatte
Jetzt lässt er Wut über und Sorge um sein politisch irrlichterndes Land auf einem ganzen Album heraus. Auf einer astreinen Protestplatte, die musikalisch mit ihrer Mixtur aus Piano-Pop, Heartland- und Glam-Rock, R&B und Gospel ganz nebenbei unheimlich gute Laune macht. Wer „Livin In The USA“ also nur als mitreißendes, verschwitztes Party-Album irgendwo zwischen Jerry Lee Lewis und Little Richard, Ben Folds und (dem jungen) Elton John, The Rolling Stones, Mott The Hoople und Little Steven genießen will, kann das natürlich tun – er/sie wird viel Spaß haben. Wer diese Lieder aber auch wegen ihrer teilweise explizit politischen Texte hören möchte, dem dürften erst recht die Ohren aufgehen.
Schon im grandiosen Opener und Titelsong singt Weiner über seine dem Trump-Wahnsinn verfallenen US-Landsleute Erschreckendes und Vernichtendes: „Die jagen mir mit all dem, was da gerade so abgeht, eine Heidenangst ein/es ist wie an Halloween, Baby, wenn man merkt, dass der Traum vorbei ist.“ Der Refrain: „Ich lebe in den USA/aber es ist nicht mehr meine Heimat.“ Dass Low Cut Connie diese harsche Gesellschaftskritik zu feurigem Soul-Rock äußert, der in den meisten nordamerikanischen Bars und Bierkneipen auch MAGA-Verstrahlte zum Tanzen animieren könnte, macht den Gegensatz noch eindrücklicher.
Ganz klare Haltung, von Anfang an
Schon kurz nach Beginn der zweiten, noch katastrophaleren Trump-Präsidentschaft im Januar 2025 trat Weiner aus der grauen Masse der hilflosen, verschreckten Künstler mit einem ganz klaren Statement hervor. Auf die dreiste Übernahme des berühmten Kennedy Centers in Washington durch den Möchtegern-Diktator reagierte der Pianist und Singer-Songwriter so: „Ich habe mich sehr darauf gefreut, im Rahmen der ‚Social Impact‘-Reihe dieser wunderbaren Einrichtung aufzutreten, die Gemeinschaft, Freude, Gerechtigkeit und Gleichheit durch die Künste in den Vordergrund stellt. Als ich erfuhr, dass diese Einrichtung, die seit 54 Jahren überparteilich geführt wird, nun unter dem Vorsitz von Präsident Trump selbst und seinem Regime steht, habe ich beschlossen, dort nicht aufzutreten.“ Bang! Der saß.
Ende 2025 veröffentlichte Low Cut Connie dann die (leider nicht auf dem 10-Track-Album vertretene) ergreifende Ballade „Settle Down“, begleitet von einem Video des renommierten Fotojournalisten Alex Wroblewski. Seine Bilder zeigen Vorfälle militarisierter Polizeieinsätze, angefangen bei Aufnahmen aus Ferguson/Missouri im Jahr 2014 bis hin zu aktuellen Razzien der brutalen Einwanderungsbehörde ICE und Einsätzen der Nationalgarde in Chicago, Memphis und Washington/D.C.
Low Cut Connie gegen die „Arschlöcher“
Der in Philadelphia, einer der für die freiheitliche US-Geschichte wichtigsten Städte, ansässige Adam Weiner hat nun auch sein neues, bereits achtes Studioalbum dem politischen Kampf gegen die Trump-Regierung und ihre milliardenschweren Unterstützer gewidmet: „Ich habe dieses Album aufgenommen, weil es mich anwidert zu sehen, wie unser Land abgleitet in eine autoritäre Hölle, ein moralisches Vakuum, einen Ort, an dem die Kunst nicht mehr den kulturellen Diskurs bestimmt. Ich habe dieses Album aufgenommen, um diesem Regime den Stinkefinger zu zeigen, der Brutalität und Unmenschlichkeit unserer politischen und technologischen Führungskräfte. Das sind Arschlöcher ohne Klasse, Geschmack, Moral oder jeglichen Sinn für Kunst.“
Weiners Lösung ist so einfach wie ermutigend: „Rock ’n’ Roll ist eine Kunstform, bei der man Tische umwirft. Es ist Zeit, wieder einen Tisch umzuwerfen.“ Dass Songs wie „Livin In The USA“, „Little Freakers“, „Can’t Be Wrong“ oder „Human Condition“ daran (hoffentlich) ihren Anteil haben werden, kann man Low Cut Connie gar nicht hoch genug anrechnen. Superbe Musik, zielgenaue Texte – ein rundum tolles Album. Andere, angesichts der Lage in den USA noch schweigsame US-Künstler (von Bob Dylan bis Taylor Swift) sollten genau hinhören, wie man politischen Mut und uramerikanische „Musik für die Massen“ zusammenbringt.
Das Album „Livin In The USA“ von Low Cut Connie erscheint am 03.07.2026 bei Contender Records. (Beitragsbild von Danny Clinch)





