Loma: Don’t Shy Away – Albumreview

Loma: Don’t Shy Away – Albumreview

Loma und ihre Perlen aus Kammermusik, Indie-Pop, Americana und ein bisschen Avantgarde

„Emily (Cross) dropped 3 stunning records since 2016 and no one talks about her“, klagte 2019 eine Userin auf dem Musikportal last fm. Zeit, das zu ändern. Einige dieser Alben wurden unter dem Namen Cross Record veröffentlicht – ihr Partner bei diesem Projekt (sowie bis 2018 auch in ihrem Leben) ist Dan Duszynski, der es bei Discogs gegenwärtig auf 126 Alben unter seiner Mitwirkung bringt. Beide tourten einst gemeinsam im Vorprogramm der Texaner Shearwater und entzückten deren Jonathan Meiburg so extrem, dass er mit diesen ein Album unter dem Namen Loma einspielen wollte. Es erschien 2018. Seitdem hat Meiburg ein Buch geschrieben, das 2021 herauskommen wird, mit Shearwater David Bowies Berlin-Trilogie nachgespielt sowie mit Duszynski ein Album im Eigenvertrieb veröffentlicht. Und, zusammen mit Cross & Duszynski, das zweite Loma-Album fabriziert. Ein Album, das erst auf sanften Druck eines gewissen Brian Eno entstand.

Brian Eno lobt Loma

Loma Don't Shy Away Cover Sub Pop

Nachdem die Luft nach einer Loma-Tour ein wenig raus war, hörte Emily Cross davon, dass Brian Eno „Black Willow“ vom Loma-Debüt auf BBC über den Klee lobte. Das inspirierte zum Weitermachen, wie „Don’t Shy Away“ beweist – ein Album, bei dem das Trio mit Hilfe ihrer Tourverstärkung Emily Lee und Matt Schuessler sowie Jen Wasner von Wye Oak auf elf Songs klangliche Register eines großen Orchesters aufzieht. Gut, ein Blasensemble ist auch dabei. Die Kombination aus den Bläsern, der Elektronik, den Gitarren, dem Bass sowie den Alltagsgeräuschen mit der unter die Haut gehenden Stimme von Cross ist atemberaubend, faszinierend und birgt enorme Suchtgefahr.

Spricht die Eigendefinition von Loma auf ihrer Facebok-Seite von „Uneasy Listening“, so mag das eher auf die melancholisch-schrägen Texte zutreffen als auf den ungewöhnlichen, doch extrem wohlklingenden Sound der Formation. Der textliche Einstieg bei „I Fix My Gaze“ offenbart bereits die sehr eigene Sichtweise der Autorin, wenn sie über einem düsteren Weirdo-Teppich aus Klarinette, Bass sowie Keyboard darüber sinniert wie es ist, unter einem Felsen eingeklemmt zu sein und dessen Schönheit dabei schätzen zu lernen.

Eine musikalische Wundertüte ohne Ausfälle

Gefolgt vom akustischen Roadtrip „Ocotillo“, bei dem die unterschiedlichsten Bläser Akzente setzen, setzt „Half Silence“ ein erstes, dickes Ausrufezeichen: Sphärische Keyboards neben sanften Gitarrenakkorden verbinden sich mit der kristallinen Performance von Cross zu einem Dreampop-Meisterstück. Kammermusik, Indie-Pop, Americana und ein bisschen Avantgarde – „Don’t Shy Away“ ist eine musikalische Wundertüte ohne Ausfälle, das am Ende noch von einer Produktion des verehrten Meisters Brian Eno geadelt wird („Homing“). Aber nach den Perlen auf dem Weg dahin ist das nur ein schönes Stück mehr auf dieser Platte, die auch ohne seine Mitwirkung restlos überzeugt hätte. Für seinen Motivationsschub kann man ihm jedoch gar nicht genug danken.

„Don’t Shy Away“ von Loma erscheint am 23.10.2020 bei Sub Pop / Cargo Records.

Unterstützen Sie Sounds & Books

Auch hinter einem Online-Magazin steckt journalistische Arbeit. Diese bieten wir bei Sounds & Books nach wie vor kostenfrei an.
Um den Zustand zukünftig ebenfalls gewährleisten zu können, bitten wir unsere Leserinnen und Leser um finanzielle Unterstützung.

Wenn Sie unsere Artikel gerne lesen, würden wir uns über einen regelmäßigen Beitrag sehr freuen.

Spenden Sie direkt über PayPal oder via Überweisung.

Herzlichen Dank!

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Kommentar schreiben