Lilly Among Clouds live in Hamburg 2017 – Konzertreview

Lilly Among Clouds live in Hamburg 2017 – Konzertreview

 

Die junge deutsche Songwriterin mit der enormen Stimme

Und dann verhaut Lilly Brüchner eine ihrer Ansagen. Der Satz führt ins Leere, es ist ihr peinlich. „Wenn ihr wüßtet, wie rot meine Backen jetzt sind“ sagt sie von der relativ dunkel ausgeleuchteten Bühne der Prinzenbar während des Auftritts am 15.11.2017 in Hamburg. Aber was bedeutet schon so eine kleine verpatzte Ansage, wenn beim nachfolgenden „Your Hands Are Like Home“ diese Wahnsinnsstimme von Lilly Among Clouds, die alle Höhen und Tiefen scheinbar mühelos erklimmt, einen wieder schlicht in Verzückung geraten lässt?

Mit einer glasklaren und ebenfalls beeindruckenden Stimme ist Suus de Groot gesegnet, die als Sue The Night das Vorprogramm von Lilly Among Clouds bestreitet. Normalerweise als Sextett unterwegs, wird Sue The Night an diesem Abend lediglich von Violinist und Gitarrist Matthijs Barnhoorn begleitet, der auch an den Aufnahmen des zweiten Sue The Night-Albums Wanderland beteiligt war. Auf ihrem Longplayer schwelgt Sue The Night im farbenfrohen Indie-Pop, live in der vollen Prinzenbar funktionieren die Songs vom Opener „Pity Song“ bis zum Closer „The World Below“ auch in instrumental reduzierter Form ganz ausgezeichnet und werden dementsprechend vom Publikum mit lautstarkem Beifall goutiert. In voller Bandstärke ist Sue The Night wieder am 28.01.2018 in Hamburg zu sehen, dann in der Nochtwache im Nochtspeicher.

Nach 60 Minuten ist das Konzert von Lilly Among Clouds zwar leider wieder vorbei, doch es ist eine intensive Stunde, die die Fans der jungen Würzburger Songwriterin mit der enormen Stimme, die von Jahr zu Jahr besser wird und so phantastisch zwischen barmender Verzweiflung und freudiger Hoffnung changiert, erleben. Das Konzert kommt nach und nach in Fahrt, die Dramaturgie der Setlist mit den Songs ihres Debütalbums Aerial Perspective setzt die stärksten Songs ans Ende des Auftritts, obwohl „Long Distance Relationship“, das Stück über eine Fernbeziehung gar nicht wirklich wie eine Beerdigung klingt, wie Lilly Brüchner, die so süß mit ihrer Kleinmädchenattitüde kokettiert, es den Gästen einzureden versucht.

Einem sehr sanft vorgetragenen „Like A Bombshell“ folgt das schwierigen Freunden gewidmete „Keep“. Mit dem opulenten „Remember Me“ steigert sich Brüchner mit ihrer dreiköpfigen Herrenband im Rücken in einen Rock’n’Roll-Rausch, bevor ihre Stimme in der dunklen Piano-Ballade „Everyone Else“ mit voller, bebender Pracht betört. Mit „Your Hands Are Like Home“ beginnt dann der Endspurt, der im prächtigen „The Only One“, einem heißen Kandidaten für die Songs-des-Jahres-Top-Ten-Liste bei Sounds & Books, mündet und im Disco-Club-Sound von mit Publikumschören begleiteten „Listen To Your Mama“ seinen Abschluß findet.

Zwei Ausnahmenballaden bilden den Zugabenteil des Lilly Among Clouds-Auftritts in der Prinzenbar. Das neue, sensationelle „Surprise“ sowie das immer noch atemberaubende „Blood & History“, mit dem die Karriere von Lilly Among Clouds vor zwei Jahren nicht nur mit einem Song des Tages bei Sounds & Books begann. Erfreut über das Konzert, aber auch voller Demut ob der vollbrachten Sangeskunst, macht man sich auf den Heimweg durch das triste Novemberwetter. Bestimmt spielt Lilly Among Clouds bald wieder in Hamburg…

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