Liam Hayes: Slurrup – Album Review

Liam Hayes: Slurrup – Album Review

Frischer Sixties-Sound vom Songwriter aus Chicago

von Gérard Otremba

Es verwundert nicht, dass Liam Hayes, auch unter dem Pseudonym Plush auftretend, mit seinem Song „Soaring And Boring“ ausgerechnet im Film High Fidelity zu hören ist, scheint der aus Chicago stammende Musiker ebenfalls ein ausgesprochener Nerd wie die Protagonisten aus Nick Hornbys Roman zu sein. Auf seinem nunmehr fünften Studioalbum seit des Debüts More You Becomes You von 1998 ist jedoch vom barmenden Pianosound von „Soaring And Boring“ weit und breit keine Spur zu. Vielmehr entführt uns Liam Hayes auf Slurrup in die mitt- und spätsechziger Jahre und offeriert uns eine Mischung aus treibenden Rocksongs und grazilem Pop. Nach einem kurzen Intro legt der Multi-Instrumentalist mit dem an The Small Faces erinnernden und vorwärtspreschenden „One Way Out“ los, nur um anschließend in „Nothing Wrong“ das Swinging London der Sixties im Gewand von The Kinks einzufangen.

Ein großartiger Platteneinstieg, der mit dem balladesken Midtempo-Pop von „Get It Right“ fortgesetzt wird, eine kaum zu widerstehende Verführung. Nach einem ultrakurzen Psychedelic-Exkurs treibt uns „Fokus“ in bester The Who-Manier mit Garagen-Rock-Prä-Punk vor sich her, während „Greenfield“ als schmachtende Harry Nilsson-Ballade durchgeht und „Keys To Heaven“ lässig, charmant und glamourös wirkt. Als wahrlich entzückender Romantic-Pop entpuppt sich „Long Day“ und eine gewöhnungsbedürftige Geräusch-Collage erwartet den Hörer bei „Channel 44“. Rauschhaften Beat und Rock’n’Roll paart Liam Hayes dann mit lieblichen „Lalala“-Chören in „Outhouse“, spätestens jetzt sind wir ihm verfallen. Aber nicht genug, richtet sich Hayes mit „August Fourteen“ noch zwischen Scott Walker, Tim Buckley und Burt Bacharach ein und zeigt uns in „Fight Magic With Magic“ wie frisch und unverbraucht der an den Sixties orientierte Rock-Pop heute klingen kann. So gerät Slurrup zu einer sehr spaßigen Angelegenheit.

„Slurrup“ von Liam Hayes ist am 16.01.2015 bei Fat Possum Records / Pias erschienen.

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