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26. September 2025Klassik neu erlebt – Leon Gurvitch erobert das Hamburger Docks. Nebeleffekte, Lichteffekte, Videoeffekte auf mehreren Leinwänden – was passiert, wenn man einen klassischen Pianisten und einen DJ von Welt zusammenbringt? Eine bessere Stimmung als auf einem Rockkonzert.
Text und Fotos von Johanna Karajan
Als ich am späten Nachmittag des 05. Septembers 2025 vor den noch verschlossenen Türen des Docks am Hamburger Kiez stand, hörte ich ungewöhnliche Geräusche aus dem Club: Töne eines klassischen Pianos. Klassik? War das nicht eher etwas für ein paar Türen weiter im St. Pauli Theater, wo bereits das Musical von Andrew Lloyd Webber „Das Phantom der Oper“ lief? Nicht heute. Heute fand das lang erwartete Konzert endlich statt: Leon Gurvitch im Hamburger Docks mit „Piano Unplugged“ – das bedeutet, dass das Klavier elektrische Sounds beinhaltete. Das Konzert wurde bereits ca. zwei Monate im Voraus angekündigt als Leon Gurvitch im C. Bechstein Centrum Hamburg die Sommerpause einläutete. Gurvitch steht dem Klavierhersteller nicht nur sehr nah, sondern wurde für dieses Konzert eigens von Bechstein Hamburg gefördert. So wurde am Morgen exklusiv ein Konzertflügel geliefert, welches von einem hauseigenen Bechstein-Experten mindestens eine Stunde lang aufwendig gestimmt wurde.

Leon Gurvitch x DJ Vlader: Klassik mit Techno-Sounds
Kurz vor Einlass leuchteten auch die Bildschirme mit den angekündigten Lichteffekten auf, so dass die Spannung stieg. Doch eine Frage brannte mir besonders unter den Nägeln: Was wird Gurvitch spielen?
Ab 18 Uhr ging es dann los: Der Einlass. Dieses Konzert sollte anders werden und versprach auch anders zu sein. Die Regel „ohne Dresscode“ war Programm: Die Leute kamen rockig, sportlich, glitzernd, in Schwarz-Weiß-Rot aber auch Pink.
Leon Gurvitch betrat die Bühne mit den sanften Tönen von „Silent Waves“, dem ersten Stück seines Albums „Musique Mélancolique“ und fuhr fort mit weiteren bekannten Liedern wie „Melody From Childhood“ oder „Ich bin ein Gast auf Erden“. Mit „Melodika“ – einem Lied, das die Sehnsucht nach der Sonne spielt – führte er ein neues Lied ein. Bei den „Vier Jahreszeiten von Leon Gurvitch“ stellte er nun beim „Frühling“ DJ Vlader als Special Guest vor. „Dies ist eine Tanzbar. Wenn Sie wollen, können Sie auch tanzen“, fügte Gurvitch hinzu. Mit diesem ersten Eindruck von „Klassik neu erlebt“ folgte eine Pause mit dem DJ am Pult.
Der zweite Teil des Abends begann erneut sinnlich und ruhig mit der „Cello Suite“ von J. S. Bach oder „Over The Rainbow“, was besonders gut zum Charakter von St. Pauli passt. Auch den Titelsong des Konzerts „Waves“ spielte Gurvitch, welchen er für einen Film, der Premiere in Toronto hatte, schrieb. DJ Vlader kam dann bei „Perpetuum Mobile“ wieder zum Einsatz.

Es hagelte, Pfeifen und Beifall. Zu Recht kann man sagen, dass Leon Gurvitch x DJ Vlader mit seinem Konzert „Piano Unplugged“ eine bessere Stimmung verbreitet hat als ein Rockkonzert. Woher man diesen Vergleich ziehen durfte? Spätestens als beim großen Finale „Chopin rocks!“ gespielt wurde. Zu Beginn seines Konzerts sagte Gurvitch, dass es ein Traum von ihm war, im Club aufzutreten, insbesondere um ein junges Publikum erreichen zu können. Deshalb wollte er an einem Ort spielen, an dem klassische Musik nicht so gängig ist. Diese einleitenden Worte von ihm habe ich nach dem Konzert wieder aufgegriffen und ihn gefragt, ob sein Traum in Erfüllung gegangen ist. Dies beantwortete der Pianist ganz zweifellos mit einem stolzen „Ja“.
In einem Interview hier sagte er einst, dass er kein Revolutionär wäre, weil er sonst beispielsweise Bach nehmen und dessen Stücke in ein Rockgenre umwandeln müsse. Doch im Prinzip hat er an diesem Abend klassische Musik nicht nur neu erleben lassen, sondern genau das gemacht: sie revolutioniert. Warum er sich dabei für DJ Vlader und Techno-Sounds entschieden hatte? Ganz einfach: Weil er dies auf eine Empfehlung hin gemacht hat.
Nach so einem Konzert vibrierten die Gemüter selbstverständlich und Fans fragen sich: Wird es nochmal ein Konzert einer solchen Art geben? Leon Gurvitch schließt das nicht aus. Ihm ist die bombastische Atmosphäre durchaus nicht entgangen und er sucht immer nach neuen Herausforderungen. Man darf also gespannt sein.




