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9. August 2025Sie malt, während er spielt – für sein Konzert „Summertime“ hat sich der Komponist und Pianist Leon Gurvitch einen ganz besonderen Ort ausgesucht.
Text und Fotos von Johanna Karajan
Abends am Hamburger Rathaus Mitte Juli: Kaum steigt man die Treppen der U-Bahn hoch, wird man von den ausgefallensten Ballkleidern und schicksten Anzügen empfangen. Das weckt Erinnerungen an die eigene Abiturzeit. Doch das eigentliche Highlight fand um die Ecke statt. Glamouröse Outfits, Sekt und der Hall ausgelassener Gespräche – so wurde Komponist und Pianist Leon Gurvitch für seine Piano Soirée „Summertime“ erwartet. Pünktlich zu diesem Event hatte sich der Sommer in Hamburg eingefunden. Aber es war nicht der Sekt, der den Empfang besonders gemacht hat, sondern viel mehr die Location: Wohin man auch geguckt hat: Gemälde zwischen Hamburger Hafenliebe bis New York City Skylines. Die Kunst von Jeannine Platz hat alle Blicke mit Begeisterung auf sich gezogen, denn die Künstlerin hat nicht nur aus allem Kunstwerke gemacht wie bspw. Kleidungsstücken oder Instrumenten, sondern auch alles verwendet, um Kunst zu machen.
Leon Gurvitch beginnt mit „Silentium“
Nach einem halbstündigen Sektempfang wurde Leon Gurvitch mit Applaus begrüßt. Er durfte Platz nehmen auf einem von Platz bemalten Flügel. Das erste Lied war „Silentium“. Das berühmte erste Lied aus seinem Album „Musique Mélancholique“. Dieses hatte er für das Ballett „Kintsugi“, choreographiert von Edvin Revazov, komponiert. Doch was ruhig begann, wandelte sich schnell zu flottem Jazz. Gurvitch ist ein Meister in der klassischen Musik à la Johann Sebastian Bach. Anlässlich zu dessen 340. Geburtstag hat Gurvitch im April das Konzert „Bachomania“ in der Laeiszhalle gespielt. Hier könnt ihr darüber lesen. Aber er geht auch im Jazz auf. Dass er Feuer und Flamme bei diesem Genre wird, konnte man deutlich sehen. Selbst das Publikum konnte nicht mehr stillstehen und tänzelte zum Jazz von Gurvitch mit.

Während die einen mit geschlossenen Augen Stücke wie „Summertime“, bei dem sich Gurvitch das Wortspiel mit den Namen „von Gershwin zu Gurvitch“ nicht nehmen ließ, oder „Summer“ aus den „Vier Jahreszeiten“ von Leon Gurvitch (weil jeder große Komponist seine eigenen „Vier Jahreszeiten“ schreibt und Gurvitch zu Recht als Meister, wie man hier nachlesen kann, eingestuft wird) auf sich wirken gelassen haben, konnten die anderen nicht ihr Smartphone aus der Hand legen.
Von Hamburg nach New York
Und wie fanden es die restlichen Zuschauerinnen und Zuschauer? „Ich wollte schon immer nach New York, um dort in einem Club ein Jazzkonzert zu hören. Das war der Vorgeschmack darauf.“, erzählte eine Besucherin. New York, diesen Flair hat ein großer Teil der Audienz von Leon Gurvitch auf seinem Konzert an diesem Abend erlebt, nicht zuletzt dank der passenden Gemälde von Jeannine Platz. Eine besondere Überraschung des Abends stellte sich als Improvisation zu dem Bild von Jeannine Platz heraus, an dem sie während Gurvitchs Konzert weitergemalt hat: Der Hamburger Hafen umgeben von einer traumhaft pinken Kulisse eines Sonnenuntergangs.

Am Ende wurden die beiden Künstler noch in einem Kurzinterview übereinander befragt: Leon Gurvitch und seine Frau Irina, die Marketing und Administration für ihn übernimmt, hatte ich bereits vor dem Konzert gefragt, welche Emotionen der Pianist am heutigen Abend empfindet. Jeannine Platz hatte ich, während ich sie malen gesehen habe, dieselbe Frage gestellt. Die auf Gegenseitigkeit beruhende Antwort: pure Inspiration.
Jeannine Platz und Leon Gurvitch
Was bedeutet dieses Aufeinandertreffen also für die beiden Hauptakteure? Jeannine Platz wollte nur die Musik von Leon Gurvitch auf sich wirken lassen, konnte aber nicht anders, als an die Staffelei zu gehen und zu malen. Leon Gurvitch empfindet den Austausch von Kunst und Musik immer als „wunderbar“. Sein persönliches Highlight im Gegenzug dazu im Saal zu spielen sei es gewesen, dass er seine Audienz so nah und unmittelbar bei sich sitzen hatte. So passen die unterschiedlichen Künste zusammen: Die Musik von Leon Gurvitch lässt die Zuhörerinnen und Zuhörer bereits in ihrem Kopf Bilder sehen. „Sie potenzieren sich gegenseitig und verleihen einander Kraft“, so Platz.
Gurvitch hingegen empfindet als Mehrwert, wenn Künstlerinnen und Künstler auf verschiedenen Bereichen (bspw. Maler und Komponisten) aufeinandertreffen und sich gegenseitig inspirieren. Das besondere an Jeannines Kunst nach Leon? Sie hat fantastische Bilder, weil ihre Natur, einen eigenen Stil zu haben und gerne zu reisen ihre Kunst authentisch und inspirierend macht. Das besondere an Leons Musik für Jeannine Platz hingegen ist, dass diese sie zutiefst berührt.
Dieses Konzert in einer Kunstausstellung wir im Atelier von Jeannine Platz zu erleben, ist absolut überwältigend gewesen. „So muss sich der Kunsthimmel anfühlen“, dachte ich mir, denn einen schöneren Ort konnte ich mir nicht vorstellen.




