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5. Juni 2026Zwischen Folktronica, Ambient und Jazz schweben die Songs des zweiten Albums von Laura Misch. Schöner kann man derzeit kaum abschalten.
von Werner Herpell
Das Cover-Foto des neuen Albums von Laura Misch zeigt eine junge Frau, vermutlich die Künstlerin selbst – von hinten fotografiert in einer Höhle, dem Licht zugewandt, in den Händen hält sie Steine. Ein Artwork, das perfekt zu „Lithic“ passt – zu einem bezaubernden Werk, das Ambient-Instrumentals, soften Jazz, Field Recordings und Folktronica, sanfte Esoterik und ökologisches Bewusstsein miteinander verbindet. Eine Songwriter-Platte der besonderen Art, die sich auf die ungefähr gleichaltrige Neo-Britfolk-Sängerin Laura Marling ebenso bezieht wie auf Artpop-Meisterstücke von Talk Talk oder David Sylvian.
„Klang und existenzielle Gedanken“
„Lithic“ (zu Deutsch: steinern) sei „wie eine Höhle, die aus Emotionen und elementarer Kraft entstanden ist“, schreibt das Label One Little Independent beim Versuch, diese zarten, leicht versponnenen Sounds in Worte zu fassen, die von Mischs ätherischem Saxophon, ihrer feinen Altstimme sowie erhaben schwebender Elektronik geprägt sind. Und weiter: „Klang und existenzielle Gedanken hallen durch ihre Abgründe, während uralte Geschichte in den Steinen nachhallt.“ So sei die Vorab-Single „Shell“ im Winter entstanden, „als Laura allein inmitten der Kieswüsten und Stürme von Dungeness lebte, (…) eine Ode an die Suche nach Schutz“.
Man muss sich indes nicht von diesem etwas luftig-abgehobenen Gedankengebäude beeindrucken lassen, um die zwölf in sich ruhenden, komplexen Stücke zu genießen (und dabei gepflegt abzuschalten). Damit auch ganz konkret zurück zu Laura Misch, die vor 33 Jahren in eine musikalische Londoner Familie hineingeboren wurde (ihr jüngerer Bruder Tom hat erst kürzlich mit dem wunderbaren Album „Full Circle“ den Wechsel vom Hipster-Jazz ins Singer-Songwriter-Genre abgeschlossen). Ihre ersten Veröffentlichungen „Playground“ (2017) und „Lonely City“ (2019) hatten noch EP- oder Minialbum-Charakter, ehe „Sample The Sky“ (2023) und sein akustisches Gegenstück „Sample The Earth“ (2024) das Talent dieser Multiinstrumentalistin und Klangforscherin auch im Longplayer-Format bestätigten.
Laura Misch zwischen Folk und Dreampop
Das von der Natur inspirierte zweite „richtige“ Studioalbum „Lithic“ ist nun Laura Mischs folkigstes, dreampopigstes, wohl auch zugänglichstes Werk – gleichwohl vom oft rückwärtsgewandten Neo-Folk-Mainstream immer noch (zum Glück) meilenweit entfernt. Mit dieser sehr hörenswerten Platte kommt die Engländerin im Herbst für (leider nur) ein einziges Konzert nach Deutschland – am 02.10.2026 tritt sie im Heimathafen Berlin auf.
Das Album „Lithic“ von Laura Misch erscheint am 05.06.2026 bei One Little Independent/Bertus. (Beitragsbild von Joya Berrow)





