Laura Marling live in Hamburg

Laura Marling live in Hamburg

Intensives Laura Marling-Konzert im Hamburger Knust

von Gérard Otremba

 lauramarling

Es kann eigentlich nicht sein, dass Laura Marling vor knapp zwei Monaten erst 22 Jahre alt geworden sein soll. Zu reif und zu weise klingen ihre Songs und auch ihre Bühnenpräsenz ist mehr als beeindruckend. Das Knust ist praktisch ausverkauft bei Marlings Tour-Abschlußkonzert am 24.03.2012 und von Beginn an steht das Publikum im Bann dieser außergewöhnlichen Musikerin.

Laura Marling bringt Ruhe ins Publikum

Laura Marling gelingt bei ihrem Konzert ein seltenes Phänomen. Sie bringt Ruhe in den Saal. Schon bei den Eingangszeilen zum Eröffnungssong „I Was Just A Card“ konzentrieren sich die Gäste auf den Vortrag und hängen gebannt an Marlings Lippen. Etwas, das Pete Roe im Vorprogramm nicht ganz gelungen ist. Aber das ist natürlich auch dem Fluch des Supports geschuldet. Die vorderen Reihen sind zwar ganz bei der Sache, der Lärmpegel im hinteren Bereich nimmt dann leider wieder proportional zu. Schade, denn Roes zärtlich bis spröder, aber immer zu Herzen gehender Folk hätte die volle Aufmerksamkeit verdient. Bis auf einzelne Ausnahmen bleibt es beim Auftritt von Laura Marling dann erfreulicherweise auf eine gespannte Art und Weise still.

Die ausgeprägte Intensität der Laura Marling

Und das ist gut so. Denn jeden Song Laura Marlings muss man einfach genießen, Störgeräusche nerven hier extrem. Der Beginn des Konzertes steht ganz im Zeichen von Marlings im September 2011 erschienenen Wunderwerk „A Creature I Don’t Know“. Nach „I was Just A Card“ folgt das jazzige „The Muse“, bevor sich „Don’t Ask Me Why“ zu einem grandiosen Drama entwickelt. Die Band, bestehend aus Schlagzeug, Kontrabass, Gitarre, Keyboard und Cello, flankiert Marlings Gesang, der abwechselnd schwindelnde Höhen und Tiefen erklimmt, punktgenau, so dass auch das anschließende, wesentlich rockigere „Salinas“ mit größtmöglicher Intensität gespielt wird. Marlings Blick ist meist zu Decke gerichtet, sie muss sich strecken, um ans Mikro zu kommen, immer wieder läßt sie ihren Kopf mit dem mittlerweile blondierten langen Haar in den Nacken fallen, ikonenhaft wird sie dazu vom Spot angestrahlt, versunken im Hier und Jetzt.

Imponierender Folk-Pop, voller ergreifender Schönheit

Laura Marling kann nichts falsch machen. Alles Kleinmädchenhafte, das bei jeder anderen 22-jährigen Musikerin normal wäre, scheint ihr fremd zu sein. Sie entwickelt eine Ernsthaftigkeit, die auch schon der jungen Suzanne Vega eigen war. „Blackberry Stone“, „Ghosts“ und „Alas I Cannot Swim“, mit leichten Country-Einflüssen versehen, sind ausgereifte Folk-Pop-Perlen, die normalerweise von wesentlich routinierteren Kolleginnen komponiert werden. Und dann steht sie da, allein mit ihrer akustischen Gitarre, singt „The Needle And The Damage Done“ von Neil Young und alle sind ergriffen. Auch „Flicker And Fail“ und das neue Stück „Once“ berühren durch ihre unendliche Schönheit. Ähnlich gestrickt ist „Made By Maid“, man könnte die berühmte Stecknadel fallen hören. Nur die „Herr Lehmanns“ dieser Welt halten sich nicht an ungeschriebene Regeln und verursachen leider bei den intimsten Momenten dieses Auftritts den größtmöglichen Geräuschpegel im Thekenbereich.

Laura Marling setzt neue Maßstäbe im Songwriter-Folk

Der famosen Darbietung Laura Marlings tut dies aber keinen Abbruch. Wieder mit Bandbegleitung erobert sie die Herzen der Gäste weiter mit dem keltisch angehauchten „Alpha Shallows“, dem, ähnlich wie „Don‘t Ask Me Why“, sehr an Joni Mitchell erinnernden „My Friends“ sowie dem immer wieder für Gänsehaut sorgenden „Sophia“. Zum Ausklang präsentiert Laura Marling noch die souverän vorgetragenen Stücke „Rambling Man“ und „I Speak Because I Can“. Der Abend im Knust beweist, dass man über die scheue, aber selbstbewußte Laura Marling längst nicht mehr von einem Talent sprechen kann. Sie ist die neue Größe im Songwriter-Folk, die sich mit allen messen kann und selbst Maßstäbe setzt. Als nächstes freuen sich die Amerikaner, denn dort tritt sie demnächst mit Andrew Bird auf. Eine geniale Zusammenstellung.

 

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