Lankum: Live In Dublin – Albumreview

Lankum credit Sorcha Frances Ryder

Ihr Album „False Lankum“ war eine der Sensationen des Musikjahres 2023. Jetzt gibt’s einen Live-Nachschlag der irischen Doom-Folk-Band Lankum. Hält die Faszination an?

von Werner Herpell

War das eine Begeisterung, als das bis dahin nur in Fachkreisen bekannte irische Quartett Lankum vor gut einem Jahr mit seinem neuen Album alle Vorstellungen von traditioneller Folk-Musik über den Haufen warf. Da steckte so viel Schmerz in „False Lankum“, so viel Wut, so viel Mut zum lärmumtosten Zertrümmern (und Wiederzusammensetzen) schöner Melodien. „Schleichender, doomiger Lagerfeuer-Black-Metal“ war laut Sounds & Books-Experte Michael Thieme zu hören, oder auch „Irish Folk goes Post-Punk“. Sein atemloses Review-Fazit: „Lankum klingen wie zehn Bands in einer und überwältigen mit ihrem vierten Album total. Meisterstück.“

„False Lankum“ – eines der besten Alben 2023

Lankum Live In Dublin Albumcover

Das renommierte UK-Magazin „Mojo“ lobte per Radiohead-Vergleich: “This may be modern folk music’s own ‚OK Computer‘.“ Und auch dieser

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Reviewer war tief beeindruckt und euphorisiert (wie praktisch alle Musikkritiker, die „False Lankum“ schließlich zu einem der besten Alben des Jahres 2023 erkoren). Der Live-Eindruck verstärkte noch das Gefühl, jenseits des Lankum-Hypes einer „Folk-Offenbarung“ beizuwohnen. Womit wir bei der jüngsten Veröffentlichung von Ian Lynch, Radie Peat, Cormac Mac Diarmada und Daragh Lynch wären. Mit „Live In Dublin“ gibt es nun einen ausführlichen Nachschlag, und den auch noch als Heimspiel-Mitschnitt der aus Irlands Hauptstadt stammenden Lankum-Truppe.

Zwar wollen die vier meist im Sitzen musizierenden Folk-Noir-Sänger und -Instrumentalisten ihre aktuelle Platte in diesem Sommer bei Festivals und Headliner-Shows in kompletter Länge darbieten (beispielsweise am 23.09.2024 im Berliner „Theater des Westens“). Doch das Konzertalbum greift auch weiter zurück ins Repertoire der vor 20 Jahren unter dem Namen Lynched gestarteten Band. Neue Klassiker wie „Go Dig My Grave“ oder „On A Monday Morning“ klingen live mindestens so toll wie auf „False Lankum“. Aber wer das Quartett erst voriges Jahr kennengelernt hat, kann hier auch Bekanntschaft mit den Noise- und Grusel-Attacken von „The Pride Of Petravore“ oder „Hunting The Wren“ (vom 2019er „The Livelong Day“) machen. Das hier an dritter Stelle der (Digital-)Album-Setlist präsentierte Stück „The Rocky Road To Dublin“ wurde bisher sogar noch nicht mal offiziell veröffentlicht.

Lankum-Lieder auch live atemberaubend

Pure Folk-Pracht und gänsehautprovozierender Krach, der dann wieder zur Harmonie zurückfindet – so funktionieren Lankum-Lieder auch live. „Die vokale Brillanz der Leadsängerin Peat, aber auch der drei männlichen Bandmitglieder ist auf Anhieb atemberaubend“, war bei S&B über den ausverkauften Berliner Gig Ende April 2023 zu lesen. Das trifft auch auf den Dublin-Auftritt zu, der noch dazu den Zauber einer besonders engen Vertrautheit zwischen den Musikern und ihrem Publikum hat, etwa im eindringlichen, elfminütigen Trad-Opener „The Wild Rover“ und im aufgekratzten Folk-Fiddle-Closer „Bear Creek“. Diese Irish-Music-Erneuerer sind gekommen, um zu bleiben – „Live In Dublin“ ist ein weiteres Zeugnis ihrer Langzeitwirkung.

Das Album „Live In Dublin“ von Lankum erscheint am 21.06.2024 bei Rough Trade Records. (Beitragsbild von Sorcha Frances Ryder)

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