Lana Del Rey: Ultraviolence – Album Review

Die unendliche Traurigkeit der Lana Del Rey

von Gérard Otremba

Mit „Video Games“ verzauberte Lana Del Rey vor zwei Jahren die ganze Welt. Die lakonische Coolness der amerikanischen Sängerin berührte die Menschen, die Männer lagen der traurigen Diva zu Füßen, das Debütalbum Born To Die verkaufte sich millionenfach. Ein Überraschungscoup, zweifellos. Leider enthielt Born To Die durchaus auch verzichtbare Ausflüge in HipHop-Gefilde und Eighties-Reminiszenzen, die im krassen Widerspruch zur elegischen Schönheit von „Video Games“ oder „Summertime Sadness“ standen. Glücklicherweise läßt die 1986 in New York geborene Lana Del Rey diesen überflüssigen Ballast für Ultraviolence ganz weg und konzentriert sich auf ihre große Stärke, das Traurigsein. Natürlich poliert Lana Del Rey dabei die Melancholie auf Hochglanz, so dass sie sich weiterhin einer großen Gefolgschaft sicher sein kann. Nun muss man sich zum Weinen nicht mehr ins einsame Kämmerlein zurückziehen, mit Lana Del Rey wird die Traurigkeit radiotauglich und massenkompatibel. Ein neues „Video Games“ ist auf Ultraviolence zwar nicht zu finden, und für die Single „West Coast“ gibt es sogar extra eine Radio-Mix-Version, doch betörend sind die neuen Songs allemal.

Die Plattenversion von „West Coast“ klingt im Vergleich zur Radio-Single-Version wesentlich sinisterer und erinnert an einige wunderbare Feist-Songs. Der Eröffnungssong „Cruel World“ changiert zwischen sanftem Piano und dramatischem Pathos, Lana Del Reys Stimme mal weidwund, mal verträumt, mal anklagend. Diese wehmütige Stimmung bleibt dem ganzen Album erhalten und wird nur um Nuancen verändert. Zum Dream-Pop avanciert der Titelsong „Ultraviolence“, die Streicher übernehmen den dominanten Part, die Vocals leicht verhallt. In „Shades Of Cool“ und „Brooklyn Baby“ schraubt sich Del Reys Stimme in atemberaubende Höhen, der Inhalt von „Sad Girl“ und „Pretty When You Cry“ entspricht dann ziemlich genau den Songtiteln, und über das verwunschen-opulente „My Way Up To The Top“ erreicht die unendliche Traurigkeit der Lana Del Rey in „Old Money“ den absoluten Höhepunkt. Eine auf Piano und Streicher reduzierte Ballade, die zum endgültigen emotionalen Ausbruch führt. Lana Del Rey entwickelt sich auf Ultraviolence zu einer Schmerzenssirene, der wir gerne folgen.

 „Ultraviolence“ von Lana del Rey ist am 13.06.2014 bei Universal erschienen.

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