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6. November 2024Die Sounds & Books-Reviews zu den Alben von Friedberg, Saturndaze und Cats And Dinosaurs
von Gérard Otremba
In der neuen Ausgabe unserer „Kurz und gut“-Rubrik stehen die Debütalben der Londoner Indie-Band Friedberg, das ebenfalls erste Werk der Hamburger Newcomer Saturndaze sowie das fünfte Album der schwedischen Formation Cats And Dinosaurs im Mittelpunkt. Drei unterschiedliche Ansätze (bei Cats And Dinosaurs gleich mehrere in einem Album), drei tolle Alben.
Friedberg: Hardcore Workout Queen
Friedberg, die britische Band um die österreichische Frontfrau Anna Wappel (aka Friedberg), gehörte schon 2021 mit der Veröffentlichung der Debüt-EP „Yeah Yeah Yeah Yeah Yeah Yeah Yeah Yeah“ und den dazugehörigen Songs „Lizzy“ und „Yeah“ zu den aufregendsten Newcomern im Indie-Sektor. Auch die Single „Never Gonna Pay The Rent“ befeuerte die Aufmerksamkeit, Auftritte beim Reeperbahn Festival 2022 sowie als Support von AnnenMayKantereit in Hamburg taten ihr Übriges. Nun erscheint mit „Hardcore Workout Queen“ das Debüt-Album mit zehn Song, die Zeichen setzen im Indie-Rock-Pop-Genre unserer Zeit.
Die treibende Single „The Greatest“, der von uns als Song des Tages vorgestellte, zwischen Liebreiz und Betörung changierender Titeltrack, das psychedelisch angehauchte „Venice 142“, der verträumte New-Wave-artige Opener „100 Times“ sowie das pulsierend-flirrende „My Best Friend“ sind die Highlights des ersten Longplayers des gelegentlich an Warpaint erinnernden Londoner Quartetts. Feiner Einstieg ins Albumgeschäft.
„Hardcore Workout Queen“ von Friedberg erscheint am 08.11.2024 bei Clouds Hill. (Beitragsbild: Friedberg von Lewis Vorn)
Saturndaze: Facades
Ebenfalls ein bemerkenswertes Debüt aus Hamburg. Songwriterin, Sängerin und Pianistin Rilana Wronowski hat mit Hilfe von Yannis Wulf (Gitarre), Paul Schubert (Cello, Keyboard), Kian Kiesling (Schlagzeug), Jonathan Riedel (Bass, Gitarre) und Produzent Ben Schadow ein herrliches, vom Seventies-Songwriting inspiriertes Album aufgenommen. Beim Titeltrack und auf „Sign“ ist sogar Supertramp-Mitglied John Helliwell am Saxophon, bzw. der Klarinette zu hören. Das Spektrum zwischen groß angelegtem, zwar an die Seventies erinnernden, aber doch zeitlosen Bandsound und dem zurückhaltenden Songwriter-Pop einer Carole King bedienen Saturndaze bestens. Auch ein Billy Joel kann zu den Referenzen gezählt werden.
„Facades“ ist ein Album aus einem Guss. Einzelne Songs herauszupicken wäre in diesem Fall schon fast ein Frevel gegenüber den anderen Liedern. Hier passt von Komposition bis Arrangement einfach alles zusammen. Adult-Pop-Rock der feinsten Sorte. Ein besseres Debüt hätte man sich von Saturndaze nach den bisher bekannten Liedern „Song Of Uncertainty“ und „In Another World“ nicht wünschen können.
„Facades“ von Saturndaze erscheint am 08.11.2024 bei RecordJet.
Cats And Dinosaurs: Sabotage
Von einem ganz anderen musikalischen Kaliber sind Cats And Dinosaurs. Die schwedische Formation existiert seit zehn Jahren und hat mit „Sabotage“ ihr nunmehr fünftes Album veröffentlicht. Das neunköpfige Ensemble steigt mit dem Titeltrack als Opener direkt in die Vollen. Ein mitreißender Mix aus Swing, Jazz und Punk fordert zur Sabotage auf, anschließend wird der Neoliberalismus verabschiedet („Neoliberalism Is Dead“). Cats And Dinosaurs begeistern nicht nur musikalisch, sondern bringen sich auch politisch ein und behandeln Themen wie Wirtschaft, Klimaangst, Sexualpolitik und Zwangsräumungen.
Sie können aber auch ganz romantisch wie in der Ballade „This Song Is For You“, und endlich traurig wie in „Avskedsvals“. An anderer Stelle hingegen greifen sie Ton Steine Scherben auf mit neuem, deutschen Text und neuer Melodie zu „Macht kaputt was euch kaputt macht“, das aus der Ekstase gar nicht mehr herauskommt. Alles zusammen wirkt radikal, wüst, schön und ganz anders, als alles andere, was man sonst zu hören bekommt. Und macht ganz viel Spaß.
„Sabotage“ von Cats And Dinosaurs ist am 25.10.2024 bei Pacaya Records erschienen.




