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1. Oktober 2023Ein magischer Jazz-Abend beim Konzert für Manfred Eicher am 29.09.2023 in der Hamburger Elbphilharmonie
Text von Sebastian Meißner, Fotos von Daniel Dittus
Manfred Eicher ist in diesem Sommer 80 Jahre alt geworden. Fast 55 Jahre ist es her, dass er das Label ECM Records in München gründete – die vielleicht weltweit höchste Instanz in Sachen Künstler- und Repertoire-Auswahl, Klangqualität und Coverdesign. Eicher gilt als Magier, dem es gelingt „Flüchtigkeit und Unwahrscheinlichkeit von Musik“ festzuhalten, wie es Markus Blume, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst bei der Verleihung des Staatspreises Musik in der Kategorie „Sonderpreis“ für das Lebenswerk Eichens verlieh.
Für, aber ohne Manfred Eicher
Flüchtigkeit ist auch das Motto dieses grandiosen Abends in der Elbphilharmonie, an dem sich mehr als 30 Künstler:innen aus Europa und den USA zu einem
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einzigartigen Tribute-Konzert für Manfred Eicher versammelten. Flüchtig deshalb, weil diese Zusammenstellung an Künstler:innen aus improvisierter und notierter Musik so gewiss nie wieder zusammenfinden dürfte. Flüchtig aber auch deshalb, weil der Abend nicht für die Nachwelt aufgezeichnet wurde.
Anders als vor drei Jahren, als Manfred Eicher beim „Reflektor“ fünf Tage lang das Programm in der Elphi kuratierte, war er diesmal nicht an der Zusammenstellung der Künstler:innen beteiligt. Doch die Auswahl dieses Mini-Festivals dürfte ihm gefallen haben (obwohl er selbst leider nicht anwesend sein konnte). Über Tom R. Schulz, Pressesprecher von HamburgMusik, der Betreibergesellschaft der Elbphilharmonie und der Laeiszhalle, ließ er ausrichten, dass er Musik liebe und Menschen liebe, die Musik spielen, da Spielen das Schönste sei, was Menschen tun könnten.
Und es wurde sehr viel gespielt an diesem magischen Abend. Den Anfang macht die ungarische Konzertgitarristin Zsófia Boros mit einer herzerweichend warmen Performance. Es folgen im ersten Block des Abends der norwegische Saxofonist Trygve Seim, Pianist Tigran Hamasyan (u.a. mit dem Vox Clamantis), Pianistin Anna Gourari, Klarinettist Reno Bieri und dem Danisch String Quartett. Es sind ergreifende Momente, die das Publikum im ausverkauften Saal fesseln.
Die großen Namen des Jazz
Im zweiten Block des Abends kommen dann die großen Namen des Jazz. Das Thimar Trio (bestehend aus Dave Holland, Anfuhr Brahem und dem ekstatischen John Surman) hat man lange nicht bestaunen können. Gitarrist Ralph Towner und die Grande Dame des britischen Jazz, Norma Winstone, folgen. Den Abend beschließen zunächst Trompeter Avishai Cohen und Saxofonist Joe Lovano, die sich – begleitet von Schlagzeuger Nasheet Waits (meine Güte!) und erneut Dominik Wania – ein beherztes Duell liefern und großen Jubel ernten. Den Abschluss bildet das Marcin Wasilewski Trio, das gemeinsam mit Joe Lovano zwei Stücke spielt. Es ist der würdige Abschluss einer würdevollen Verneigung vor Manfred Eicher. Es dürfte weltweit einmalig sein und bleiben, dass ein nichtaktiver Musiker auf diese Weise geehrt wird. Als alle Protagonist:innen des Abends zum Abschluss noch einmal gemeinsam auf der Bühne stehen, ist allerorts Dankbarkeit zu spüren. Es hätte perfekter nicht sein können.
(Fotos von Daniel Dittus, Elbphilharmonie)











