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16. Juli 2024Für viele Szene-Kenner ist Kitty Solaris die (gar nicht mehr so) heimliche Indiepop-Königin von Berlin. Auf ihrem neunten Album „James Bond“ verbindet sie Politisches und Privates – mit Erfolg.
von Werner Herpell
Die zeitliche Nähe dieser Veröffentlichungen ist sicher rein zufällig, das qualitative Ergebnis umso erfreulicher: Gleich zwei starke Alben unabhängiger, selbstbewusster Musikerinnen hat Berlin ganz aktuell zu bieten. Zum einen das kürzlich auch hier lobend besprochene „In The Company Of No One“ (Titel selbsterklärend) von Masha Qrella und Julia Kliemann alias Halo. Zum zweiten jetzt „James Bond“ (die Aneignung einer männlichen Helden-Ikone im Titel – natürlich ebenfalls selbsterklärend) von Kirsten Hahn alias Kitty Solaris.
Kitty Solaris: Von Electropop bis Krautrock
Dass beide Platten einen Sound gemeinsam haben, der auf Electro- und Dreampop, Indie-Songwriter-Musik, Kraut- und Gitarrenrock basiert, schadet auch nicht. Kurz gesagt: Wer das Halo-Debüt mit seinen Verweisen auf Stereolab, The Cure oder Kraftwerk mochte, sollte Kitty Solaris eigentlich ebenfalls zu Füßen liegen.
Schon deren Titelsong als erster Vorbote von „James Bond“ war Anfang dieses Jahres ein Volltreffer. Da tanzte Kirsten/Kitty mit keckem Sonnenhut und der für sie typischen großflächigen Sonnenbrille in einer kargen Landschaft herum, zu einem wunderbar entspannt treibenden New-Order-Groove und einer im Hintergrund flirrenden, Flamenco/Latin-inspirierten Gitarre erklang on top ihr erzcooler Gesang.
Ein bisschen Frieden mit „James Bond“
„Wer wünscht sich denn nicht in dem heutigen Schlamassel eine Figur wie James Bond, die als Geheimagent mal so eben eine Bombe entschärft und gut ist. Dann hat die Welt wieder ihre Ruhe, bis der nächste Schurke den Frieden auf der Welt erschüttert. Aber was bleibt einem anderes übrig als eskapistisch in eine friedliche Welt zu fliehen“, schrieb die Berliner Indiepop-Königin in ihren Liner-Notes über den Einstieg in ihr bereits neuntes Album.
„Den Frieden thematisieren, ohne pathetisch zu werden“, dieses selbstgesteckte Ziel peilte Kitty Solaris etwas später auch mit der Vorab-Auskopplung „Peace Train“ an, in der sie empfahl, einfach mal „in the shoes of your enemy“ herumzulaufen. Das Lied erinnert nur vom Titel her an die naive 70er-Jahre-Friedenssehnsucht eines Cat Stevens, war mithin keineswegs eine Coverversion.
Ein feines Robert-Palmer-Cover
Die gibt’s auf dem Album dann allerdings doch noch zu hören, mit dem schon im Eighties-Original schön electropoppigen „Johnny And Mary“ von Robert Palmer. Der Closer „Heroes“ hat mit dem gleichnamigen ikonischen David-Bowie-Hit wiederum nichts zu tun, sondern fordert „Free Assange!“ (ist derweil geschehen – insofern Glückwunsch, Kitty!).
Die Themen der neuen, überwiegend solo eingespielten Solaris-Songs (leider sind es nur neun) sind mal politisch, mal privat inspiriert: Neben James Bond, Julian Assange respektive freier Meinungsäußerung sowie Frieden auf der Welt und im Zwischenmenschlichen geht es um die Beatniks („Follow The Beatniks“), Autofahrenlernen („Go With The Flow“) und den Tod einer Angehörigen nach schwerer Krankheit („Lights Out“).
Luftsprung von Kitty Solaris
„Spring Air“ springt „vor Freude in die Luft. „Habt euch lieb, das Leben ist kurz“, so zitiert Kitty Solaris einen gewissen Steven Locksmith. Recht hat sie. Und eine wirklich tolle Indiepop-Platte hat sie gemacht, der man lediglich eines vorwerfen kann – dass sie (wie das erwähnte Leben) ziemlich kurz ist.
Das Album „James Bond“ von Kitty Solaris erscheint am 19.07.2024 bei Solaris Empire/Broken Silence. (Beitragsbild von Magdalena Zierkowska)





