Kings Of Convenience live im Hamburger Stadtpark

Kings Of Convenience live im Hamburger Stadtpark

Norwegens Antwort auf Simon & Garfunkel: Die Kings Of Convenience live im Hamburger Stadtpark

von Gérard Otremba

Es war ein sehr gutes Musikjahr, das Jahr 2001. Nicke Cave veröffentlichte sein Nonplusultra-Album No More Shall We Part, Bob Dylan brachte das großartige Love And Theft heraus, Ryan Adams machte auf Springsteen und überzeugte mit Gold, Element Of Crime schwelgten in Romantik, Fink betitelten ihre neue und herausragende Platte schlicht Fink, The Strokes katapultierten sich mit ihrem sensationellen Debütalbum If This Is It in die Rockgeschichte und als quasi Gegenentwurf zu den Strokes, tauchten zwei Nerds aus Bergen in Norwegen unter dem Bandnamen Kings Of Convenience  auf, die mit dem programmatischen Titel des Erstlingswerks Quiet Is The New Loud den Simon & Garfunkel-Gedächtnispreis gewannen.

Zwölf Jahre später stehen Eirik Glambæk Bøe und Erlend Øye am gestrigen Sonntagabend auf der Konzertbühne des Stadtparks. Nachdem die ebenfalls aus Bergen stammende Formation Young Dreams mit angenehmen Gitarren-Sunshine-Folk-Pop-Rock, mal groovy, mal mit New Wave-Anleihen, mal mit Teenage Fanclub-Melodien und schönen „Aah-Aah“-Harmoniechören das Publikum einstimmte, beginnen Øye und Bøe den Auftritt mit „My Ship Isn’t Pretty“ vom letzten, 2009 erschienen Album „Declaration of Dependence“. Ja, es ist erstaunlich. Nur drei Platten nahmen die beiden zusammen auf, erspielten sich jedoch eine breitgefächerte Fanbasis (Øye trug als Sänger der Band The Whitest Boy Alive sicherlich einen weiteren Anteil bei), die das Open-Air-Gelände in Hamburg-Winterhude reichlich füllt.

Bei den ersten neun Songs ihres Auftritts, bleiben die beiden Norweger mit den halbakustischen Gitarren auf der Bühne unter sich. Es sind wunderschöne, verzaubernde, aber doch auch traurige, schwermütige und melancholische Lieder, von „Cayman Islands“ und „Love Is No Big Truth“, über „I Don’t Know What I Can Save You From“, „Failure“ und „Singing Softly To Me“ hin zu „Homesick“, „24-25“ und „Me In You“. Eirik Glambæk Bøe und Erlend Øye bieten ganz große Folkkunst mit leichtem Jazz-Touch. Natürlich wartet man vergeblich auf eine Coverversion von „Sound Of Silence“, aber irgendwie passend wäre Simon & Garfunkels Riesenhit dann schon gewesen. Zu „Misread“ und weiteren fünf Songs verstärken ein E-Gitarrist, ein Bassist und ein Schlagzeuger die zwei Songwriter, das Soundspektrum erweitert sich zu funkygen und tanzbaren Rhythmen. Doch egal mit welcher Banddynamik „Mrs. Cold“, ,,Freedom And Its Owner“ oder „Boat Behind“, „Rule My World“ und „I’d Rather Dance With You“ auch erklingen, die Nachdenklichkeit und Bedrücktheit in Texte und Stimmen bleiben dominant. Mit den Zugaben „Little Kids“ und „Renegade“ beschließen die sympathischen Kings Of Convenience eines der intimsten und schönsten Konzerte der Stadtpark-Open-Air-Ära.

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