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5. Oktober 2025Die Songwriterin Anja Gmür, aka Kings Elliot, spricht mit Sounds & Books über ihr Debüt-Album „Born Blue“
Interview von Ullrich Maurer
Als Künstlerin hat es die als Tochter einer britischen Mutter und eines Schweizer Vaters in der Schweizer Provinz aufgewachsene Songwriterin Kings Elliot nicht ganz einfach – trotz des Umstandes, dass sie durch ihre mehrsprachige Herkunft und durch ein frühes Studium der Pop-Musik in London eigentlich das richtige Rüstzeug mitbekommen hat. Das liegt daran, dass die Musikerin mit und in ihren Songs ihr Leben verarbeitet – und das ist geprägt vom täglichen Ringen mit ihrer Borderline-Störung.
Der tägliche Kampf mit ihren psychischen Dämonen nimmt demzufolge breiten Raum ein in ihren brutal aufrichtigen Selbstfindungs-Songs, in denen sie die verschiedenen Phasen ihrer Seinszustände in poetischen Lyrics darstellt und in ihren weitestgehend melancholischen Songs auch musikalisch widerspiegelt – was ihr den Spitznamen „Sad Puppy“ einbrachte. Freilich ist Kings Elliot ja nicht immer traurig. Erwischt man sie im richtigen Leben zu einem guten Zeitpunkt, gehört sie zu den angenehmsten, charmantesten und humorvollsten Gesprächspartnerinnen überhaupt. Wie zum Beispiel bei unserem Gespräch für Sounds & Books über ihr Debütalbum „Born Blue“.
Wer ist Kings Elliot?
Als erstes müssen wir unbedingt die Sache mit dem Namen und der blauen Haarfarbe aus dem Weg räumen: Was hat es damit auf sich?
Kings Elliot: Den Namen „Kings“ habe ich mir ausgesucht, weil er alles repräsentiert, was ich nicht bin – männlich etwa, ein König – oder gar mehrere und der Nachname Elliot ist der meiner Großmutter. Die blauen Haare waren früher ein Schutzschild, sind aber heute eher Ausdruck meines Lebensgefühls.
Bei einem früheren Interview erzähltes Du ja einmal, dass Du Deine Musik als eine Art Autotherapie betrachtest, mit der Du Deine psychischen Probleme verarbeiten wolltest. Das hat dann aber wohl nicht gereicht, oder?
Kings Elliot: Ne – offensichtlich ja nicht. Man kann das zwar auch machen mit der Musik – aber es braucht auch professionelle Hilfe. Ohne die Musik wäre ich gar nicht mehr
hier – aber das reicht nicht, weil man da ja ständig in seiner eigenen Welt bleibt und gewissermaßen betriebsblind wird. Ich hatte früher schon versucht, mich therapieren zu lassen, hatte das aber immer abgebrochen. Ich war dann aber an einem Punkt angelangt, an dem mir klar wurde, dass ich mit eine professionelle Therapie konsequent in Anspruch nehmen musste. Das hat eine Weile gedauert – hat mir aber sehr geholfen.
Die Techniken, die man dabei lernt, helfen einem, aus diesen Tiefs rauszukommen. Ich habe da physische Emergency Kits mit verschiedenen Smells und Sachen wie Eisbeutel zum spüren. Das sind Sachen, die Dich zurückholen aus Situationen, in denen Du nur noch rot siehst. Bei mir ist das halt so, dass wenn ich an einem Tiefpunkt angelangt bin, ich alles zerstöre, wenn mir nicht sofort jemand hilft. Deswegen ist das auch so emotional – denn das ist ganz schlimm für mich. Das ist ein dauerndes Rauf und Runter mit dieser Krankheit. Die Therapie ist dann mit einem Buch ‚DBT – Dialektische Beh…




