Kiasmos: Kiasmos II – Album Review

Kiasmos credit Maximilian König

Ganze zehn Jahre haben sich Kiasmos für ihr zweites Album Zeit gelassen. War es das Warten wert?

von Sebastian Meißner

Zehn lange Jahre haben sich Ólafur Arnalds und Janus Rasmussen Zeit gelassen, den Nachfolger ihres fulminanten Debut-Albums aufzunehmen. Der isländische Komponist und und der färöische Musiker, zusammen besser bekannt als Kiasmos, lassen sich eben nicht hetzen. Wahrscheinlich ist es genau diese Ruhe, die auch den Zauber ihrer Musik ausmacht: Es ist elektronische Musik voller Wärme, die sich Zeit nimmt, die in kleinen Schritten geht, immer Richtung Sonne. Ihr gelingt so das seltene Kunststück, gleichzeitig melancholisch und euphorisch zu sein.

Melancholisch euphorisch

Kiasmos Kiasmos II Albumcover

Das alles gilt auch für „Kiasmos II“, das elf knapp betitelte, dafür umso aufwendiger und akribisch komponierte Songs beinhaltet. „Laced“, „Grown“ und „Told“ sind Paradebeispiele für das Erfolgsrezept des Duos. Die Stücke haben eine Strukturfreiheit, die sie atmen und pulsieren lässt. Die Melodiebögen sind meist karg, aber immer effektiv. Und die Beats von schlichter Eleganz und Erhabenheit. Arnalds und Rasmussen bauen Naturgeräusche und handgespielte Streicher ein. So bekommen die Stücke noch mehr warmes Blut und schüchterne Schönheit.

Kiasmos wie aus einem Guss

Begeisternd ist auch die Stringenz der elf Songs. Keiner fällt ab, keiner dient als Lücke oder Brücke. Jeder übernimmt den Staffelstab und reicht ihn geschmückter als zuvor weiter. Sie sprechen dieselbe Sprache, erzählen aber je eigene Geschichten. So entsteht ein Album wie aus einem Guss. Eine echte Wohltat.

„Kiasmos II“ von Kiasmos erscheint am 05.07.2024 bei Erased Tapes. (Beitragsbild von Maximilian König

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