Keaton Henson seziert auf „Parader“ buchstäblich seine Seele mit schonungsloser Offenheit und schafft dabei Räume, in denen man sich selbst wiedererkennt.
von Mia Lada-Klein
Keaton Henson veröffentlicht mit „Parader“ bereits sein neuntes Studioalbum. Wer diesen Künstler schon länger begleitet, weiß genau, worauf er sich einlässt. Er gilt als stille Erscheinung, als scheuer Poet in Menschengestalt, der Liveauftritte eher meidet. In fünfzehn Jahren Karriere hat er es auf weniger als vierzig Auftritte gebracht. Das liegt weniger an mangelnder Ambition und mehr an seiner ausgeprägten Angststörung. Und doch ist er vielleicht gerade deshalb zu einer Figur geworden, die irgendwie sofort erkannt wird. Kaum jemand verwandelt seine Verletzlichkeit so konsequent in
Musik.
Seit seinem Debüt „Dear“ im Jahr 2010 feiert die Kritik seine Fähigkeit, sein zartes Innere in fragile Erzählungen zu packen. Auf „Parader“ geht er jetzt sogar noch einen Schritt weiter. Die zwölf Tracks wirken wie eine Art seelische Autopsie.
Keaton Henson, die Stimme aus dem Schatten
Der Auftakt „Don’t I Just“ führt sofort in diese Welt der zarten Zerbrechlichkeit. Keaton Hensons Stimme klingt, als würde sie sich entschuldigen wollen, überhaupt gehört zu werden. Gleichzeitig erwächst aus dieser Unsicherheit ein über…
