Kazy Lambist live in Hamburg 2021

Kazy Lambist live in Hamburg 2021

Kazy Lambist und seine Band sorgen für französisches Flair bei ihrem Auftritt am 06.10.2021 in der Hamburger Hebebühne

Die Hamburger Clubs stehen wieder in den Startlöchern – 2G sei Dank! Manchmal ist es zwar nicht einfach für Konzertgänger:innen herauszufinden, was denn jetzt stattfindet und was nicht? Und wie? Nun ist also auch die schön gemütliche Hebebühne in Altona wieder voll indoor dabei. Und, erstaunlich: Da spielt ein Act aus Frankreich, während Konzerte von deutschen Künstler:innen auch jetzt noch auf 2022 geschoben werden. Also schnell das Impfdokument vorgezeigt und per Hand das Kontaktdatennachverfolgungsformular ausgefüllt (ja, etwas old school – alle anderen haben das per Luca App gemacht) – und rein ins Vergnügen!

Kids Return im Vorprogramm von Kazy Lambist

Mit etwas Verspätung betreten zwei junge Franzosen um 20:20 Uhr die Bühne und fangen an zu spielen – der eine bedient drei Tasteninstrumente und verschanzt sich hinter diesen, der andere ist für die anwesenden Mädels im Publikum sicher ein Hingucker (sieht super aus und hat das Hemd weit aufgeknöpft), spielt dazu lässig die Akustikgitarre. Irgendwas stimmt hier nicht, das ist doch nicht Kazy Lambist? Genau, das sind Kids Return, die ihre erste Show überhaupt in Hamburg spielen – und vom Veranstalter natürlich nicht angekündigt wurden. Die beiden Jungs mit einem halbstündigen Set kennenzulernen ist aber völlig okay: typischer Pop aus Frankreich, der an den weiten, flächigen Sound von Air erinnert und ein wenig aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Durchaus zum schwofen geeignet. Der Gesang mutet wie Halbplayback an, aber was soll’s?

Kazy Lambist vor zwei Jahren beim MS-Dockville-Festival

Um 21:10 Uhr kommen dann endlich Kazy Lambist auf die Bühne, erst nur zu zweit: Mastermind Arthur Dubreucq, der Stage Piano und Gitarre spielt und sein Tourbassist und Partner in Sachen Sound. Auf „Oh My God“ aus der aktuellen EP „Sky Kiss“ (2020) folgt der ebenso neue Song „A Night In The Box“. Kazy Lambist stammt aus Frankreichs tiefen Süden und entwickelte dort seine zurückgelehnten, sonnigen Disco-Tracks und diesen Klangraum, der elektronische Klänge mit entspanntem Sommer-Charme verknüpft.

Dass das auch als Live-Act funktioniert, ließ sich bereits prächtig beim MS Dockville 2019 erleben: Wer einen Elektro-Producer erwartet hatte, der ein paar Knöpfe drückt und dazu singt, war falsch gewickelt. Kazy Lambist standen als vielköpfige Band auf der Bühne und haben auf der Butterland-Bühne richtig abgeliefert – es regnete in Strömen und das Publikum stand knöcheltief im Matsch, aber die waren einfach so geil drauf, dass die meisten Leute bis zum Ende des Sets ausgehalten und gefeiert haben!

Und nun in der Hebebühne? Nur zu zweit? Etwas lame, oder? Aber, siehe da: Die Sängerin Amouë kommt im obenrum weit aufgeknöpften fancy Hosenanzug im schwarz-weißen Glitterlook auf die Bühne und sorgt gleich für mehr Pepp. Jetzt fetzt das Ganze so richtig und die zahlreich anwesende Party-Crowd in der Hebebühne kommt in Wallung – es darf getanzt werden, eng an eng, das macht so richtig Bock!

Hit auf Hit

Es folgt Hit auf Hit: Erst „Doing Yoga“, ein Klassiker aus 2016, der (eigentlich als B-Seite von „On You“ veröffentlicht) fast 25 Millionen Streams alleine auf Spotify aufweisen kann, dann „Love Song“, „The City Is Beautiful“ und „The Essential“ vom Debütalbum „33 000 FT.“ von 2018 (der Titel verrät übrigens das zweite Hobby von Kazy Lambist: Fliegen.) „Kein anderer Titel passt so treffend zu seinem leichten, luftigen und hochfliegenden Album, auf dem er fast akrobatisch zwischen Pop-Balladen, Dance-Tracks und urbanen Sounds balanciert.“ ist treffend der Presseinfo zu entnehmen.

Das Publikum dreht auf

Es folgen „All I Wanna Do“ und „Duke Elise & I“ aus der „The Coast“-EP (2016), dann „Shutdown“, eine Single von 2017. Der Singer-Songwriter Kazy Lambist ist Perfektionist. Seine Tracks sind melancholisch-sinnlich und laden zum Träumen, aber auch Tanzen ein. House-Beats und Elektro-Sounds verschmelzen mit einer Prise französischem Flair kongenial, was beim standout track „Annecy“ sehr stimmig auch live dargebracht wird. Dem Klassiker „On You“ (2016) folgt der hidden treasure „Big Fish“ aus dem Jahre 2014, den Kazy Lambist damals bereits mit Amouë aufgenommen hat, die übrigens auch als Solo-Künstlerin aktiv ist (und die ein Entdecken mehr als wert ist – mit Texten en français). Gegen Ende des Sets dreht das Publikum so richtig auf: Beim Klassiker „Headson“ wird textsicher jede Zeile mitgesungen. Der elegante erste Track von Kazy Lambist ging damals ganz fix viral.

Bei der Zugabe „Be Yourself“ ist Amouë emotional so aufgewühlt, dass sie ein paar Tränen verdrückt und kurz die Fassung verliert. Arthur nimmt sie in den Arm und weiter geht’s. Nach dem „Ending Track“ klatscht das Publikum Kazy Lambist zurück auf die Bühne für eine ungeplante Zugabe, die dann etwas holprig daherkommt. Egal, schön war’s – endlich wieder tanzen und gemeinsam abgehen!

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