Julian Dawson: Julian Dawson

Julian Dawson by Martin Huch

Er hat in der angloamerikanischen Pop-Geschichte seine Spuren hinterlassen, aber auch in der deutschen. Pünklich zum 70. schenkt Julian Dawson sich und seinen Fans ein neues Album.

von Werner Herpell

Singer-Songwriter, Gitarrist, Mundharmonika-Spieler, Produzent, Autor, Übersetzer – der Wikipedia-Eintrag zu Julian Dawson listet eine Menge Qualifikationen dieses verdienten britischen Künstlers auf. Sobald der Blick aufs Geburtsdatum (4. Juli 1954) fällt, wird klar, dass Dawsons neues Album auch ein Geschenk zum runden Geburtstag ist, an seine treuen Fans in Deutschland, im UK und in den USA , aber nicht zuletzt an sich selbst. Und wenn es sich jemand verdient hat, mit einem selbstbetitelten Alterswerk gleichermaßen Bilanz zu ziehen und die Gegenwart als 70-jähriger Musiker zu feiern – dann Julian Dawson, eine veritable, gleichwohl zu wenig bekannte Rock-Pop-Ikone. „Das ist alles ein riesiges Abenteuer für mich“, sagt er selbst begeistert über das 13-Track-Album.

Viel Schönes zu entdecken

Julian Dawson Albumcover

„Julian Dawson“ strotzt folgerichtig nur so vor Lebensfreude und Energie – zwischen dem kraftvollen Heartland-Rock eines Bruce Springsteen oder Tom Petty („That’s Why God Made Saturday Night“, „Guardian Angel“, „Just Can’t Say No“), aufgekratztem Südstaaten-Akkordeon-Folk („Lorraine Lorraine“), nostalgischem Jazz („When Love Says Goodnight“) und gefühlvollen Rhythm’n’Blues-Balladen („You’re Listening Now“) gibt’s hier viel Schönes zu entdecken. Wie angesehen und gut vernetzt dieser in London geborene Allround-Musiker auf beiden Seiten des Atlantiks ist, zeigen diverse Promi-Gastauftritte.

So wird Dawson bei der Neuauflage von „How Can I Sleep Without You“ (seiner Charts-Single aus dem Jahr 1991) von der Americana-Königin Lucinda Williams begleitet. Auf dem Bonus-Track „Codo“ (einem Cover des schrägen 1983er Hits von Deutsch-Österreichisches Feingefühl) wirken sein langjähriger Freund Wolfgang Niedecken (BAP) und Stefan Stoppok mit. Bei „Guardian Angel“ spielt der Keyboarder Helmut Zerlett (The Unknown Cases, Westernhagen, Jule Neigel), bei „I Don’t Feel Like Dancing“ der Eagles-Mitstreiter Vince Gill. Aber auch englische Freunde wie Iain Matthews (Matthews Southern Comfort, Plainsong), Richard Thompson (Fairport Convention) oder Larry Campbell aus Bob Dylans „Never Ending Tour“- Band geben sich auf dem Album die Ehre.

Traditionell und traditionsbewusst

Na klar, dies ist sehr traditionelle, sehr traditionsbewusste Musik, die vor 50 Jahren kaum anders geklungen hätte. Dawson wird hier nicht auf seine alten Tage zum Innovator – was aber angesichts der puren Qualität seiner Lieder und ihrer mehr als soliden handwerklichen Umsetzung auch gar nicht schadet. Im Gegenteil, ein plötzliches Experimentieren dieses tief in der angloamerikanischen (und auch deutschen) Rock-Geschichte verwurzelten Künstlers mit modernen Beats oder Autotune wäre einer langen Karriere, auf die Dawson hier zurückblickt, nicht gerecht geworden.

Denn er war ja nicht nur Singer-Songwriter, sondern immer auch riesiger Rockmusik-Fan. Etwa von Nicky Hopkins (1944-1994), einem berühmten Sessionmusiker, dessen Klavierspiel für die Rolling Stones, The Kinks, The Who und viele viele mehr den Sound der 60er- und 70er-Jahre prägte. Nach einer gemeinsamen Aufnahme kurz vor Hopkins‘ Tod schrieb Dawson dessen Biographie („And on Piano … Nicky Hopkins: The Extraordinary Life of Rock’s Greatest Session Man“). Später verfasste er auch die Biografie von Spencer Davis (1939-2020), die vor fünf Jahren erschien. Und zu Zeiten der Neuen Deutschen Welle übersetzte Dawson mit seinen guten Deutschkenntnissen viele Hits ins Englische, etwa Nenas „Nur geträumt“.

Glückwunsch an Julian Dawson

„Julian Dawson“ ist nun ein Album, mit dem der 70-Jährige diverse Fäden wieder aufnimmt, ordnet und neu zusammenbindet – für einen würdevoll und zugleich sehr frisch klingenden Best-of-Effekt. Die Platte kommt einen Tag nach dem erwähnten runden Geburtstag heraus – dazu von dieser Stelle ganz herzlichen Glückwunsch, Julian Dawson!

Das selbstbetitelte neue Album von Julian Dawson erscheint am 05.07.2024 bei Magic Mile Music/Indigo/Believe. (Beitragsbild von Martin Huch)

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