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17. Dezember 2024Der große Denker Jürgen Habermas erinnert sich an die Entstehung seiner großen Theorien – und nimmt Stellung zum Ukraine-Krieg
von Sebastian Meißner
Jürgen Habermas ist auch mit 95 noch immer ein aktiver Denker. In seinem neuen Buch liefert er keine großen, abstrakten Theorien, sondern Antworten auf Fragen des Soziologen Stefan Müller-Doohm und des Philosophen Roman Yos. Es ist ein konzentriertes, schnelles und launiges Gespräch, das uns tief in das Denken eines der einflussreichsten Intellektuellen der Gegenwart eintauchen lässt und einige bisher unbekannte Hintergründe über die Entstehung seiner Hauptwerke liefert.
Mit sich selbst im Dialog
Der Text ist in zwei Teile gegliedert. Der größere widmet sich
Habermas‘ intellektuellem Wirken insgesamt. In einer Zeit, in der Philosophen allzu oft als „Elfenbeinturmbewohner“ oder „Besserwisser“ abgestempelt werden, gelingt es Jürgen Habermas, das Gegenteil zu beweisen. Er ist ein Denker, der mit sich selbst im Dialog steht, sich immer wieder hinterfragt und seine eigenen Positionen in Auseinandersetzung mit seinen Kritikern weiterentwickelt. Dies ist vielleicht der wichtigste Eindruck, den dieses Buch hinterlässt: Habermas ist kein Dogmatiker, sondern ein Denker, der bereit ist, sich von der Welt, der Gesellschaft und von seinen Gesprächspartnern herausfordern zu lassen.
Habermas zeigt sich in diesem Gespräch nicht als Moralapostel, sondern vielmehr als Realist. Der Westen, sagt er, müsse sich immer wieder seiner eigenen Werte und seiner Verantwortung bewusst werden, ohne dabei die naiven Illusionen von Weltverbesserung aufrechtzuerhalten. Besonders beeindruckend ist dabei Habermas‘ Fähigkeit, das Gute im Menschen und in der Geschichte nicht nu…




