
Drug Stop: Love You All The Time
13. Januar 2026
Jana Horn: Jana Horn – Albumreview
13. Januar 2026Ein Singer-Songwriter, der sich von Album zu Album steigert: Der Ire John Blek legt ein frühes Folkpop-Highlight dieses Musikjahres vor.
von Werner Herpell
Als „opulentes Wunderwerk der Songwriter-Kunst“, dessen Lieder „zu den besten und vor allem zu den großzügigsten in der bescheiden, aber stetig angelegten Karriere“ von John Blek gehören, hatte ich vor drei Jahren sein Album „Until The Rivers Run Dry“ gepriesen. Kaum vorstellbar, dass der Ire die Qualität seines DIY-Folkpop noch weiter steigern würde – aber genau das ist Blek nun mit „The Midnight Ache“ geglückt.
Ein willkommenes Album für kalte Zeiten
Manchmal, und gerade jetzt in weltpolitisch so kalten Zeiten, braucht man Alben wie dieses ganz besonders. Dann lauscht man mit wachsendem Wohlbehagen diesen elf wunderschönen Folkpop-Liedern, diesen perfekten Streicher-Arrangements, dieser wärmenden, authentischen Stimme. Und plötzlich ist, für immerhin knapp 40 Minuten, eine brutale Demokratie-Abrissbirne wie Donald Trump ziemlich weit weg. Man kann das Eskapismus nennen, aber es tut halt verdammt gut.
Der Name John Blek geistert schon seit einigen Jahren bei Indie-Folk-Freunden – und selbstverständlich auch in der Sounds & Books-Redaktion – herum. Das eingangs erwähnte „Until The Rivers Run Dry“ (2023) war bereits seine achte Platte und „Cheer Up“ (2024) die neunte. So üppig nun auch die Richtung Barock- und Chamber-Pop ausgreifenden Songs von „The Midnight Ache“ wieder klingen – am Do-It-Yourself-Geist des Sängers und Gitarristen aus Cork hat sich nichts geändert.
Neues Label und Aufnahmestudio
Blek nahm nicht nur den Großteil des Albums mit Hilfe einiger befreundeter Musiker selbst auf und produzierte es – er baute dafür mit Bigger River Recording sogar ein Label und ein Aufnahmestudio „mit seinen eigenen Händen“ auf, wie die Album-PR betont. „A labour of love – but labour all the same“, sagt John dazu verschmitzt. Man kann die Aufbruchstimmung tatsächlich spüren in diesen prächtigen Liedern.
„The Midnight Ache“ dreht sich letztlich um das Thema Zuhause. Es enthält Gesangseinlagen von Bleks Frau, das Cover ist mit gepressten Blumen aus ihrem Garten geschmückt. Der als Single ausgekoppelte Track „747“ handelt vom Gefühl des Loslassens. Es ist der berührendste Song eines Albums, das eine ganze Reihe emotionaler Gänsehaut-Momente liefert, ohne je dem Kitsch zu erliegen.
John Blek: feinfühlig, gereift, eigenständig
Das Tolle an der Musik von John Blek ist auch auf dieser Platte, dass man seine Einflüsse (Ron Sexsmith, Elliott Smith, Paul McCartney, der Beck der „Sea Change“-Phase) durchaus hören kann, sein feinfühliger, über viele Jahre gereifter Stil aber dennoch sehr eigenständig wirkt. „The Midnight Ache“ präsentiert den freundlichen Melancholiker von der grünen Insel nun endgültig als einen der besten irischen Singer-Songwriter der Gegenwart, auf der Höhe eines Conor O’Brien (Villagers), Glen Hansard, Adrian Crowley oder Declan O’Rourke.
Das Album „The Midnight Ache“ von John Blek erscheint am 16.01.2026 bei K&F Records/Broken Silence. (Beitragsbild: Pressefoto)





