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24. Mai 2026„Todo Tempo“ ist João Afonso in seiner stärksten Form – ein leuchtend warmes, poetisches Album, das sich leise anschmiegt.
„Todo Tempo“ ist ein sonnendurchflutetes, poetisches Werk, das sich beim Hören leise, aber nachhaltig in Kopf und Herz einnistet. João Afonso scheint in seiner Musik stets im Dialog mit dem Erbe seines Onkels zu stehen, dem übergroßen José Afonso. Dabei ist „Todo Tempo“ kein nostalgischer Rückblick in die Vergangenheit, sondern ein fein ausbalanciertes Album, das portugiesische Klangtraditionen mit einer universellen Musiksprache öffnet. Poetik, Rhythmus und stille Souveränität verbinden sich hier zu einem Werk, das seine Kraft aus einer entwaffnenden Aufrichtigkeit und Ungekünsteltheit bezieht.
Die Klangwelt von João Afonso: „Todo Tempo“
Luftige, transparente Arrangements aus akustischen Gitarren, Percussion, Flügelhorn, Flöten und portugiesischer Gitarre schaffen eine offene Klangwelt mit erstaunlicher Tiefe. Die Band – bestehend aus Joaquim Telles, Tomás Pimentel und Marta Pereira da Costa – spielen diese Musik ohne große Gesten und ohne jede Aufdringlichkeit, dafür mit maximaler Widmung und Hingabe an die Songs.
Freiheit, Sehnsucht, Nostalgie
Inhaltlich kreist „Todo Tempo“ um Freiheit, Sehnsucht und Erinnerung – stets aufrichtig und mit einer bemerkenswerten Leichtigkeit. João Afonsos Stimme verbindet Canção Portuguesa mit afrikanischen Einflüssen aus Mosambik und öffnet die Musik für mediterranen Folk-Pop, MPB und Acoustic Pop. Als Anspieltipp bietet sich vor allem „Matope“ an, das mit luftig-leichter Gitarrenarbeit und mehrstimmigem Gesang begeistert, und das ein entspanntes, fast Jack-Johnson-artiges Gefühl zaubert. „Manga Verde“ zählt ebenfalls zu den Höhepunkten: Grillenzirpen, Abendluft und salzige Brise formen eine unmittelbar greifbare Szenerie. Das hier ist Musik, die an entlegene Orte transportieren kann.
João Afonso berührt
Das gilt auch für die Balladen: „Tempo de Poesia“ mit Sofia Davids Stimme verbindet Literatur von Jorge de Sena, António Gedeão und José Craveirinha mit starkem Songwriting. „Pernoitas em Mim“ setzt auf Klavier und Cello in klassischer portugiesischer Tradition, während „Um Homem Não Chora“ als eingängige Folkpop-Hymne herausragt. Auch „Folhas de Outono“ und „Chuta para Canto“ bleiben offen, warm und zugänglich.
Ihren vielleicht schönsten Moment erreicht diese Platte schließlich mit dem abschließenden „Sonhei-te“. Meeresrauschen und die Flöten von Rão Kyao verleihen dem Stück eine fast schwerelose Atmosphäre; die fernöstlich anmutenden Linien tragen sogar einen Hauch indischer Klangfarben in sich, bevor die Musik beinahe in Naturgeräusche übergeht. Diese letzten Minuten wirken vollkommen ungekünstelt und frei von jeder kalkulierten Emotionalität. Genau darin liegt die große Stärke von „Todo Tempo“: Dieses Album vertraut kompromisslos auf Echtheit. Es nimmt sich Zeit, lässt Räume offen und möchte seine Hörer nicht überwältigen, sondern begleiten. In einer Gegenwart, in der viele Produktionen auf Perfektion getrimmt sind, wirkt João Afonsos Musik zutiefst menschlich und nahbar. „Todo Tempo“ ist weit mehr als nur eine Hommage an portugiesische Musiktraditionen. Es ist ein Album voller Wärme, musikalischer Verspieltheit und stiller Schönheit.
„Todo Tempo“ von João Afonso erscheint am 17.04.2026 bei Lusitanian. (Beitragsbild: Albumcover)




