Jimmy Scott: I Go Back Home – Album Review

Jimmy Scott: I Go Back Home – Album Review

Das Vermächtnis des bemerkenswerten Sängers Jimmy Scott

„Little“ Jimmy Scott, durch das Kallmann-Syndrom im Wachstum gehemmt und Zeit seines Lebens mit dem Sopran eines Kindes ausgestattet, ist einer der bemerkenswertesten Sänger in der amerikanischen Geschichte. Als „amerikanischen Schatz“ und „der vielleicht am meisten zu Unrecht ignorierte Sänger des 20. Jahrhunderts“ (New York Times) genoss Scott zwar unter Kritikern und Kollegen immer höchstes Ansehen. Ein breites Publikum erreichte er aber nie. Dabei hatte er schon früh mit den Jazz-Giganten Lionel Hampton und Charlie Parker gearbeitet (wurde aber auf dem Cover nicht genannt) und wurde von Ray Charles produziert (das Album erschien mit 40 Jahren Verspätung).

Tragisch lange Pausen verhinderten, dass Scott den Ruhm erntete, der ihm zustand. Es war Lou Reed, der ihn als Backgroundsänger für sein Album „Magic & Loss“ reanimierte. Scott arbeitete da schon als Nachtportier und hatte seine musikalische Karriere abgehakt. Der kurze Auftritt beim Ex-Velvet Underground-Kopf gab ihm Aufwind. Mit „Holding Back The Years“ gelang ihm 1999 eine Art Mini-Durchbruch. Das Album versammelt neben eigenen Songs auch ergreifende Cover-Versionen unter anderem von John Lennons „Jealous Guy“ und „Nothing Compares 2U“ von Prince. Der einzigartige Ausdruck in seiner Stimme, der unmaskierte Blick in die Tiefen seiner Empfindungen machten Scott zu einem Unikum. Der Düsseldorfer Musikproduzent Ralf Kemper wollte Jimmy Scott noch einmal ein Album mit einem großen Budget spendieren.

Scott saß zu diesem Zeitpunkt bereits im Rollstuhl, wie der beachtenswerte Dokumentarfilm „I Go Back Home“ zu sehen. 2014 starb der bescheidene Sänger im Alter von 88 Jahren. Der Film zeigt die arbeiten an seinem letzten Album, bei dem ihm zahlreiche Gaststars wie Renee Olstead und Dee Dee Bridgewater, Kenny Barron oder Till Brönner im Studio unterstützten. Scott war bei den Aufnahmen nicht mehr ganz so kraftvoll wie zu seinen Hochzeiten. Gerade der brüchige Ton in seiner Stimme aber macht diese Aufnahmen zu einem bewegenden Dokument. Der Opener „Motherless Child“, mit großem Streichorchester eingespielt, ist dabei der Höhepunkt eines durch und durch würdevollen Abschiedsalbums. Stark auch das abschließende „Poor Butterfly“, das den Schlusspunkt hinter die Karriere eines ganz großen Sängers setzt, dem der Erfolg leider bis zum Schluss verwehrt geblieben ist.

„I Go Back Home“ von John Scott ist am 27.01.2017 bei Eden River Records erschienen.

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