Der kanadische Songwriter Jerry Leger auf der Tour zu seinem aktuellen Album „Waves Of Desire“ in der Hamburger Nochtwache
Text von Gérard Otremba, Fotos von Wanja Wiese
Seit wir die Musik von Jerry Leger bei Sounds & Books verfolgen, beglückt uns der kanadische Songwriter mit gar prächtigen Alben. Zuletzt erschien im Oktober dieses Jahres mit „Waves Of Desire“ der neueste Streich. Jerry Leger bezeichnet „Waves Of Desire“ als sein „Pop-Album“, inspiriert vom Pop der Beatles, der Drifters, der Everly Brothers und Roy Orbison. Man kann sich aber gerne noch ein wenig Tom Petty, ein bißchen Bruce Springsteen und eine Prise The Byrds hinzudenken. Starke selbstgewählte Referenzen, starkes Album, das der 40-Jährige am 19.11.2025 live in der Hamburger Nochtwache vorgestellt hat.
Jerry Leger und sein Drummer Kyle Sullivan
An einem nasskalten Herbstabend versammelten sich die hartgessottenen Musikliebhaber bereits zum Support Merlin Hydes im Kellerclub des Nochtspeichers. Der Hamburger Songwriter hat 2024 sein Debütalbum „In Plain Sight“ bei DevilDuck Records veröffentlicht und ließ Ende Februar die EP „Way In Way Out“ folgen. Mit intensiven Blues-Folk- und Rock’n’Roll-Stücken sowie einer abgefahrenen Version von Bob Dylans „Maggie’s Farm“ zog der junge Musiker die Anwesenden in seinen Bann. Pünktlich um 21.30 Uhr betrat Jerry Leger in Begleitung seines Schlagzeugers Kyle Sullivan die Bühne der Nochtwache, um das Konzert mit „Troubled Morn“ vom 2017er-Album „Nonsense & Heartache“ zu beginnen, dem sich der „Waves Of Desire“-Opener „Alcatraz“ anschloss. Leger und Sullivan, der neben Drums und Backing Vocals gelegentlich auch das Glockenspiel bediente (und man soll ja nicht glauben, wie glücklich der Einsatz eines Glockenspiels machen kann), zeigten, dass die Songs des neuen Longplayers auch ganz wunderbar in der Zweier-Kombination funktionieren.
Mit Verve und Fingerspitzengefühl
Was natürlich für die Qualität des Songwriters und seiner Songs spricht. Und wenn man die Lieder dann auch noch einerseits mit so viel Verve, und andererseits mit so viel Fingerspitzengefühl vorträgt, dann kann man nur gewinnen. Und am Ende des Konzerts ist man noch berauschter ob der Schönheit der neuen Songs. Ob der Sehnsucht in „Let Me See How It Ends“ und „We’re Living In This World“, der Eleganz von „Willow Ave“ oder ob der mitreißenden Melodieseligkeit von „Calling A Bluff“ und „It’s So Strange“. Americana-Songwriting der Güteklasse A. Eine lustige Geschichte über sein Radio-Interview mittags bei den Kollegen von ByteFM und genauso großartige Songs aus den genauso feinen Alben „Time Out Of Tomorrow“ und „Donlands“ wie „Justine“ und „Sort Me Out“ rundeten diesen superben Konzertabend ab.
Den Fanwunsch „Sinking In“ erfüllte Jerry Leger im Zugabenteil ungeplant ebenfalls und nach dem Cover von John Lennons „Jealous Guy“ (klar, muss sein in der Beatles-Stadt Hamburg, wie Kyle Sullivan meinte) war dann leider endgültig Schluss. Man kann die Musik des so sympathischen Jerry Leger nicht häufig genug loben. Und das tun wir erneut, hier und jetzt. Bis hoffentlich bald wieder in Hamburg.
























