Jeff Tweedy: Love Is The King – Albumreview

Jeff Tweedy: Love Is The King – Albumreview

Wilco-Frontmann Jeff Tweedy meistert die Krisenzeit mit einem düster-hoffnungsvollen Soloalbum

Mit seiner Band Wilco schenkte uns Jeff Tweedy in der Vergangenheit einige herausragende Meisterwerke der Rockgeschichte. Mit den Alben „Summerteeth“ (1999), „Yankee Hotel Foxtrot“ (2002), „A Ghost Is Born“ (2004) und „Sky Blue Sky“ (2007) setzte die Chicagoer Band neue Maßstäbe und entwickelte sich zur aufregendsten Formation des Universums, die auch live bei jedem Konzert ein musikalisches Spektakel abliefert. Zuletzt konnte man sich davon 2019 in der Hamburger Elbphilharmonie überzeugen (Sounds & Books berichtete). Die von uns besprochenen Soloalben Jeff Tweedys, „Sukierae“, „Together At Last“ und „Warm“, sind aber nicht minder zu beachten.

Auch für Jeff Tweedy stirbt die Hoffnung zuletzt

Jeff Tweedy Love Is The King Cover dBm

Mit „Love Is The King“ erscheint nun das nächste Tweedy-Solo-Werk, das mit Hilfe seiner beiden Söhne Sam und Spencer während der ersten Corona-Lockdown-Phase im April 2020 im bandeigenen Loft-Studio in Chicago entstand. Songs, die Jeff Tweedy und seiner Familie als Trost und Schutz gegen die Unsicherheiten der Außenwelt dienten. Und wie es für einen genialen Künstler wie ihn gehört, wird das Private seiner Texte allgemeingültig wirksam. Die Hoffnung stirbt auch bei Jeff Tweedy zuletzt, und wenn das Leben auch noch so unfair sein mag, die Liebe bleibt als Licht am Horizont erhalten, wie er bereits im Opener „Love Is The King“ dichtet („When I die in the ring / Life isn’t fair / Love is the king“). Seine Liebes- und Untergangstexte verpackt er gerne in staubtrockene Alternative-Country-Musik, die bei „Opaline“ und „A Robin Or A Wren“ eine verträumt-sehnsüchtige Atmosphäre verursacht.

In den Seventies verwurzelt

Tweedys Songwriting und Sound sind schwer in den Seventies verwurzelt, Erinnerungen an Neil Young oder The Band („Natural Disaster“) werden häufiger wachgerüttelt. Jeff Tweedy singt mit seiner an Apathie grenzender, aber stets zärtlichen Stimme und sein Gitarrenspiel changiert zwischen der Lust an störrisch-expressiven Ausbrüchen und geschmeidiger Sanftheit. Im von uns als Song des Tages vorgestellten „Gwendolyn“ schimmert ein gewisse Aufbruchsstimmung durch und mit „Guess Again“ zaubert er zum Ende hin noch einen überaus eingängigen und romantischen Song aus dem Ärmel. Jeff Tweedy meistert die Weltkrise mit einem düster-hoffnungsvollen Album. Sehr schön.

„Love Is The King“ von Jeff Tweedy erscheint am 15.01.2020 bei dBm / ADA / Warner. (Beitragsbild von Sammy Tweedy)

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