Jean Stafford: Die Berglöwin – Roman

Jean Stafford: Die Berglöwin – Roman

Fabelhafte Neu-Übersetzung des wichtigsten Romans der amerikanischen Schriftstellerin und Pulitzer-Preisträgerin Jean Stafford

Am Ende ihrer schriftstellerischen Karriere erhielt Jean Stafford 1970 den renommierten Pulitzer-Preis. Bis zu ihrem Tod neun Jahre später hat die 1915 in Kalifornien geborene Autorin weder Romane noch Kurzgeschichten mehr veröffentlicht. 1947 erschien mit „Die Berglöwin“ (im Original „The Mountain Lion“) ihr wohl bekanntester und vom Ehepaar Adelheid und Jürgen Dormagen, der auch das faszinierende Nachwort schrieb, für den Dörlemann-Verlag neu übersetzter Roman.

Die jungen Geschwister Molly und Ralph

Jean Stafford Die Berglöwin Cover Dörlemann Verlag

Jean Stafford erzählt die Geschichte der Geschwister Molly und Ralph, die zu Beginn des Ende der 1920er-Jahre spielenden Romans acht und zehn Jahre jung sind. Mit ihrer Mutter und zwei älteren Schwestern wachsen sie vaterlos im kalifornischen Covina im Los Angeles County in einem gut situierten Haushalt auf. Von ihrer Mutter ein wenig vernachlässigt, geben die beiden zunächst ein unzertrennliches Paar ab, wobei Molly sich schon früh zu einer mit sich selbst und der Welt hadernden, resoluten und durchaus respektlosen jungen Göre entwickelt. Eine unkonventionelle Außenseiterin, die sich nach und nach ihrem Schreiben widmet, sieht sie sich doch als zukünftige Dichterin. Nach dem Tod ihres Opas Kenyon schickt die Familie Ralph und Molly für einige Wochen zu dessen Sohn Claude auf eine Ranch in Colorado. In diese für sie neue und fremdartige Welt taucht das Geschwisterpaar wenig später im frühen Teenageralter erneut ein, während Mutter und Schwestern eine Weltreise per Schiff unternehmen. Zu diesem Zeitpunkt erfolgt ein Bruch in der einst so innigen Beziehung zwischen Ralph und Molly, die ihren Bruder aufgrund der einsetzenden Pubertät sowie eines von ihm geäußerten in ihren Ohren abstoßenden Satzes zu hassen beginnt.

Jean Stafford besticht mit ihrem prächtig ausstaffierten, relaxten Sprachstil

Die Übergangsphase vom Kind zum Heranwachsenden und die daraus entstehenden Veränderungen, für die manchmal nur ein einziger Augenblick sorgt, stellt Jean Stafford in den Mittelpunkt ihres Romans. Sie skizziert mit den Figuren von Molly und Ralph starke Charaktere, die von Stafford psychologisch präzise und schonungslos mit einer bemerkenswert austarierten Nähe-Distanz-Balance beschrieben werden. Die ausgeprägt egomanische Molly mit ihrer „Liste der Unverzeihlichen“, auf der alle ihr bekannten Personen – und zuletzt auch ihr Bruder – verzeichnet sind, und der mit seinen Gefühlen ob der plötzlichen Abweisung seines Schwester kämpfende Ralph, der wie sein Onkel dem unbedingten Drang nachgeht, eine seltene Berglöwin erschießen zu wollen. Das titelgebende Tier taucht symbolträchtig im letzten Drittel des Buches auf, das durch beeindruckende Naturbeschreibungen besticht. Gesellschaftspanorama, Drama, Coming-of-Age-Geschichte, psychologische Moralstudie mit ironischem Unterton. Jean Stafford vereint diese Literatur-Genres in „Die Berglöwin“ mit ihrem prächtig ausstaffierten, detaillierten, stets im Flow befindlichen, relaxten Sprachstil. Eine mehr als lohnenswerte, literarische Wiederentdeckung.

 Jean Stafford: „Die Berglöwin“, Dörlemann, Leinen mit Lesebändchen, aus dem Amerikanischen von Adelheid und Jürgen Dormagen, 352 Seiten, 978-3-03820-972-0, 16,99 € (Beitragsbild: Buchcover)

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