Jazzhouse Festival 2021 im Hamburger Knust

Jazzhouse Festival 2021 im Hamburger Knust

Völkerverständigung beim Jazzhouse Festival vom 01.-03.10.2021 im Hamburger Knust mit den Bands Shkoon, Fazer und Abarra

So langsam geht’s wieder richtig los – und das Knust startet am Freitag Indoor und 2G mit dem Jazzhouse Festival: „drei Tage Jazz & beyond“ lautet der Slogan und die deutsch-syrische Band Shkoon, der Haupt-Act des ersten Abends, ist eher im beyond anzusiedeln. Aber der Reihe nach: Im Vorprogramm heizen die Homies Metatext als DJ und Blindsmyth als Live-Act an und geben die Richtung des Abends vor. Statt Jazz dominieren hier Techno / House-Klänge mit fernöstlicher Note und das Knust ist mit 350 Leuten mal wieder so richtig voll – alles ohne Maske und Abstand.

Shkoon beim Jazzhouse Festival

Dass das Duo Shkoon Leute zieht, war klar: Ganze syrische Familien sind generationenübergreifend vor Ort und auch der große Freundeskreis aus Wilhelmsburg ist zur Messe angereist. Shkoon lassen sich lange bitten – und starten nach technischen Problemen erst um 23:15 Uhr ihr Live-Set: Es paaren sich orientalische Melodien mit abendländischer Elektronik – und die Crowd geht gleich so richtig ab, singt / schreit die arabischen Texte mit und tanzt ausgelassen! In der Musik von Shkoon verschmelzen Klavier, Geige, Synthesizer, Percussions und Gesang, die Grenzen der Kulturen verschwimmen. Shkoon spielen die Tracks ihres Debüt-Albums „Rima“ (2019), haben mit „33.9 Million Miles“ und „Forgotten Stories“ aber auch neues Material dabei. Live dominieren verschiedenste Tasteninstrumente und das elektronische Equipment den Sound. Die Aftershow-Party ufert locker bis 3 Uhr nachts aus.

Das Münchner Quintett Fazer glänzt

Am Samstag geht es gemächlicher weiter mit dem Jazzhouse Festival im Knust – indoor, bestuhlt für 90 Leute, diesmal also als 3G-Variante: David Nesselhauf läutet den Abend als DJ gemütlich-stimmungsvoll ein, bevor um 19 Uhr das Münchner Quintett Fazer die Bühne betritt und zu einem atemraubenden Live-Set ansetzt: Gleich ins Auge stechen zwei Drumsets – die Schlazeuger Simon Popp und Sebastian Wolfgruber ergänzen sich perfekt und lassen der Polyrhythmik freien Lauf.

Der groß gewachsene Matthias Lindermayr an der Trompete steht im Zentrum und weiß nicht nur Akzente zu setzen, sondern auch den Sound irgendwie zu bündeln, während Gitarrist Paul Brändle, leicht verschlafen aussehend, am linken Bühnenrand sitzt und wirklich wahnsinnig gut und akzentuiert spielt. Bassist Martin Brugger hält sich dezent im Hintergrund und drängt auch mit seinem Instrument nicht in den Vordergrund, sondern spielt butterweich und mannschaftsdienlich. Brugger ist aber der Mann für die kurzen, auf den Punkt gebrachten Ansagen, während seine Band-Kollegen alle mal mit solistischen Einlagen glänzen dürfen.

Neues Fazer-Album im Frühjahr 2022

Fazer überzeugen mit ihrem unverwechselbaren Sound zwischen Ambient, Latin, Pop und Jazz, den sie vor allem live ausgezeichnet darbieten. Die Stücke gehen ineinander über, alles ist harmonisch im Fluß und wirkt wie aus einem Guß. Das dritte Album soll im Frühjahr 2022 veröffentlicht werden und Fazer haben natürlich den Großteil davon schon in ihrem eineinhalbstündigen Live-Set eingewoben – die neueste, wirklich herausragende Single „Grenadier“ gleich am Anfang (auch das Musikvideo lohnt ein Anschauen, da wird hochenergetisch getanzt). Bereits das zweite Album „Nadi“ haben Fazer in London mit dem Engineer Benedic Lamdin (aka Nostalgia77) aufgenommen, bei der neuen Platte ist gar ein Quantensprung zu erwarten.

Abarra mit dem gelungenen Jazzhouse-Festival-Abschluss

Am Sonntag darf im Knust nochmal getanzt werden (allerdings nur am Platz – 3G ist die Losung des Tages): Metatext und Karhua geben als DJs die Richtung vor, um kurz nach 19 Uhr stehen dann Abarra auf der Bühne mit ihrem Konglomarat aus tradioneller arabischer Musik und elektronischer Tanzmusik: Sänger und Komponist Abed Harsony spielt das traditionelle Instrument Oud, Yuriy Nepomnyashchyy ist am Saxofon und an der Klarinette zu erleben, während Carrie Robinson an der Violine das Klangbild erweitert und Sebastian Ludwig-Di Salvatore die Beats abfeuert (und nebenbei noch das Fagott spielt). Scheinbare Gegensätze werden hier auf’s Schönste vereint – und tragen zur Völkerverständigung bei. Ein gelungener Abschluss vom Jazzhouse Festival 2021 im Knust.

(Beitragsbild: Fazer von André Itjes)

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