
Get Well Soon: OK – Song des Tages
3. März 2026
Dirk Darmstaedter im Interview
3. März 2026Auch nach über 200 Jahren: „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen bleibt einer der besten Romane der Weltliteratur
von Gérard Otremba
Jane Austen hat nicht viele Romane in ihrem viel zu kurzen Leben hinterlassen, aber die haben es in sich. Über ihr Werk „Vernunft und Gefühl“ habe ich mich bereits 2017 an dieser Stelle ausgelassen, nun war es an der Zeit, den oft verfilmten Klassiker „Stolz und Vorurteil“ zu lesen, der letztes Jahr zum 250. Geburtstag Austens in einer Neu-Ausgabe in der schönen Manesse-Bibliothek samt Nachwort von Elfi Bettinger erschienen ist. Die 1775 geborene Jane Austen begann mit der Erstfassung dieses Romans bereits im Alter von circa 20 Jahren, in der damals sehr beliebten Briefform. Erst 1813, vier Jahre vor ihrem Tod, wurde „Stolz und Vorurteil“ als Buch veröffentlicht.
Die unkonventionelle Elizabeth Bennet
Die Protagonistin in „Stolz und Vorurteil“ heißt Elizabeth Bennet. Die 20-jährige junge Frau besitzt ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und widersetzt sich schon mal Konventionen, wenn diese ihr so gar nicht passen. Wie gerne sähe ihre Mutter sie demnächst gut situiert verheiratet, und mit Mr. Collins, einem Cousin ihres Vaters, scheint der passender Bewerber bereits gefunden. Aufgrund der männlichen Vererbungslinie fiele ihm im Fall des Ablebens von Mr. Bennet das Familiengut zu. Denn die Bennets haben neben Elizabeth noch vier weitere Töchter, ein Direkterbe also nicht möglich. Allein, der von Jane Austen eher unvorteilhaft charakterisierte Mr. Collins, seines Zeichens Pfarrer von Beruf, schreckt Elizabeth ab und sie lehnt den Heiratsantrag ab. Genauso wie den für sie völlig überraschenden Antrag von Fitzwilliam Darcy.
Der zwar reich, aber als stolz und hochmütig gilt, durchaus zunächst auch so auftritt, weshalb ihn Elizabeth Bennet erstmal als unsympathisch empfindet und sich verbal mit ihm anlegt, als sie mitbekommt, dass Darcy sie als nicht hübsch genug ansieht, um sie bei einem Ball zum Tanz aufzufordern. Auf diesen Ball hat ihn sein Freund Charles Bingley mitgenommen, der das Nachbaranwesen der Bennets angemietet hat. Bingley und Elizabeths zwei Jahre ältere Schwester Jane empfinden Gefühle füreinander, Intrigen verhindern indes zunächst die große Liebe. Durch Irrungen und Wirrungen müssen auch Elizabeth Bennet und Fitzwilliam Darcy, bevor sie das gemeinsame Glück finden, Stolz und Vorurteile abbauen, denn wie es sich herausstellt, steckt hinter Darcy mehr als nur die hochnäsige Attitüde.
Ein Meisterwerk von Jane Austen
„Stolz und Vorurteil“ bleibt auch nach über 200 Jahren ein Meisterwerk der Erzählkunst. Jane Austen erfindet in der nachdenklichen, meinungsstarken und selbständigen Elizabeth Bennet eine unabhängige Protagonistin, die sich zwar auch die glückliche Liebe wünscht, aber nicht um jeden Preis, schon gar nicht um den des schnellen finanziellen Vorteils. Austen brilliert außerdem auch hier mit ihrem außergewöhnlich guten ironischen Humor und geht nicht gerade zimperlich mit einigen ihrer Figuren um. Die Jane Austen bis in die Nebenrollen durchgehend hervorragend charakterisiert. Mit ihren Dialogen zündet die britische Schriftstellerin wahre Feuerwerke, allein das Gespräch, vielmehr ein spitzfindiger vokaler Schlagabtausch, zwischen Elizabeth und Darcys Tante Lady Catherine de Bourgh, die eine Verbindung der beiden unter allen Umständen verhindern möchte, bleibt unvergessen und beweist die Charakterstärke Elizabeths. Ein durch und durch perfekter Roman.
Jane Austen: „Stolz und Vorurteil“, Manesse, übersetzt von Andrea Ott, Hardcover, 978-3-7175-2578-3, 26 Euro. (Beitragsbild: Buchcover)





