James A. Mitchell: Das Walross und die Elefanten – John Lennons revolutionäre Jahre

James A. Mitchell: Das Walross und die Elefanten – John Lennons revolutionäre Jahre

Über John Lennons politisch-künstlerisches Wirken in den USA

von Gérard Otremba

Die revolutionären Jahre John Lennons waren eine kurze Episode im zu kurzen Leben des einstigen Beatles-Frontmannes. Die Love & Peace-Hippie-Phase noch ein- und ausatmend, zogen John Lennon und Yoko Ono 1971 von Großbritannien nach New York. Obwohl das Buch mit der endgültigen Einbürgerung Lennons 1976 endet, ist dessen revolutionäre Zeit im Prinzip ab Oktober 1973 zu Ende, als sich John Lennon in sein sogenanntes „Lost Weekend“ verabschiedete und für 15 Monate getrennt von Yoko Ono in Los Angeles lebte und dem Suff hingab. Das Walross und die Elefanten des amerikanischen Journalisten James A. Mitchell beschäftigt sich auf gut 200 Seiten mit der Wirkung John Lennons auf die Gesellschaft Amerikas in den Früh-Siebzigern. Ausführlich geht er dabei auf Lennons Teilnahme am Konzert für die Freilassung des Bürgerrechtlers und Dichters John Sinclair, der 1969 wegen des Besitzes zweier Joints zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilet wurde, am 10. Dezember 1971 ein.

Die Veranstaltung vor 15000 Zuschauern in Ann Arbour, Michigan, führte zwei Tage später tatsächlich zur Freilassung Sinclairs. John Lennon suchte und fand damals Kontakt zur linken Underground-, der Antikriegs- und Bürgerrechtszene. Der amerikanischen Richard Nixon-Regierung war dieser geniale Songschreiber ein Dorn im Auge, sie ließ ihn vom FBI überwachen und versuchte ihn mehrfach des Landes zu verweisen. Lennon trotzte den Widrigkeiten, fand in der radikalen Undergroundformation Elephant’s Memory eine Begleitband, mit der er sein Album Some Time In New York City aufnahm und mit der Yippie-Bewegung um Abbie Hoffman und Jerry Rubin für eine bessere Welt kämpfte. In James A. Mitchells Biographie Das Walross und die Elefanten sind diese Jahre John Lennons, in denen die Verknüpfung zwischen gesellschaftlicher Veränderung mit den Mitteln der Kunst und politischem Bewusstsein aufeinandertrafen, perfekt in Szene gesetzt.

James A. Mitchell: „Das Walross und die Elefanten“, Edition Nautilus, übersetzt von Robert Gutberlet, Hardcover, 978-3-89401-816-0, 24,90 €.

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