Jake Xerxes Fussell: When I’m Called

Jake Xerxes Fussell credit Kate Medley

Gegen Folk zum Wohlfühlen lässt sich in diesen politisch aufgewühlten Zeiten nun wirklich nichts einwenden. Der US-Musiker Jake Xerxes Fussell stellt den perfekten Seelenbalsam bereit.

von Werner Herpell

Man kommt derzeit kaum darum herum, mit Grauen auf die gar nicht mehr Vereinigten Staaten von Amerika zu blicken. Dass da ein Möchtegern-Diktator mit einer fundamentalistisch-faschistoiden Agenda namens „Project 2025“ antritt und viele Wahlbürger diesem Verbrecher/Lügner/Scharlatan dennoch zum zweiten Mal (und mit wohl noch schlimmeren Aussichten für ihre schon 250 Jahre währende Demokratie) zu folgen bereit sind, weil die seriöse Alternative drei Jahre älter und damit „zu tatterig“ ist – man fasst es alles nicht.

Die beruhigende Strahlkraft des Folk

Jake Xerxes Fussell When I'm Called Albumcover

Zum Glück kann man über Musik erfahren, wie im Herzen gut die USA immer noch sind (oder zumindest sein wollen). Nein, wir reden hier nicht von Taylor Swift (die sich nun endlich mal wie erhofft zum Duell Donald Trump versus Joe Biden äußern könnte). Sondern über Jake Xerxes Fussell.

Ob dieser Singer-Songwriter aus North Carolina ein explizit politischer ist, spielt dabei keine Rolle (vermutlich ist er es eher nicht). Es genügt die gediegene Schönheit und beruhigende Strahlkraft seiner Folk-Musik, um Fussells neue Platte in unseren aufgewühlten Tagen zu purem Seelenbalsam zu erheben. Als säße man auf der Veranda eines Holzhauses mit Prairie-Blick, ein kühles Bierchen in der Hand, und ließe alle Zukunftssorgen für die 35 Minuten von „When I’m Called“ hinter sich. Mit neun Liedern, die mal karger (der Opener „Andy Warhol“, „Feeing Day“), mal üppiger (das streichergesäumte „Cuckoo!“, die Gitarre/Piano-Ballade „Leaving Here, Don’t Know Where I’m Going“, der Closer „Going To Georgia“) instrumentiert/produziert sind – und stets jene Wärme und Sensibilität ausstrahlen, wie es für die besten Americana-Alben typisch ist.

Ein feines Album von Jake Xerxes Fussell

Die Produktion von „When I’m Called“ war wieder Sache von James Elkington, der schon den Fussell-Vorgänger „Good And Green Again“ (2022) verantwortete und als Begleiter von Jeff Tweedy (Wilco) und Richard Thompson sowie als Solomusiker hervortrat. Mit Gitarren, Dobro, Mandola, Harmonika und Keys steuerte der Engländer einen Großteil der Instrumentierung bei. Der Studiovirtuose Tucker Martine war für das Mixing zuständig, während Blake Mills (Bob Dylan, Fiona Apple, Laura Marling und viele andere mehr) zusätzliche Gitarren-Akzente setzte. Diese großartigen Musiker und die gelegentlich mit Strings und Gebläse ausgepolsterten Arrangements erzeugen ein luftiges, regelrecht erhabenes Klangbild, in dem die behagliche Baritonstimme des 42-jährigen Fussell so richtig zur Geltung kommt.

Als zeitloses Singer-Songwriter-Werk, das „sich mit dem Ungewissen des Lebens und der vorbeirauschenden Zeit beschäftigt“, charakterisiert das Label Fat Possum diese feine Platte. Das Ungewisse des Lebens… vielleicht bedeutet es ins Positive gewendet ja auch, dass die schlimmsten Befürchtungen nicht immer eintreffen. Bis wir es mit Blick auf die USA und ihre gefährdete Demokratie wissen, lassen wir den tröstenden, grundehrlichen Folkie-Gesang von Jake Xerxes Fussell seine Wirkung entfalten. Tut so gut.

Das Album „When I’m Called“ von Jake Xerxes Fussell erscheint am 12.07.2024 bei Fat Possum Records. (Beitragsbild von Kate Medley)

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