Jake Bugg: On My One – Album Review

Jake Bugg: On My One – Album Review

Auf seinem neuen Album „On My One“ übt Jake Bugg den Alleingang – und verzettelt­ sich

Jake Bugg hat sich für sein drittes Studioalbum offenbar viel vorgenommen. Nach seinem vielbeachteten Debut, das er zusammen mit Co-Songwriter Iain Archer schrieb, und dem etwas weniger gelobten „Shangri La“, an dem Rick Rubin und Chili Peppers-Drummer Chad Smith mitfeilten, sind die neuen Songs sämtlich Eigenkompositionen und größtenteils auch von ihm selbst produziert. Als Sinnbild für diesen Alleingang steht dann wohl auch der Titel des Albums „On My One“. Die Entscheidung, dieses Mal alles selbst in die Hand zu nehmen, lässt sich unterschiedlich deuten: als musikalischer Reifungsprozess oder aber als Reaktion auf die Kritik Noel Gallaghers, der ihm Mangel an Authentizität vorwarf und ihn allenfalls als Performer, nicht aber als Singer-Songwriter bezeichnet wissen wollte.

Wie Kiedis und die Beastie Boys

Musikalisch bietet Bugg einiges an. Es gibt Country und Folksongs wie den Titeltrack „On My One“, „Put Out The Fire“ oder „Hold On You“. „Love, Hope And Misery“ beginnt als Soulnummer und entwickelt sich dann zum Pop mit Zuckerguss. Doch trotz aller Vielfalt: Es fehlen die großen Momente. Noch weniger überzeugend sind die Stücke, in denen Bugg mit schnelleren Beats experimentiert: „Gimme The Love“ sollte wohl tanzflächenkompatibel werden, mag aber vermutlich nur Freunde künstlicher Retorten-Radiomusik ansprechen. Zu allem Überfluss versucht der 22-Jährige auch noch zu singen wie Anthony Kiedis. Ebenfalls durch einen treibenden Beat zeichnet sich „Bitter Salt“ aus, für das durchaus das Label „Rock für Jedermann“ herhalten könnte. Doch damit nicht genug. Bugg übt sich neuerdings auch im Rap: „Ain’t No Rhyme“ stellt den hilflosen Versuch dar, den Sound der Beastie Boys aufzugreifen und ist schlichtweg fehl am Platz.

Über Buggs stimmliche Qualitäten wurde in der Vergangenheit bereits viel diskutiert. Es mag sein, dass er kein herausragender Sänger ist, doch konnte er in Tracks wie „Broken“ einst gerade wegen der Zerbrechlichkeit seiner „high-pitched voice“ überzeugen. Auf „On My One“ kommt sein Gesang leider viel zu oft angestrengt daher, auch weil sie gegen die teilweise aufgemotzten Sounds des Albums nicht ankommt. Einen Lichtblick bietet immerhin „All That“, eine Ballade mit akustischer Gitarre, die sich durch die minimalistische Instrumentierung und den zurückhaltenden Gesang sanft einschmeichelt.

Der arme Junge aus Nottingham

Noch ein Wort zur Authentizität: Im Opener „On My One“ präsentiert sich Bugg mit Folkgitarre als einsamer, armer Junge aus Nottingham: „I’m just a poor boy from Nottingham/ I had my dreams/ But in this world they’re gone/ they’re gone/ Oh I’m so lonesome on my one/ Three years on the road/ 400 shows/ Where do I call home?“ Mit diesem Bild zeichnet Bugg das Klischee eines Liedermachers in Perfektion. Dass man ihm das nicht abkauft, liegt nicht zuletzt daran, dass die mangelnde Kohärenz des Albums insgesamt einen fast schon verzweifelten Versuch der Selbstverortung markiert: Bugg probiert so viel aus, doch zuhause ist der dabei tatsächlich nicht. Immerhin: Er hat auf diesem Album Mut bewiesen. Wie viel leichter wäre es doch gewesen, sich auf das Erfolgsrezept seines von Dylan und Donovan inspirierten Debuts zurückzubesinnen und wieder Lob und Lorbeeren einzuheimsen? Stattdessen hat er etwas gewagt. Vielleicht wird sich „On My One“ eines Tages als notwendiger Zwischenschritt in Buggs Karriere entpuppen. Zu wünschen wäre es ihm.

„On My One“ von Jake Bugg ist am 17.06.2016 bei EMI / Universal Music erschienen.

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Kommentare

  • Gute Kritik, die den Nagel auf den Kopf trifft. Schon erstaunlich, dass Bugg mit dem Debut als Singer/Songwriter seine beste Platte rausgebracht hat, als er genau genommen nur Singer war. Während der Nachfolger zu glattproduziert und steril war, fehlt beim neuen Album einfach das Konzept. Keine Ahnung, ob er diese Ambitionen zur Vielseitigkeit hat, oder ob es da findige Produzenten im Hintergrund gibt, aber ich würde mir wünschen, dass er erstmal im Stile der ersten Platte eigene Songs schreibt und aufnimmt. Ansonsten hat man immer das Gefühl, dass er nichts zu erzählen hat. Und damit müsste man Noel recht geben.

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