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10. Juli 2026Ein neues Folkpop-Aushängeschild für Kanada: Jacob Brodovsky gelingt ein so tiefschürfendes wie zugängliches Singer-Songwriter-Album.
von Werner Herpell
Dass Kanada, dieses riesige Land mit relativ wenigen Einwohnern (und damit auch eher wenigen potenziellen Musikern), in der öffentlichen Wahrnehmung immer wichtiger wird, hat nicht nur politische Gründe. (Ich sage nur: Einverleibungsfantasien eines gewissen Autokraten im Weißen Haus für den „51. Bundesstaat der USA“.) Die kulturelle Strahlkraft des Ahornblatt-Staates wird gefühlt immer größer und die kanadische Musikszene immer relevanter. Womit wir bei Jacob Brodovsky wären, einem Singer-Songwriter aus Winnipeg/Manitoba. Wenn Leonard Cohen und Gordon Lightfoot die Vergangenheit der kanadischen Folk- und Popmusik sind, Joni Mitchell und Neil Young ihre inzwischen schon sehr betagte Gegenwart, dann sind Künstler wie Brodovsky (oder auch der hier hoch verehrte Leif Vollebekk) die Zukunft.
Erstaunliche Meisterschaft des Songwritings
Mit „Tell The Kids We Tried“ legt der Mittdreißiger sein zweites Studioalbum nach „I Love You And I’m Sorry“ von 2022 vor, und während das Debüt „nur“ eine grundsolide, teilweise auch schon brillante Platte war, so ist dies nun ein veritables Aushängeschild des
jungen kanadischen Folkpop. In zehn Stücken entwickelt Brodovsky eine erstaunliche Meisterschaft des Songwritings, die an einige der oben genannten kanadischen Ikonen gemahnt, aber mehr noch an aktuellere nordamerikanische Rock-Größen wie The Weakerthans (deren Frontmann John K. Samson hier als Vorbild dient), Death Cab For Cutie (die warmen Lead-Vocals ähneln denen von Ben Gibbard), Elliott Smith oder Michael Stipe.
Schon der Opener „Past Mistakes“ berührt zutiefst. Nicht nur musikalisch mit seiner opulenten, aber eben nicht überladenen Produktion, in der Brodovskys sanft-melancholischer Gesang von einem wundervollen Americana-Arrangement mit Chor-Stimmen und Trompete (Dominique Adams) kontrastiert wird – sondern auch textlich, erinnert sich der Musiker doch sorgsam abwägend an die Zeit der Pandemie und damit verbundene „zurückliegende Fehler“: „It’s been so hard to be hopeful/it’s been hard to look ahead/it’s been so hard to say „I’m sorry abo…





