Israel Nash live in Hamburg – Konzertreview

Israel Nash live in Hamburg – Konzertreview

Ein denkwürdiges und berauschendes Konzert des Americana-Meisters Israel Nash

Text und Fotos von Gérard Otremba

Es ist das perfekte Americana-Rock-Konzert. Der in Texas lebende Israel Nash treibt einen während seines Konzertes am 08.02.2016 im Hamburger Nochtspeicher mit seiner Band reihenweise in trance-ähnliche, rauschhafte Bewusstseinszustände. Sein sanft gezirkelter und bisweilen ausschweifender Laurel Canyon-Psychedelic- und Alternative-Country-Rock wird vom Hamburger Publikum begeistert aufgenommen und kräftig abgefeiert.

Israel Nash nochtspeicher 2016

Bevor es jedoch soweit ist, spielt im Vorprogramm die spanische Formation Gold Lake. Das Quartett um die charismatische Frontfrau Lua Rios gibt sich einem sofort ins Blut übergehenden Indie-Pop-Rock hin, der manchmal in verträumter Art an The Sundays erinnert, in rockigeren Momenten an Kid Wave und manchmal holen Gold Lake zum Gitarren-Schlagzeuggewitter im Shoegazer-Rockmanier aus. Das Gold Lake-Debütalbum Years ist Ende 2014 erschienen und sollte von nun an bei vielen Musikfreunden auf dem Zettel der noch zu erwerbenden Alben stehen.

Gold Lake nochtspeicher 2016

Um 20.45 Uhr betreten Sänger und Gitarrist Israel Nash, Leadgitarrist Joey McClellan, Bassist Aaron McClellan, Schlagzeuger Josh Fleischmann und Pedal Steel-Gitarrist Eric Swanson die Bühne des Nochtspeichers und stürzen sich in ein 90-minütiges Set, das den Americana-Fans keine Wünsche offen lässt. Im Mittelpunkt stehen Songs aus seinen beiden letzten Alben, dem Meisterwerk Israel Nash’s Rain Plans und dem würdigen Nachfolger Israel Nash’s Silver Season. Israel Nash und Band ist wie Neil Young und Crazy Horse plus Pedal Steel-Gitarre.

israel nash nochtspeicher 2016

Die Arrangements evozieren einerseits ein staubtrockenes Wüstenszenario, andererseits einen malerischen Sonnenuntergang am Meer. Einigen Songs wie „Just Like Water“, „Willow“, „Lavendula“ oder „Mariner’s Ode“ liegt eine romantische, melancholische und sehnsüchtige Stimmung zu Grunde, die von Eric Swansons Pedal-Steel-Gitarrenspiel zelebriert wird. Neil Youngs Geist schwebt allenthalben über diesen Kompositionen, und ganz im Stile des kanadischen Altmeisters kehrt Nash während diverser Session-artiger Jams dem Publikum den Rücken zu, um, Drummer Josh Fleischmann zugewandt, in rhythmischer Trance zu versinken. Monumentale Stücke wie „LA Lately“ und „Strangers“ bieten sich dafür natürlich kongenial an, „Mariner’s Ode“, „Woman At The Well“ und „Mansions“ hingegen fließen majestätisch dahin, Letzterer zerschellt an finalen Stromschnellen.

israel nash nochtspeicher 2016

Und immer wieder euphorisieren und berauschen die mehrstimmigen Chorgesänge, wie sie von Crosby, Stills & Nash nicht besser sein könnten. Normalerweise tief versunken im Hier und Jetzt, bricht Israel Nash schon mal schreiend aus und Gitarrist Joey McClellan setzt zu atemberaubenden Soli an. Im leidenschaftlichen Abschlusssong „Rexanimarum“, dem vielleicht bisher besten Israel Nash-Song, der auch jedes Neil Young-Album veredeln würde, fallen alle dessen Vorzüge und Qualitäten zusammen. Nashs begeisterter, bis zum hinreißenden Pathos reichender Gesang, die virtuose Gitarrenarbeit von Eric Swanson und Joey McClellan sowie die stimmige Rhythmusvorgabe von Josh Fleischmann und Aaron McClellan.

israel nash nochtspiecher 2016

Die Stimmung ist auf dem Siedepunkt, Israel Nash bedankt sich für die vom Publikum ausgehende Energie und die gemeinsame Feier an einem Montagabend. In der zweiten und letzten Zugabe „Rain Plans“ toppen Israel Nash und seine formidable Band alles bis dato an diesem Abend gespielte und lassen diesen Song in seinem ganzen monumentalen Ausmaß auferstehen. Ein irres Ende eines denkwürdigen Konzertes.

israel nash nochtspeicher 2016

israel nash nochtspeicher 2016

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