Iris Wolff: Meine Top-Ten-Alben

Iris Wolff: Meine Top-Ten-Alben

Die Schriftstellerin Iris Wolff stellt ihre Top-Ten-Alben vor

Literatur trifft auf Musik. Die Schriftstellerin Iris Wolff, die mit ihrem aktuellen und an dieser Stelle rezensierten und bei Klett-Cotta veröffentlichten Roman „Die Unschärfe der Welt“ u.a. auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2020 stand sowie für den Bayerischen Buchpreis nominiert war, hat exklusiv für Sounds & Books zehn ihr Leben prägende Alben zusammengestellt und kommentiert. Sie folgt damit ihrem österreichischen Kollegen Jürgen Bauer, der zuletzt in dieser Rubrik bei uns zu Gast war. Sounds & Books wünscht viel Vergnügen mit den

Top-Ten-Alben von Iris Wolff

Bros: Push

Die Alben meines Lebens fangen mit einer Boyband der 80er Jahre an. Ist When Will I Be Famous nicht auch heute noch großartig? Vielleicht nicht ganz so großartig, wie ich damals meinte. Als Take That schließlich auftauchte, war ich zum Glück schon unterwegs in anspruchsvollere musikalische Gewässer.

Guns N‘ Roses: Use Your Illusion I & II

Axl Rose und Slash waren die Helden meiner frühen 90er Jahre. Als sie 1992 ein Konzert auf dem Cannstatter Wasen gaben, war ich mitsamt Plakat in einer der ersten Reihen. Balladen wie Don’t Cry hatten es mir angetan oder Lieder in epischer Länge wie Estranged – viel Gitarre, viel Melancholie.

Pearl Jam: Ten

Dann kam Grunge in mein Leben, Nirvana, Stone Temple Pilots und … Perl Jam. Ihr Debütalbum war eine Offenbarung, Alive eine Hymne. Und wenn Corona nicht gewesen wäre, hätte ich Pearl Jam diesen Sommer auf der Waldbühne in Berlin gesehen. Eddie Vedders Stimme gehört zu den Stimmen meines Lebens – bis heute.  

The Doors: The Doors

This is the end, beautiful friend / This is the end,my only friend, the end … In einem Interview sagte Jim Morrisson: Life hurts a lot more than death – das war das Lebensgefühl meiner Jugend. Auch heute noch eine ausnehmend gute Platte mit Liedern wie das fast zwölfminütige The End, Light My Fire oder Break On Through.

Massive Attack: Mezzanine

In meinem Roman „Die Unschärfe der Welt“ gibt es eine Szene, in der Liv mit ihren Freunden auf verschneiten nächtlichen Straßen unterwegs ist. Sie kiffen, Schnee fällt, und es läuft Massive Attack. Dabei hatte ich das Lied Teardrop im Ohr: Love, love is a verb / Love is a doing word … Ich weiß nicht, wie oft ich dieses Lied gehört habe.

Beatles: Rubber Soul

Letztes Jahr habe ich auf meinen Lesereisen-Zugfahrten alle Beatles-Alben chronologisch gehört. Sich für ein Beatles-Lieblingsalbum zu entscheiden, ist schwer. Rubber Soul markiert einen Wendepunkt der Band, deren Geheimnis es war, sich immer wieder neu zu erfinden. Was wäre geschehen, wenn John Lennon und Paul McCartney sich nicht kennengelernt hätten? Ich kann mich nie, wirklich nie satthören an dem Zusammenklang ihrer beider Stimmen.

Ludovico Einaudi: Una Mattina

Dieser italienische Komponist hat es mir angetan. Er ist ein Poet ohne Worte, seine Lieder sind wie mehrbändige Romane, wie Gedichte, manchmal wie ein einzelnes, genau treffendes Wort. Er hat viele gute Alben herausgebracht, aber Una Mattina wird immer mein liebstes bleiben, weil ich ihn durch diese Platte entdeckt habe.

Tracy Chapman: Crossroads

Ich habe die Musik von Tracy Chapman 2006 rauf und runter gehört. Von diesem Album mag ich besonders das Lied All you have is your soul: So don’t be tempted by the shiny apple / Don’t you eat of a bitter fruit / Hunger only for a taste of justice / Hunger only for a world of truth / ‚Cause all that you have is your soul. Diese Zeilen über den Hunger nach Wahrheit berühren mich auch heute.

Zero 7: When It Falls

Diese Band habe ich relativ spät erst kennengelernt – ich hätte sie schon seit der Veröffentlichung ihres ersten Albums 2001 mögen können. Manches dringt zeitverzögert zu einem – und richtet sich dann ein für immer. Wenn ich Zero 7 höre, will ich all das Schöne und Schlimme des Lebens umarmen. Sias Stimme gehört für mich zu den eindrücklich-sinnlichsten Stimmen, die ich kenne.

Alt J: An Awesome Wave

Ich genieße bei Alt J jeden Ton, ist doch so vieles überraschend, nie gehört, verstörend, weil überhaupt keinem Genre zuzuordnen. Schaue ich die Alben meines Lebens an, scheint auch alles nicht aus einem Guss zu sein, in verschiedene Richtungen zu gehen – aber irgendwie gehört doch alles zusammen.

Herzlichen Dank an Iris Wolff für die Vorstellung ihrer Top-Ten-Alben bei Sounds & Books (Beitragsbild von Annette Hauschild/Ostkreuz)

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