Interview mit der Hamburger Band Torpus & The Art Directors

Interview mit  der Hamburger Band Torpus & The Art Directors

Mit dem zweiten Album auf Tour

Aufgezeichnet von Gérard Otremba (Beitragsfoto: Eugen Heimbökel)

Die just begonnene Frühjahrstour führt die Hamburger Indie-Folk-Rock-Band Torpus & The Art Directors am Donnerstag, 23.04.2015 zum Heimspiel ins Hamburger Gruenspan. Über das neue Album The Dawn Chorus und die bisherige Karriere sprach ich mit Sänger Sönke Torpus und Schlagzeuger Felix Roll.

 

Erst mal herzlichen Glückwunsch zum neuen Album, das ich überaus gelungen empfinde. War die Arbeit an The Dawn Chorus schwieriger oder leichter als am Debütalbum?

Sönke: Schön. Danke. Der Anlauf war tatsächlich etwas schwieriger. Ich hatte zunächst ein paar Probleme, Lieder zu schreiben, was mit verschiedenen Sachen zu tun hatte. Aber als diese Lieder dann erst mal da waren, ging es sehr gut.

 

Was hat sich konkret geändert?

Sönke: Wir haben ziemlich viel ausprobiert. Wir haben uns eigentlich das ganze letzte Jahr im Proberaum mehr oder weniger verschanzt und vieles im Vorfeld probiert. Das war definitiv anders als auf der vorherigen Platte. Diesmal sind wir viel mehr als Band an die Sache rangegangen.

Felix: Wir hatten in gewisser Weise eine andere Herangehensweise. Die Stücke sind im Proberaum gewachsen. Vieles davon ist vorbereitet worden und hat sich in diese Richtung bewegt. Beim ersten Album hatten wir die Lieder und haben sie anschließend im Studio aufgenommen. Das war weniger diese Bandarbeit. Das hatte auch damit zu tun, dass ich und Jenny (Apelmo, Bassistin der Band, die Red.) von Berlin nach Hamburg gezogen sind, so hatten wir überhaupt die Möglichkeit, als Band im Proberaum zusammen zu arbeiten. Der eigentlichen Songschreibephase ging eine ganze Zeit des Zusammenspiels voraus und so formte sich ein gewisses Soundbild, das exakt so auch auf der Platte zu hören ist. Es wurde viel weniger rumproduziert als noch beim ersten Album.

 

Mir ist aufgefallen, dass das Album runder, kompakter geworden ist, dass eine Entwicklung stattgefunden hat.

Sönke: Das stimmt wohl. Liegt wahrscheinlich daran, dass alle Lieder letztes Jahr entstanden sind, vom Songwriting her also mehr in einer kompakten Phase und nicht über einen Zeitraum von drei Jahren, wie beim Vorgängeralbum. Wir haben es auch im Proberaum schon so hinbekommen, dass es mit den Instrumenten, die wir spielten gut klang. Dementsprechend sind auch weniger Instrumente auf dem Album aufgeführt, was wohl zu diesem „Runden“, wie du es formulierst, beiträgt.

 

Und mir ist aufgefallen, dass der Gitarrensound teilweise dunkler klingt.

Felix: Wir hatten bis vor kurzem keine E-Gitarre, nur eine Bariton-Gitarre, deswegen klingt der Gitarrensound jetzt anders. Aber schön, dass du gesagt hast, dass eine Entwicklung vom ersten zum zweiten Album stattgefunden hat. Finde ich als Bandmitglied schön zu hören. Ich finde es nämlich langweilig, wenn Bands immer den gleichen Abklatsch bieten.

 

Ihr seid mit eurem ersten Album From Lost Home To Hope gerne mit Mumford & Sons verglichen worden. Hat euch das geschmeichelt? Und wolltet ihr mit der neuen Platte weg von diesem Image?

Sönke: Nö, geschmeichelt hat es uns nicht. Wir haben zwar das erste Album von denen gehört, aber es war nie eine Inspirationsquelle in diesem Sinne für uns. Insofern war es auch keine bewusste Entscheidung, uns da entfernen zu wollen. Wir wollten natürlich ein paar Sachen anders machen und The Dawn Chorus ist das Resultat, bei dem wir gelandet sind. Und entspricht viel mehr der Musik, die wir inzwischen hören.

 

Was hört ihr denn mittlerweile?

Sönke: Ich bin wieder bei den Villagers gelandet. Das war für diese Platte schon ein großer Einfluss für mich. M. Ward sowieso immer. Man kann natürlich die üblichen Verdächtigen aufzählen wie Wilco und Ryan Adams, aber das sind ja schon Klassiker, die haben wir bei der ersten Platte auch schon gehört. Das ist aber auch bei jedem unterschiedlich. Da kommt dann Melf (Petersen, der Gitarrist, die Red.) mit seiner E-Gitarre und hackt rein, weil er eben auf Neil Young steht. Und dann kommt Felix mit seinem geilen Backbeat, weil er auf Tom Petty steht. Und ich spiele so eine lahme geile Akustikgitarre, weil ich auf Jeff Tweedy stehe. Wir stehen alle auf die gleichen Sachen, aber jeder hat noch seinen Favourite.

Felix: Das ist auch die typische, klassische Bandherangehensweise.

 

Habt ihr persönliche Lieblingslieder auf dem neuen Album?

Sönke: Schwierig. Ich höre mir die Platte eigentlich nie an. Aber wenn, dann würde ich mir gerne „Bright Eyes“ anhören. Die Nummer fällt etwas aus der Platte raus, bedeutet mir persönlich aber sehr viel. Ich könnte jetzt aber nicht sagen, das sei mein Lieblingssong vom Album.

Felix: Ich finde auch „Roll It Up Again“ tierisch gut, besonders die zweite Strophe, die so ganz offen ist, megageil. „In Hushed Townes“, die erste Nummer finde ich auch super.

 

Hattet ihr in Vorfeld überhaupt Zeit etwas auszuspannen, Urlaub zu machen? Mir kam es so vor, als ob die letzten zwei, drei Jahren nach Veröffentlichung des ersten Albums für euch in einem Rutsch durchgelaufen wären.

Sönke: Ach doch, eigentlich schon. Ziemlich genau vor einem Jahr haben wir mit dem Album angefangen. Und die drei, vier Monate zwischen Weihnachten und dem Beginn der Plattenaufnahmen gab es auf jeden Fall eine Auszeit. Mal rauskommen, was anderes machen, neue Leute kennen lernen.

Felix: Eigentlich hat sich jeder eine Auszeit genommen. Das brauchst du auch. Ich habe das auf jeden Fall gebraucht.

 

Ihr habt in der Vergangenheit In Hamburg im ausverkauften Molotow gespielt, danach im ausverkauften Knust, nun ist das Gruenspan gebucht. In Hamburg wird eure Popularität also immer größer. Wie bewertet ihr eure bisherige Karriere?

Sönke: Wir sind alle auf jeden Fall sehr glücklich darüber, dass es immer weiter geht und immer größer wird. Der spannende Schritt kommt eigentlich jetzt. Kommen die 400 Leute, die im Knust vor eineinhalb Jahren waren, oder kommen 800 Leute, damit das Gruenspan schön voll wird? Wir haben uns in den letzten Monaten mehr oder weniger verkrochen und wissen gar nicht, wie die Leute reagieren werden. Am 07.04. beginnen wir die Tour und dann sehen wir, wie „I Can Decide That By Myself“ (eins der schönsten Stücke des neuen Albums, die Red.) funktioniert. Das kann man im Vorfeld gar nicht beurteilen. Und deshalb sind wir froh über jede Rückmeldung von Leuten, die die Platte gut finden. Jetzt bekommen wir die ersten Reaktionen, was dann live natürlich noch was anderes ist. Aber natürlich ist es schön, zu sehen, dass es größer wird und immer mehr Leuten gefällt.

Felix: Aber es geht arschlangsam. Wir hatten ja noch in Niebüll, wo wir früher wohnten mit Profimusikern zu tun, die schon sagten, wie langsam so eine Karriere anläuft. Wir sagten zwar ja, ja, aber innerlich dachten wir: okay zwei Jahre! Aber es geht einfach super langsam, wenn man das so machen will, wie wir das machen. Wir richten uns nach uns selbst, machen die Musik, die wir selber gut finden. Dafür haben die Menschen, die zu unseren Konzerten kommen ein spezielles Verhältnis zu uns, eine engere Bindung und das ist etwas ganz Wertvolles. Das sind Menschen, die kommen auf das Konzert und auch auf das nächste. Und ich hoffe und gehe mal davon aus, dass sie auch diesmal da sein werden. Deswegen wächst es zwar langsam, aber dafür sind die Leute voll mit dabei. Gerade wenn man es langfristig machen möchte, wie wir, dann ist es wichtig, so eine Fanbasis aufzubauen.

 

Welche Erwartungen und welche Wünsche habt ihr an euch selbst und die kommende Tour?

Sönke: Wir haben einfach Megabock zu spielen! Es war eine viel zu lange Zeit ohne Bühne. Und es wird eben sehr spannend sein, die Reaktionen zu sehen. Klar erhofft man sich, dass das alles ausverkauft und geil wird. Aber ich würde nicht sagen, dass das die Erwartung ist. Ich freue mich einfach darauf, wieder Konzerte zu spielen.

 

Was kann das Publikum von euch erwarten?

Felix (lachend): Das Gleiche wie letztes Mal! Dass wir halt die Stücke auf dem neuen Album spielen werden. Wir setzen das auch nicht zwangsläufig genau so um, wie auf der Platte, sondern versuchen, live etwas Besonderes daraus zu machen.

Sönke: Auch, um es für uns selbst interessant zu halten. Nicht, dass wir drei Wochen lang denselben Abend haben. Die Setlist vielleicht immer mal wieder umbauen werden und ältere Stücke umarrangieren. Ansonsten, größtenteils den Spaß und die Vorfreude, die wir mitbringen.

 

Stehen außer der Tour bereits andere Pläne für 2015 fest?

Sönke: Wir werden im Sommer ein paar Festivals spielen und im Herbst eine weitere Deutschland-Tour machen.

Felix: Und dann langt es auch langsam (lachend). Wir werden dieses Jahr schon ordentlich zu tun haben.

Viel Spaß dabei und vielen Dank für das Interview! 

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