Im Rückspiegel: Hamburg-Konzerte

Im Rückspiegel: Hamburg-Konzerte

Die Sounds & Books-Hamburg-Konzerte im Rückspiegel mit Roachford, President Street, Six60, Automatic, Droeloe und Daniel Benyamin

Die letzte Konzertwoche begann am Montag, 15. November 2021 mit dem Gig von Roachford im Mojo Club. Der britische Musiker Andrew Roachford war 1988 mit „Cuddly Toy“ und dann mit „Get Ready!“ (1991) und „This Generation“ (1994) bei uns in Deutschland, aber vor allem auch in England, ziemlich erfolgreich. Das sitzt noch irgendwie im Hinterkopf fest. Richtig weg war Roachford eigentlich nie und und 2020 hat er mit „Twice In A Lifetime“ endlich wieder ein neues Album veröffentlicht – passend zum Start der Pandemie! Aber nun kann das Konzert mit seiner Band endlich stattfinden.

Hamburg-Konzerte mit Roachford im Mojo Club

Der gebürtige Londoner Roachford ist ein Soulman durch und durch. Der lebt und zelebriert seine Musik auf der Bühne. Singt fantastisch und spielt Piano dazu. An Schlagzeug, Gitarre und Bass unterstützen den Briten erstklassige Musiker. Roachford hat den Soul in seiner Stimme, in seinem Herzen und in seinem ganzen Auftreten. Er hat eine der bemerkenswertesten und vielseitigsten Soulstimmen der britischen Musikgeschichte. Seit 2010 ist Andrew Roachford übrigens auch Sänger bei Mike & The Mechanics. Die Show im Mojo Club ist schweißtreibend, vor allem für Roachford, denn der hängt sich voll rein. Und er wird gefeiert und verehrt von seinen Fans, die sind ab Sekunde eins dabei, singen mit und klatschen.

Roachford liefert ab in Überlänge – neue Songs, alte Songs und auch mal alleine am Piano mit einem Hit-Medley von Cover-Versionen, der kann einfach alles! Im Vorprogramm sind President Street aus Australien dabei: Tanzbarer Pop in Triobesetzung mit einer Sängerin, die wie ein bunter Vogel daherkommt. Nicht schlecht!

Daniel Benyamin im Knust

Am Mittwoch, 17. November 2021 dann mal wieder ins Knust zum Singer-Songwriter Daniel Benyamin. Mit Sea + Air scheint es vorbei zu sein, das Duo war durchaus erfolgreich. Im Knust sind jetzt vielleicht 20 Leute, immerhin mehr als beim letzten Gig im Häkken. Im Lockdown dachte sich Benyamin ein neues Genre aus: Naive Music. Aus der Presseinfo ist zu entnehmen: „Wie das klingt, lässt sich auf seinem im Februar 2022 erscheinenden Debüt-Album hören. Dort verdichtet Daniel Benyamin seine Erfahrungen zu einer klaren, eigenen Stimme. Er zeigt sich sowohl in Zerbrechlichkeit, als auch in den für ihn typischen energievollen Rhythmen und atmosphärischen, eingängigen Melodien. Sein Handwerk ist das große Songwriting der 70er und 80er. Kombiniert mit plastischen Synthieklängen und analog gespielten Instrumenten, wächst ein einzigartiger musikalischer Kosmos.“

Benyamin steht an diesem Abend mit seinem langjährigen musikalischen Partner Zar Monta Cola auf der Bühne, der ihn als Schlagzeuger und Multi-Instrumentalist unterstützt. Die beiden heben die Multi-Instrumentalität von Sea + Air auf eine neue Ebene und klingen als Duo wie ein kleines Orchester. Dazu dann noch eine tolle Lichtshow, ein gelungener Abend. Das neue Album gibt es unter der Hand schon am Merch zu erstehen. Für die wenigen Eingeweihten sicherlich ein Zuckerli.

Automatic im Molotow

Am Donnerstag, 18. November 2021 dann Automatic im Molotow, ein Konzert, auf das sich der Autor dieser Zeilen schon seit Monaten gefreut hat, nachdem er die Girls vor der Pandemie bereits zweimal im Hafenklang live gesehen hat. Izzy Glaudini (Synths, Vocals), Lola Dompé (Drums, Vocals) und Halle Saxon (Bass, Vocals) trafen sich in der DIY-Bandszene von Los Angeles und begannen 2017, gemeinsam zu jammen. Schnell verbreitete sich die Kunde über ihre hervorragenden Live-Shows. Bereits 2019 erschien ihr Debüt-Album „Signal“ auf Stones Throw, einem ansagten Indie-Label für HipHop, Soul und nun auch elektronisch geprägten Sound.

Die Drei nannten sich „Automatic“, nach einem Song der Go-Go’s – der einzigen (!) rein weiblichen Band, die je ein gesamtes Album geschrieben und aufgenommen hat, das in den USA Platz 1 der Charts erreichte. Automatics gitarrenloses Setup schien zunächst eine Leerstelle im Sound zu hinterlassen, doch ihr Zusammenspiel gab ihnen Kraft und so nahmen sie ihren Platz in der Szene ein.

Der Film als Einfluss auf Automatic

Automatic verfeinerten ihren Sound und verbanden, informiert von Neu! und Suicide, ihre Vorliebe für Dub-Reggae, Motorik-Rhythmen und knorrige Synthesizer mit ihrem filmisch geprägten Popverständnis. Izzy studierte übrigens Film an der Hochschule und Halle arbeitete früher in der legendären Videothek „Kims Video“ in New York, und so wundert es nicht, dass die Band auch das Medium Film als wichtigen Einfluss auf ihre Musik nennt. Insbesondere David Lynch und Dario Argentos haben ihre Spuren in den mehrdeutigen Texten und unheimlichen Atmosphären hinterlassen.

Der rote Faden, der „Signals“ durchzieht, ist das Gefühl von Angst und Entfremdung, womöglich eine der prägenden Erfahrungen des frühen 21. Jahrhunderts überhaupt: das Gefühl, am Rand der Welt zu stehen. Oder wie Automatic es ausdrücken: „Die Welt ist so am Arsch. Keine Ahnung, wie ein Musiker sagen könnte: ‚Das ist alles toll.’“ Im Molotow liefern Automatic wie gewohnt ihr etwa 45-minütiges Set bei spärlicher Saalbeleuchtung  ab, ohne Zugabe. Passt aber so, denn viele Künstler:innen machen ansonsten tolle Konzerte oftmals mit ungeplanten Zugaben kaputt! Dann lieber noch das Remix-Vinyl am Merch erstehen und von den Girls unterschreiben lassen (da haben sich sich aber auch lange bitten lassen).

Hamburg-Konzerte mit Droeloe im Mojo Club

Am Samstag, 20. November 2021 wieder in den Mojo Club – diesmal zum Abtanzen! Mit Droeloe (sprich: drew-lou) ist das multidimensionale Projekt des niederländischen Musikproduzenten und Komponisten Vincent Rooijers endlich in der Hansestadt zu Gast. Die Pressseinfo verspricht vollmundig: „Durch die Verflechtung von klanglich progressiver Musik und aufwendigen Visuals, kreiert Droeloe cineastische Klanglandschaften und visuelle Projektionen, die Geschichten erzählen und sich wie ein Kunstwerk entfalten.“ Ganz so spektakulär ist das Ganze nun nicht, aber das DJ-Set (inklusive einem kurzen Trompeten-Intermezzo) wird durch eine ansprechende Lichtshow visualisiert, ein Cube umgibt Droeloe und die Lichtstreben werden in unterschiedlichen Farben illuminiert. Und die Meute tanzt dazu, die haben sichtlich Spaß!

Fusion-Rock aus Neuseeland mit Six60

Am Sonntag, 21. November 2021 sind dann tatsächlich Six60 aus Neuseeland im Knust zu Gast – kurz vor Beginn der Show ist Schlange stehen angesagt bis zur Feldstraße. Die Jungs sind eine der erfolgreichsten Bands in ihrem Land, ihr vielseitiger Fusion-Rock schwappt nun endlich auch live in unsere Breitengrade rüber. Die Mischung aus Rock, Soul, R’n’B und Reggae macht Spaß, von Singer-Songwriter-Jams über Dubstep-Bridges und harte Gitarrenarbeit bis hin zu tiefsten Bass-Sounds und perkussiven Experimenten stecken die Melodien von Six60 immer an.

Entspannte Harmonien, das lässige Songwriting und ein fast unanständig lässiger Groove packt das Publikum, dass dafür gesorgt hat, dass der Laden ausverkauft ist. Die Stimmung ist mega – Six60 sind nun auch in Deutschland angekommen. Die Jungs haben sich übrigens nach der Hausnummer 660 Castle Street in Dunedin im Süden der Südinsel benannt hat, wo die Band immer gejammt hat.

(Beitragsbild: Raochford by André Itjes)

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