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10. Oktober 2023
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10. Oktober 2023Die Erwartungen an das neue Album der als „Slacker Queen“ bejubelten Ilgen-Nur sind abartig wie unfair hoch. Das konnte eigentlich nicht gutgehen.
von Michael Thieme
Die unter komplett anderen Vorzeichen als der Vorgänger „Power Nap“ eingespielte neue Platte „It’s All Happening“ ist ab kommenden Freitag hörbar. Es klingt so lässig und cool, wie man den Vorgänger wahrnahm – und doch auf vielerlei Weise anders. Grund dafür sind persönliche Veränderungen im Leben der Künstlerin, hervorgerufen durch eine durch die Pandemie etwas ausgebremste Karriere, die letztendlich neue Lieben sowie Möglichkeiten offenbarte. Das angeschmachtete Objekt dabei ist LA – eine Stadt, in die es Ilgen-Nur verschlug, nachdem die anvisierten Showcase-Gigs auf dem karrierefördernden SXSW in Texas seuchenbedingt abgeblasen wurden.
Atmosphäre tanken im Laurel Canyon
Solange wie möglich
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blieb sie dort und tankte Atmosphäre im legendären Laurel Canyon, aus dem in den Siebzigern unzählige Perlen der Songwriterkunst in die Plattenregale der Welt schwappten. Ihr Album musste wohl einfach dort entstehen. Auf die ganze Stuttgart-Connection (ihr Geburtsort) um Produzent Max Rieger wurde verzichtet, nur ihr Gitarrist Maximilian Barth durfte/sollte mit, dem sie auf ihrer letzten Tour in Wiesbaden attestierte, „viel netter als sie zu sein“ (Bericht dazu hier). Der Rest wurde von Session-Musikern beigetragen – Studioprofis aus LA, höchstes Niveau halt. Ihre vielbeschworene Lässigkeit dominiert nach wie vor, wirkt allerdings weit geerdeter als vorher. Inspirationen für ihre Songs scheinen eher äußerliche Einflüsse zu sein als innere; Einflüsse wie Begegnungen mit anderen Menschen oder einfach gewonnene Eindrücke beim Cruisen mit ihrem weißen Mercedes durch die Straßen an der amerikanischen West Küste.
Die hinterhältigen Ohrwürmer von Ilgen-Nur
Beim ersten oder zweiten Hören kann diese melancholische Coolness im Sound unter Umständen verdammt öde wirken, je nach eigenem Aggregatzustand. Knaller wie „Nothing Suprises Me“ oder „Easy Way Out“, die das Debüt beim ersten Hören rasch als Perle offenbarten, fehlen erst mal (bis auf das bereits veröffentlichte „Purple Moon“, welches sofort auf ähnliche Weise zündet). Das Gros der Scheibe offenbart nach wenigen Umdrehungen jedoch, dass auch „It’s All Happening“ voller hinterhältiger Ohrwürmer steckt – Songs die einem unbemerkt in die DNA laufen und einem über Stunden hinweg im Ohr begleiten. Und dabei ein gutes Gefühl produzieren. Nein, die Erwartungen wurden hier nicht wirklich erfüllt. Sie wurden, lässt man sich ein wenig auf „It’s All Happening“ ein, mehr als übertroffen. Chapeau.
„It’s All Happening“ von Ilgen-Nur erscheint am 13.10.2023 bei Power Nap Records. (Beitragsbild von Miriam Marlene)





