I Blame Coco: The Constant

I Blame Coco: The Constant

Debütalbum der Sting-Tochter Coco Sumner

von Gérard Otremba

Die Zöglinge berühmter Eltern haben es natürlich doppelt schwer, erst recht, wenn sie in die Fußstapfen ihrer populären Erziehungsberechtigten treten. Egal, ob im Sport oder der Musik, zumeist fallen die Karrieren vergleichsweise mau und flau aus. Die Last der Bürde wiegt ungemein, ob nun Franz Beckenbauer der Vater heißt oder John Lennon. Jakob Dylan und seine Band Wallflowers mögen noch als positive Ausnahme durchgehen. Immerhin, einige gute Songs hat er der Musikhistorie beschert, aus dem Schatten des Übervaters Bob Dylan kann er natürlich nicht heraustreten, es wäre schlichtweg eine „mission impossible“. Allein Jeff Buckley bekam reichlich Talent von seinem Vater Tim in die Wiege gelegt, doch ein ähnlich zu frühes Ableben wie bei seinem Erzeuger verhinderte weitere musikalische Großtaten neben „Grace“.

Sting-Tochter Coco Sumner mit ihrem ersten Pop-Album „The Constant“

Nun versucht also Eliot Paulina Sumner als I Blame Coco die Popwelt zu erobern. Deren Vater heißt Gordon Matthew Sumner, ist der Musikwelt besser bekannt als Sting und schrieb sowohl als Sänger und Bassist der Band „The Police“ als auch in der Frühphase seiner Solojahre Musikgeschichte. Zur Musikgeschichte ist es ein langer Weg und zumindest betritt Eliot Paulina Sumner, genannt Coco, von ihrem Vater unbetretene musikalische Pfade. Mit ihrem ersten Album „The Constant“ reiht sich die 20-Jährige in die Galerie junger Popmusikerinnen wie Ellie Goulding und Marina & The Diamonds ein, die zwar durchaus in der Lage sind, catchy Popsongs zu schreiben, aber dem Kalkül einer Lady Gaga noch entsagen.

Synthie-Pop im 80er Jahre Retrosound

Allerdings huldigen diese Damen einem synthielastigen Retrosound der 80er Jahre, der schon in den 80er Jahren die 80er Jahre völlig (und völlig zu recht) in Misskredit brachte. Ja, man hasste diesen scheppernden und künstlichen Synthie-Pop. Es war übelste Retortenmusik und vermaledeite einem die Jugendzeit. Nun klingt das alles auf „The Constant“ auch nicht wirklich besser als damals. Schade eigentlich, denn auf dem Album befinden sich einige brauchbare Popsongs, die sicherlich in vielen Discos zünden werden. Songs wie „Selfmachine“, „In Spirit Golden“, „Turn Your Back On Love“, „Quicker“ oder auch „Please Rewind“ kann man sich ob ihrer euphorischen Art kaum entziehen und in ihren besten Momenten erinnern diese Stücke mit ihrem pulsierenden Drive und der tragenden Kraft von Cocos Stimme immerhin an Pink. Ein endgültiger Ohrwurm-Killer-Song wie „Hollywood“ von Marina & The Diamonds ist zwar auf „The Constant“ nicht zu hören, aber die feierliche Ballade „Summer Rain“, der New Wave-artige Titelsong und das Reggae-infizierte „No smile“ bringen Abwechslung auf die Platte. Nur die Produktion erinnert eben manchmal an Giorgio Moroder, leider. Ausbaufähiges Potential besitzt Eliot Paulina Sumner alias Coco aber allemal.

„The Constant“ von I Blame Coco ist im November 2010 bei Universal erschienen.

 

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