Hinds: The Prettiest Curse und Melenas: Dias Raros

Hinds: The Prettiest Curse und Melenas: Dias Raros

Mit Hinds und Melenas veröffentlichen am 05.06.2020 zwei spanische Frauen-Power-Pop-Quartette neue Alben

Laut dem aktuellen Rolling Stone nehmen die seit 2011 bestehenden Hinds aus Madrid „einen festen Platz als Lieblingsspanierinnen in unserem Herzen ein“- mehr als nachvollziehbar, betrachtet man zum Beispiel die Clips zu „Good Bad Times“, dem Opener des nun (nach coronabedingter Verschiebung) kommenden Freitag erscheinenden dritten Hinds-Albums „The Prettiest Curse“, indem die vier Musikerinnen als Superwesen jede Menge Edles wie die Rettung einer Katze von einem Baum vollbringen. Oder den der  Single „Just Like Kids (Miau)“, indem die Vier das ubiquitäre Mansplaining aufs Korn nehmen. Dünnes Eis hier für den männlichen Rezensenten.

Hinds lassen die Sonne im Herzen aufgehen

Hinds The Prettiest Curse Cover Lucky Number Music

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sich zwei der vier Ladies (Carlotta Cosials und Ana García Perrote) kennenlernten, während ihre Lebensabschnittspartner miteinander musizierten. Die beiden taten es ihnen als Duo gleich, mussten ihren Bandnamen ändern, gewannen zwei Kolleginnen/Freundinnnen dazu und begeistern jetzt auch international. Dass auf Englisch gesungen wird hilft dabei wahrscheinlich sehr, spanische Parts tauchen auf ihrem dritten Alben zum ersten Mal auf. Der locker-swingende Wohlfühl-Gitarrenpop würde jedoch in jeder Sprache funktionieren – wem bei „Good Bad Times“ zum Beispiel nicht augenblicklich die Sonne im Herzen aufgeht oder wer bei „Waiting For You“ nicht auf angenehme Art melancholisch wird, ist ein roher Mensch.

Ausgebremst wurde auch dieser Spaß sowie die bewerbende Tour von Corona – „The Prettiest Curse“ hätte bereits vor zwei Monaten erscheinen sollen, Liveaktivitäten liegen auf Eis. „Viele unserer Lieben haben das Virus bekommen – es hätte sich nicht richtig angefühlt, parallel  dazu etwas zu promoten, das Spaß machen sollte“ wird Ana García Perrote dazu in Visions 326 zitiert. Ein bisschen Wehmut umschleicht den Spaß bei einem Album, das so nach Freibad und Eisbecher schreit, jedoch auch noch zwei Monate später.

„The Pretties Curse“ von Hinds erscheint am 05.06.2020 bei Lucky Number Music / Rough Trade. (Beitragsbild von Andrea Savall)

Hinds - Good Bad Times

Melenas verzücken noch mehr als Hinds

Melenas Dias Raros Cover Trouble In Mind

Verschoben haben den Release ihres zweiten Albums „Dias Raros“ („Seltsame Tage“) ebenso Melenas aus Pamplona – ebenso wie Hinds ein rein weiblich besetztes Quartett; ebenfalls Gitarren-Power-Pop, allerdings komplett auf Spanisch, was gerade für den deutschen Rezensenten Fragen aufwirft: Ein Song heißt „Los Alemanes“ und nur zu gern würde ich wissen, was genau da so erzählt wird. Nicht, dass einem nicht genug Themen einfallen würden, um dies aus spanischer Sicht inhaltlich zu füllen; die wenigsten davon wären angenehm. Doch nicht nur wegen einer gefühlten Bringschuld macht sich beim Hören noch weitaus mehr Verzückung breit als bei den Kolleginnen aus Madrid –   Melenas sind rockiger, durch ihr orgeliges Keyboard auf eine Weise, die „alte weiße Männer“ noch mehr abholt als der freche Kaugummi-Sound von Hinds.

Henry Rollins lobt Melenas

Henry Rollins sieht das auch so, in seinem Broadcast (https://www.kcrw.com/music/shows/henry-rollins/kcrw-broadcast-581) lobt er ausdrücklich „En Madrid“ – und das ist nicht die einzige Perle auf diesem Album, das in seiner leicht krautigen Melancholie und Coolness wie ein perfekter Soundtrack für eine Autofahrt durch flimmernde Landschaften mit spärlicher Vegetation anmutet. Die schrammeligen Gitarren von „No Puedo Pensar“, die shoegazigen Vocals zur Fuzz-Gitarre bei „29 Grados“, die leichte Psychedelik von „El Tiempo Ha Pasado“; „3 Segundos“ und „Ciencia Ficcion“ mit seinen 60ies-Pop-Referenzen – das ist ganz großes Kino, das bei jedem Durchlauf mehr fasziniert. Beide Alben sind toll, die „Lieblingsspanierinnen in meinem Herzen“ heißen jedoch eindeutig Melenas.

„Dias Raros“ von Melenas erscheint am 05.06.2020 bei Trouble In Mind / Cargo Records.

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