Hexvessel: Kindred – Albumreview

Hexvessel: Kindred – Albumreview

Hexvessel fahren wieder das große Psychedelic-Folk-Rock-Besteck auf

Wenn alles zusammenbricht und kein Strom mehr aus der Steckdose kommt, dann kann man ja immer noch Folk spielen.  So scheinen immer mehr Musizierende zu denken, die hauptberuflich bei Metal- oder Punkbands lärmen. Kein neues Phänomen – die Sänger von u.a. Saint Vitus, Social Distortion oder The Gaslight Anthem machen dies bereits seit Langem vor. Einer, der seit Jahren musikalisch wie geographisch auf verschiedensten Hochzeiten tanzt, ist der Brite Mat McNerney, auch bekannt unter dem Alias Kvohst. Er sang bei Black Metal-Bands wie den Norwegern Dødheimsgard oder den Engländern Code, führte die Renaissance des Post-Punks mit den legendären, aber kurzlebigen Beastmilk an (aus denen sich die nach wie vor existierenden Grave Pleasures schälten) und steht seit 2009 als Sänger, Songwriter und Gitarrist den finnischen Hexvessel vor, die mit „Kindred“ ihr bereits sechstes Album veröffentlichen.

Hexvessel in der Tradition von Fairport Convention

Hexvessel Kindred Cover Svart Records

Hexvessel ist eine Folktruppe mit mindestens 5 Mitgliedern, darunter McNerneys Frau Marja Konttinen sowie Jukka Rämänen von den Drone-Metallern Dark Buddha Rising. Nachdem Hexvessels Folk zuletzt 2019 auf „All Tree“ sparsamer wie konventioneller klang, wird auf „Kindred“ wieder das große, psychedelische Besteck aufgefahren – ganz in der Tradition britischer Folk-Prog-Legenden wie Steeleye Span oder Fairport Convention, aber auch dem verspulten, düsteren Zweig dieser Gattung wie Current 93 oder Coil, deren „Fire Of The Mind“ Hexvessel auf diesem Album covern. Inhaltlich wird unter anderem Hermann Hesses „Demian“ gehuldigt und seinem von C.G.Jung inspiriertem Persönlichkeitsbegriff sowie dem Mythos der „Phaedra“, der auch schon Lee Hazelwood oder Benjamin Britten musikalisch anregte.

„Kindred“ ist eine gute Wahl

Ob es sich lohnt, den esoterischen Naturgedanken McNerneys zu folgen oder ob wir seine Aussagen, dass „wir alle zur Natur zurückkehren müssen. Wir müssen alle sterben!“ (Rock Hard) gegenwärtig wirklich brauchen, überlasse ich mal dem geneigten Leser. Musikalisch jedoch verzaubert „Kindred“ auf äußerst eindrucksvolle Art und Weise einmal mehr und stellt in der ohnehin beeindruckenden Diskografie Hexvessels ein ziemliches Statement dar. Geheinmisvoll, düster und bedrohlich entführt uns „Kindred“ in den Zauberwald sowie in innere Sphären, in denen Sicherheitsabstand keine Rolle mehr spielen muss. Kvohsts verzaubernde Beschwörungskunst wurde in der Zwischenzeit auch von Behemoths Adam Darski bei seinem lagerfeuerkompatiblem Zweitprojekt Me And That Man und deren kürzlich erschienenen Longplayer verwendet. Gute Wahl. „Kindred“ ist das ebenso.

„Kindred“ von Hexvessel erscheint am 17.04.2020 bei Svart Records. (Beitragsbild von Saara Kujansuu)

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