Herman Dune: Notes From Vinegar Hill

Herman Dune: Notes From Vinegar Hill

Kalifornische Selbst-Quarantänisierung: Ein neues Album von Herman Dune

Schon vor einigen Jahren war die Band „Herman Dune“ das schönste Geheimnis im Indie-Folk-Pop: eine 1999 in Paris gegründete Gruppe mit wechselnden Mitgliedern, im Kern aber eigentlich ein Duo, in dem zwei Männer musizierten, die sich beide „Herman Dune“ nannten und die eventuell Cousins sein sollen: „André Herman Dune“ und „David-Ivar Herman Dune“. Doch sind die beiden wirklich verwandt? Manche behaupten, sie hätten sich in der Schule kennengelernt. Aber auch das ist nicht verbürgt. Genauso, wie über die Herkunft dieser Burschen sehr unterschiedliche Legenden existieren. Manche sagen, sie kämen aus Schweden. Andere behaupten, sie seien Franzosen, wieder andere sagen, sie seien Marokkaner. Sie selbst behaupten, Juden zu sein, „jenseits aller Grenzen, vom Süden Floridas bis nach Lappland“.

Tragikomische Perlen der Songwriter-Kunst

Das einzige, was in diesem Kuddelmuddel sicher ist: Beide haben zusammen nicht nur jede Menge Pseudonyme, sondern gemeinsam – oder auch jeder für sich – jede Menge Musik in die Welt gepustet, die das Schönste aus den Sphären des Folk, des Country und des Indie-Pop vereinigt. Es sind fast allesamt schillernde, gleichzeitig bisweilen tragikomische Perlen der Songwriter-Kunst.

Was dann folgte, war etwa ein alleine in einem Apartment am Meer in Malibu aufgenommenes Solo-Album von David-Ivar Herman Dune unter dem neuen Pseudonym „Black Yaya“, das die musikalische Welt von Herman Dune um ein paar schöne Facetten erweiterte. Und nun kommt mal wieder ein neues Album von Herman Dune heraus, auf dem, um die Verwirrung komplett zu machen, nun ausschließlich David-Ivar Herman Dune alleine zu hören ist.

Herman Dune erzählt von Isolation und Angst

Herman Dune Notes From Vinegar Hill Cover BB*Island

„Notes From Vinegar Hill“ ist das Ergebnis einer Selbst-Quarantänisierung in Vinegar Hill, San Pedro, Los Angeles. An dem Ort, an dem Charles Bukowski seine letzten Lebensjahre verbracht hat. Ein Album, dass noch einmal alle Vorzüge dieses Musikers, der auch Bildender Künstler und Comic-Zeichner ist, glimmen und glitzern lässt: Americana, Indie-Pop, Antifolk, luzider Sixties-Westcoast-Pop, Country, ja sogar schnörkelloser Rock wird hier zu einer Musik verdichtet, die von Isolation und Angst erzählt, von der Furcht vor Pandemie und der aktuellen US-Politik, aber auch von der Schönheit. Von der Schönheit Kaliforniens, des Meeres und des Lebens mit verschiedenen Katzen, die auch in neueren Videos von Herman Dune zu sehen sind.

Klassischer Herman-Dune-Stoff

Das David Berman, dem jüngst verstorbenen Sänger der Silver Jews, gewidmete Album wurde komplett im Heimstudio in San Pedro aufgenommen, wo Dune auch seine Plattenfirma Santa Cruz Records betreibt. Schon das erste Stück „Say You Love Me Too“ ist klassischer Dune-Stoff: ein sehnsuchtsvolles, herzergreifendes Liebeslied. Ein wärmendes, elegisches Stück Popmusik – zu dem auch ein Video erschienen ist.

Was die Musik von Dune stets auch auszeichnete, neben dem vollendeten Sinn für Songwriting, war immer der Schwung ins Verrückte, Spleenige. Doch auch die auf dem Album folgenden Stücke „Heartbroken & Free“ und „Freak Out Til The Morning Dew” sind recht klassische, sonnige, schmachtende Country-Hippie-Folk-Nummern in der Tradition der Sixties und Seventies.

Ein eingängiges Album auf höchstem Niveau

Das vierte Stück, „Ballad Of Herman Dune“, kommt auf einem verschlepptem Hip-Hop-Beat sehr lässig daher. „LA Blues“ zeigt noch einmal, dass es kaum eine schönere Stimme gibt, als die von Herman Dune – eine jener Stimmen, die nicht älter werden, die man nicht vergisst. „Notes From Vinegar Hill“ ist ein eingängiges Album, das auf höchstem Niveau bleibt, doch vielleicht fehlen ihm ein wenig die Überraschungen. Auf „Vinegar Hill“, „Scorpio Rising“ und „Hawaii Morning“ folgt der schrullige Rock-Stampfer „Mookie Mookie“.

Herman Dune vereint so viel Schönes aus der Musikgeschichte

„Birds Of Prey“ greift nochmal tief in die Country-Fingerpicking-Kiste, doch das Allerbeste kommt zum Schluss: „PS I Could Have Done Great Things“ und vor allem „Long Monday“ zeigt noch einmal, was Herman Dune zu etwas Besonderem macht: Er vereint so viel Schönes aus der Geschichte der Musik, dass es tatsächlich vollkommen ungelogen ist, wenn seine deutsche Plattenfirma „BB*Island“ damit wirbt, diese Musik sei gleichermaßen für Fans von Beck, Kimya Dawson, The Moldy Peaches, Lucinda Williams, Michael Kiwanuka, The Silver Jews, Lana Del Rey, Pavement, Bob Dylan und Leonard Cohen gemacht.

„Notes From Vinegar Hill“ von Herman Dune ist am 13.11.2020 bei BB*Island erschienen. (Beitragsbild von Mayon)

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