Helgen und Alex Mayr live im Hamburger Birdland

Helgen und Alex Mayr live im Hamburger Birdland

Intellektuellen-Indie-Rock aus Hamburg und Urban-Pop aus Mannheim

Text und Fotos von Gérard Otremba

Normalerweise ist das Birdland ein Hamburger Szenetreff der Jazzgemeinde. Berühmte Künstler wie Art Blakey, Chet Baker, Diana Krall, James Moody und Rebekka Bakken beehrten bereits den Kellerclub in der Gärtnerstraße in Hoheluft. Seit April 2015 findet dort nunmehr zusätzlich zu den Jazz-Konzerten die Reihe „Kellerhertz – Konzerte mit Mitschnitt“ statt. Genreunabhängig bietet sie unbekannten und aufstrebenden Künstlern ein Live-Forum, mit aufgezeichneten und auf YouTube veröffentlichten Songmitschnitten. Jeden ersten Freitag des Monats treten im Rahmen der Kellerhetz-Konzertreihe jeweils zwei Bands im Birdland auf.

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Am 02.12.2016 sind dies Alex Mayr und Helgen. Die in Bremen aufgewachsene Alex Mayr zog 2007 zu Studienzwecken nach Mannheim, wo sie Schlagzeuger Konrad Henkelüdeke begegnete, mit dem sie seit zwei Jahren als Band unterwegs ist. Ende letzten Jahres erschien die Alex Mayr-EP Gut gegen Böse, deren Songs auch im Mittelpunkt des Auftritts im Birdland stehen. Der Urban-Pop von Alex Mayr vereint zahlreiche popkulturelle Einflüsse, von Liedermacher-Pop („Aus uns’rer Haut“), über HipHop-artige Textpassagen („Gut gegen Böse“) hin zu nordafrikanischer Polyrhythmik („Inch’Allah“). Die Arrangements dürfen aber auch mal kindlich-verspielt („Schere, Stein, Papier“) oder nachdenklich-verträumt sein („Wenn ich mal 18 bin“) sein. Was die Songs jedoch verbindet, sind die intelligenten, teilweise auch ironischen Texte, von Alex Mayr jederzeit charmant vorgetragen. Nachdem das Jahr 2016 für Alex Mayr im Zeichen von aufwendigen Video-Produktionen stand, soll das Songwriting die nahe Zukunft füllen und ein Album geplant werden.

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An ihrem ersten Album arbeitet auch fleißig die Hamburger Band Helgen. Jedenfalls ist für das kommende Jahr die Veröffentlichung des Debüts des Indie-Rock-Pop-Trios geplant. Solange müssen die Fans noch mit der EP Lass uns Feinde sein vorlieb nehmen. Oder Konzerte von Helgen besuchen, das lohnt sich auf jeden Fall. Leider dient der Gig im Birdland als Abschlusskonzert mit zweiwöchiger Pause der Herbsttour 2016 für Sänger und Gitarrist Helge Schulz, Bassist Niklas Beck (Band-Experte für Nerdtum) und Drummer Timon Schempp. Wie immer hinterlassen Helgen einen charismatischen Eindruck und überzeugen mit Indie-Songs, die den Intellektuellen-Touch von Stephen Malkmus und Jarvis Cocker ins Deutsche übertragen. Die Texte von Helge Schulz sind geistreich und witzig, der Indie-Rock von Helgen mäandert fast beiläufig, aber lyrisch durch das Birdland, bevor er entweder explodiert, oder erfolgreich im Zaum gehalten wird. „Wie es in den Büchern steht“, „Die Flut“ oder „Lass uns Feinde sein“ gehören definitiv in den Hamburger Indie-Kanon und „Alles was wahr ist“ und „Paul und Peter“ atmen den anarchischen Geist von Ton Steine Scherben. Und mit dem Album erfolgt 2017 der Durchbruch für Helgen.

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